Willie Nelson - American Classic

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Redaktionswertung Bewertung: 3 Sterne = ok
Userwertung

Die Country-Legende Willie Nelson war in musikalischer Hinsicht schon immer experimentierfreudig. Das beweisen zum Beispiel Kollaborationen mit dem Latino-Sänger Julio Iglesias, der Western-Swing-Band Asleep At The Wheel und der Reggea-Ikone Ziggy Marley. Ebenso seine Zusammenarbeit mit dem Jazztrompeter Wynton Marsalis. Zusammen brachten die beiden 2008 "Two Men With The Blues" heraus. Das Album erreichte Platz 20 der Billboard Charts – Nelsons größter Charterfolg seit "Always On My Mind" von 1982. Bei diesem Projekt muss Nelson Gefallen am Jazz-Genre gefunden haben. Denn auf "American Classic" interpretiert die Country-Ikone Jazzstandards. Damit führt die CD auch Nelsons Schritt fort, den er 1978 schon einmal gewagt hat. Damals war er mit dem Album "Stardust", auf dem er Klassiker wie "Georgia On My Mind" und "Unchained Melody" zum Besten gab, äußerst erfolgreich – aller Skeptiker zum Trotz.

"American Classic", nach "Two Men With The Blues" Nelsons zweites Album bei Blue Note, entstand mit namhafter Unterstützung. Produziert wurde es vom dreifachen Grammy-Preisträger Tommy LiPuma, der bereits unter anderem mit Barbra Streisand, Natalie Cole und Michael Bublé arbeitete. Die Orchester-Arrangements übernahm Johnny Mandel. Zu den Begleitmusikern zählen der bekannte Jazzpianist Joe Sample, der Bassist Christian McBride, Anthony Wilson (Gitarre), Lewis Nash (Schlagzeug) sowie Nelsons langjähriger Begleiter Mickey Raphael an der Mundharmonika. Mit Diana Krall und Norah Jones als Duettpartner sind zwei weitere Musikgrößen auf dem Album vertreten. Das Ergebnis: zwölf eigene Interpretationen amerikanischer Jazz-Klassiker.

Mit dem ersten Titel "The Nearness Of You" (eine Aufnahme des Glenn Miller Orchesters wurde 1938 zum Bestseller) setzt Nelson gleich ein Zeichen für das gesamte Album. Das Jazzpiano, die Streicher und der ruhige, wiegende Jazzrhythmus der Drum-Besen erzeugen eine Stimmung wie in einer Jazzbar - ungewohnt für Country-Fans. Nelsons markante Stimme erinnert dennoch daran, dass hier ein Country-Musiker am Werk ist.

Bei "If I Had You" hat Nelson mit Diana Krall nicht nur eine Weltklasse-Jazzsängerin als Duettpartnerin, die 44-Jährige spielt bei dem Track auch Piano. "Das passte perfekt – sie ist unglaublich sanft und ihr Klavierspiel ist einfach großartig", so der Musiker über die Zusammenarbeit. Und auch Nelson selbst haucht bei der Aufnahme den Text geradezu ins Mikro. Ursprünglich stammt das Lied aus dem Jahr 1928 und wurde unter anderem von Frank Sinatra gesungen. "Baby, It’s Cold Outside", das Duett mit der amerikanischen Soul- und Jazz-Sängerin und Pianistin Norah Jones fällt dagegen um einiges flotter in Rhythmus und dem Wechsel zwischen den beiden Sängern aus. Es stammt im Original (1944) aus der Feder von Frank Loesser; die Performances von Ricardo Montalbán und Esther Williams sowie Red Skelton und Betty Garrett im Film "Neptune’s Daughter" brachten dem Stück 1949 einen Oscar für den "Best Original Song" ein. Die Bluesharp-Einlagen von Mickey Raphael geben der Nelson/Jones-Version eine bluesige Note und verleihen ihr einen Nelson-typischen Country-Touch. Dies ist auch bei "Angel Eyes" und "Since I Fell For You" der Fall. Durch seine beswingte Note hebt sich "On The Street Where You Live" – bekannt aus dem Musical "My Fair Lady" – etwas von den anderen Tracks ab und sorgt für wippende Beine und schnippende Finger.

Das Thema des Albums an sich – amerikanische Klassiker – bringt es mit sich, dass sich Willie Nelson bei den Songs in die Reihe einiger berühmter Vorgänger reiht, die die Titel bereits interpretierten. So auch und vor allem bei den beiden Meisterstücken "Fly Me To The Moon" (Versionen u.a. von Frank Sinatra, Shirley Bassey, Doris Day) und "You Were Always On My Mind", mit dem Willie Nelson schon Anfang der 1980er in seiner Country-Version große Erfolge feiern konnte. Diese Tatsache hat aber auch zur Folge, dass sich viele Vergleiche anbieten – und Stücke mit der Stimme von Frank Sinatra hat man so im Ohr, dass es Willie Nelson schwer hat, mit diesen Interpretationen mitzuhalten. Insgesamt zieht sich die im Opener angestimmte jazzige, ruhige Bar-Atmosphäre konsequent durch "American Classic" – die Titel "Come Rain Or Come Sunshine", "Ain’t Misbehaving", "I Miss You So" und "Because Of You" sind da keine Ausnahme. Dies könnte allerdings für den herkömmlichen Country-Geschmack etwas zu ruhig und ungewohnt sein.

Fazit: Markante Country-Stimme im Jazz-Gewand. Vielleicht etwas zu viel Jazz für Country-Ohren. Aber wie auch immer: Willie Nelson bleibt ein American Classic.

Label: Blue Note (EMI) VÖ: 21. August 2009


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