Willie Nelson - You Don't Know Me: The Songs of Cindy Walker

CD Cover Willie Nelson - You Don't Know Me: The Songs of Cindy Walker
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Das Timing ist beängstigend: Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung von Willie Nelsons Tribute an die legendäre Countrysongs-Autorin Cindy Walker, stirbt die soeben Geehrte. Im stattlichen Alter von 87 Jahren zwar - dennoch wäre es der Grande Dame der frühen Countrymusic mehr als vergönnt gewesen, diese späte Würdigung noch zu erleben. Zumal sich Willie Nelson mit den 13 Country-Antiquitäten dieser Zusammenstellung redliche Mühe gab ...

Im Intro zu der von Fred Foster produzierten CD erklärt Willie Nelson seine enge Beziehung zur Musik und letztlich auch zur Person von Cindy Walker. Er erzählt davon, wie er in den 40er Jahren in der Band von Bud Fletcher als Gitarrist anheuerte und als Youngster Songs wie "Bubbles In My Beer", "I Was Just Walkin' Out The Door" oder "Miss Molly" spielte. Es war, so Nelson in seiner Biografie, "the biggest thrill of my life to that point."

Es war auch für die gesamte Countrymusic ein "big thrill", denn die Songs von Cindy Walker brachten neue Elemente in das Genre: Rockabilly und Western -Swing. Vor allem aber verstand es die in jungen Jahren bildhübsche und auch in Hollywood gefeierte Musikerin vorbildlich, mit einfachen Sätzen und ins Ohr gehenden Melodien authentische und zu Herzen gehende Geschichten zu erzählen. Daran erinnert dieses liebevoll ausgestattete Tribut. Gleichzeitig macht der Silberling klar, dass ihre Songschätze bis heute nichts von ihrem früheren Glanz eingebüßt haben. Voraussetzung: man hat eine Ader für Nostalgie und traditionelle Klänge.

Willie Nelson und seine Mitmusiker - das A-Team Nashvilles um Gitarrist Brent Mason und Drummer Eddie Bayers - bleiben mit ihren Interpretationen erstaunlich nahe an den betagten, mitunter 60 Jahre alten Vorgaben. Nelson & Co. spielen sich so authentisch und dabei gleichzeitig lässig durch das längst Falten und Patina angesetzte Repertoire, dass man fast das Knistern einer Vinyl-, wenn nicht gar Schellack-Platte vermisst. Doch auch digital machen die Songs jede Menge Spaß. Gleich der Opener, das fröhliche "Bubbles In My Beer" lässt sämtliche Alltagssorgen platzen wie Seifenblasen. Dafür sorgen eine aufgekratzte Fiddle, ein klimperndes Honkytonk-Piano, brillante Swing-Gitarrenläufe, ein rührender Text und schließlich Willies unnachahmlich beseelter Gesang.

Wie so oft nach einem Bier zu viel, lässt der Kater nicht warten. Im nächsten Song schleicht er sich auf leisen Pfoten an: "Not That I Care" - eine einfach großartige Ballade aus dem zeitlosen Garn der zurückgewiesenen Liebe gesponnen. Mit "Take Me In Your Arms And Hold Me", einer von Walkers bekanntesten Songs, beleuchtet sie bzw. Willie Nelson eine weitere Gefühlsfacette der Liebe. So munter abwechslungsreich geht es auch in den restlichen Titeln weiter: Mal gibt's gute Laune und flotter Texas-Swingà la "Don't Be Ashamed Of Your Age", "Miss Molly" oder "It's All Your Fault", dann wieder sorgen- und kummervolles Lamento vom Schlage "The Warm Red Wine", "I Was Just Walkin' Out The Door" oder dem Titeltrack "You Don't Know Me".

Fazit: Hut ab vor der soeben verstorbenen Songwriter-Königin der frühen Countrymusic -und Respekt für Willie & Co. Ein herrlich nostalgischer Trip in das Schallarchiv des Genres.

Label: Lost Highway (Universal) VÖ: 14. März 2006


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