Nelson, Willie & Asleep At The Wheel - Willie and the Wheel

Willie Nelson and Asleep At The Wheel - Willie And The Wheel CD Cover
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Redaktionswertung Wertung: 3,5 Sterne = gut
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Bevor man sich das Album "Willie and the Wheel" von Altmeister Willie Nelson gemeinsam mit der Western-Swing-Band Asleep at the Wheel anhört, sollte man sich unbedingt die Linernotes durchlesen. Asleep at the Wheel-Chef Ray Benson schildert hier in launigen und auch bewegenden Worten, wie es zu der CD überhaupt kam. Kurz zusammengefasst: Produzentenlegende Jerry Wexler wollte immer mal mit Willie Nelson ein Western-Swing-Album machen, doch irgendwie hat es nie geklappt. Als sich der legendäre Soul- und Motown-Produzent (Percy Sledge, Wilson Picket, Roberta Flack u.a.) schließlich in den Ruhestand begab, verschenkte er seine Sammlung an Western-Swing-Alben an Ray Benson. Der entdeckte auf den LP-Hüllen hinter verschiedenen Songs die Initialien "WN". Als Asleep at the Wheel mit Big Willie in 2007 auf Tour ging, kam der Stein schließlich ins Rollen.

Ray Benson machte sich stark für das Projekt und übernahm auch die Produktion. Das Resultat ist ein 40-minütiger Trip in die Zeit der Schellacks und Stummfilme, in die Pionierzeit der Westernmusik um 1920. Nicht ganz ernst gemeint, sondern vergnügt augenzwinkernd machen sich Willie Nelson mit seiner unverkennbaren Säusel-Stimme und - meistens als eine Art Confroncier - Ray Benson mit seiner fantastischen Band daran, an den Wurzeln des Genres zu graben. Klar hat das Charme, wenn Willie & Co. Traditionals wie "Hesitation Blues", "Oh! You Pretty Woman" oder das häufig - garantiert aber noch nie so - interpretierte "Corrine Corrina" zu einem neuen-alten Leben erwecken. Sound, Instrumentierung und die an die Comedian Harmonists erinnernden Chöre bleiben so nahe an den antiken Vorbildern, dass man unwillkürlich das Knistern einer Schellack-Platte vermisst.

Wie viel Spaß die Beteiligten bei der Produktion der CD hatten, wird in jedem Titel deutlich. Bei manchen Songs ist ihnen vielleicht sogar der Gaudi-Gaul etwas durchgegangen. Bei "Sweet Jennie Lee", dem Klassiker von Walter Donaldson, zum Beispiel. Die eingestreuten Kommentare, der wimmernde Chor und das klimpernde Honky-Tonk-Piano überschreiten um Westernboots-Breite die Grenze zur Parodie. Der Song würde deshalb auch den britischen Humor-Anarchisten von Monty Python gut zu Gesicht stehen.
Grenzwertig fallen auch die mit viel Bläser-Getöse ausgestatteten Titel wie "Fan it" (von Frankie Jaxon und Don Howell) und "Bring it On Down to My House" (Traditional) aus. Die vielen Trompeten und Posaunen sorgen mit ihrem penetranten Gute-Laune-Geschmetter einfach für mehr Dixieland- als für Western-Swing-Feeling.

Gut gelaunt - aber auch gut gelungen - zeigt sich das einzige Instrumental der CD: "South". Mit der Bennie Moten/Thamon Hayes-Komposition landete Pionier Bob Wills Mitte der 1920er-Jahre einen Millionenseller. Gemeinsam mit den Stargästen Vince Gill (Gitarre) und David-Letterman-Musiker Paul Shaffer (Piano) feiert der Oldie eine gelungene Wiedergeburt. Wer "There'll Be Some Changes Made" von Chet Atkins mit Mark Knopfler (vom 1990 erschienenen "Neck and Neck"-Album) im Ohr hat, bekommt von dem Titel eine Vorstellung.
Eine echte Überraschung hält aber auch das Booklet parat: Willie Nelson ohne Bart! Hell, ein extrem gewöhnungsbedürftiger Anblick ...
Jerry Wexler, Initiator und Executive Producer der CD, erlebte deren Veröffentlichung übrigens nicht mehr. Im August 2008 verstarb er im Alter von 91 Jahren.

Fazit: Willie Nelson, Ray Benson und seine Band Asleep at the Wheel betreiben Wurzelforschung: Western-Swing aus der Frühzeit des Genres, augenzwinkernd und mit viel guter Laune interpretiert. Auf Dauer leider aber auch: etwas monoton.

Label: Bismeaux Production (in Deutschland nicht erschienen) VÖ: 03. Februar 2009


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