Willie Nelson - Ride Me Back Home

CD Cover: Willie Nelson - Ride Me Back Home

Willie Nelson veröffentlicht mit "Ride Me Back Home" wieder mal ein Meisterstück.

Willie Nelson ist der Keith Richards der Country Music. Unverwüstlich. Unverwundbar. Und unvergleichlich ist die mittlerweile 86-jährige Musik-Ikone sowieso. 86 Jahre. Ein Alter, in dem man es - vorausgesetzt man erlebt es überhaupt - sehr, sehr ruhig angehen lässt: Die Fernseh-Fernbedienung ist wichtigstes Utensil, der Rollator häufig unverzichtbar. Anders natürlich der Country-Großmeister aus Abbott, Texas. Auf rollende Gehhilfen kann der, das beweist er bei seinen großartigen Live-Auftritten regelmäßig, lässig verzichten - und sein wichtigstes Utensil ist nach wie vor seine heißgeliebte "Trigger".

"Ride Me Back Home" - eine Ode an die Pferde. Und an bessere Zeiten.

Vermutlich müsste man Willie Nelson schon dieses Museumsstück von Akustikgitarre wegnehmen, um ihn von der Musik fern zu halten. Zum Glück kommt niemand auf diese abstruse Idee und so zeigt sich der Veteran immer noch produktiver als die meisten seiner jugendlichen Nachfahren. Aktueller Beleg: "Ride Me Back Home", die 13. Zusammenarbeit mit Produzent Buddy Cannon.

Den gefühlvollen Opener und Titeltrack schrieb Willie gemeinsam mit seinem Freund und Nashville Songwriter's Hall of Fame-Mitglied Sonny Throckmorton: eine wundervoll melancholische Ode an Pferde, die schon mal bessere Tage gesehen haben.

Für den graubärtigen Zopfträger sicher eine Herzensangelegenheit, schließlich besitzt er auf seinem Gestüt bei Austin, Texas, rund 60 Vierhufer, die er angeblich alle vor dem Metzger gerettet hat. Die ausgedienten Pferde dienen Komponist und Interpret natürlich auch als Metapher für eine immer herzloser werdende Welt, in der es nur um Profit und Effektivität geht und in der kein Bedarf mehr an den Alten ist. "Ride Me Back Home" ist deshalb auch ein herrlich poetisches Statement gegen die Auswüchse des Jugendwahns.

Willie Nelson: Country und noch viel mehr

Doch so wehmütig bleibt Willie Nelson im Verlauf der elf "Ride Me Back Home"-Titel natürlich nicht. Auch wenn niemand in Nashville schönere Tränen vergießen kann als Willie Nelson - niemand unter den Country-Stars hat so einen hintergründigen, lausbubenhaften Witz.

Schon beim nachfolgenden "Come On Time" zieht er die Zügel gut gelaunt an - mit flottem Besen-Groove, Fender-Piano, Mickey Raphaels unverkennbarer Mundharmonika und herrlich lakonischen Textzeilen wie "time you are not fooling me, you are something I could kill".

Sein augenzwinkernder Witz prägt auch das im Dreiviertel-Takt gehaltene "It's Hard to Be Humble". Angesichts seiner Karriere und seines Ansehens ist es tatsächlich unmöglich, bescheiden zu bleiben. Willie Nelson gelingt es natürlich trotzdem. Auch deshalb wird der singende Kiffer verehrt, wie kein zweiter.

Natürlich flirtet die Country-Ikone im Verlauf der elf "Ride Me Back Home"-Songs erneut mit anderen Genres: bei "Seven Year Itch" brilliert er in bluesigen Gefilden, bei "Stay Away from Lonely Places" gibt er den so traurigen wie obercoolen Jazz-Bar-Troubadour und mit "Just The Way You Are" traut er sich sogar an Billy Joels schönstes Liebeslied - und macht daraus: einen echten Country-Song mit Mundharmonika, Pedal-Steel und Trigger. Keinem anderen würde das so überzeugend gelingen.

Mit einer weiteren Fremdkomposition, Buzz Rabins Klassiker "Maybe I Should Have Been Listening", beschließt Willie Nelson diese CD. Auf dass noch viele weitere nachfolgen mögen...

Fazit: Tiefenentspannt, vielseitig, gefühlvoll, geistreich: Willie Nelson unterstreicht auf "Ride Me Back Home" seine Sonderklasse. Ein weiteres Mal.

Label: Legacy (Sony) VÖ: 21. Juni 2019
01 Ride Me Back Home
02 Come On Time
03 My Favorite Picture of You
04 Seven Year Itch
05 Immigrant Eyes
06 Stay Away from Lonely Places
07 Just the Way You Are
08 One More Song to Write
09 Nobody's Listening
10 It's Hard to Be Humble (mit Lukas Nelson & Micah Nelson)
11 Maybe I Should've Been Listening
vgw
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