CD Cover Deana Carter - The Chain
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
Userwertung

"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohlgehe und du lange lebest auf Erden", lautet das vierte Gebot in der Bibel. Die Country-Sängerin Deana Carter hält sich daran und ehrt ihren Vater gleich mit einem ganzen Album. Das freut nicht nur den legendären Nashville-Gitarristen Fred Carter jr., sondern auch den geneigten Hörer, denn - so viel darf bereits verraten werden - die musikalische Ehrerbietung ist sehr gelungen.

Der Tribut an Fred Carter jr. ist zudem längst fällig: Er ist nicht irgendein Session-Gitarrist aus Nashville, sein Spiel machte Songs zu Hits. Sowohl das Lick zu Dale Hawkins "Suzie Q" als auch Gitarrenarbeit bei Simon and Garfunkels "The Boxer" gehen auf sein Konto und es darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass Carter jr. zum Teil mitverantwortlich war, dass diese Songs zu Welthits wurden.

Das sah wohl auch Töchterchen Deana Carter so, die sich für ihr Album "The Chain" die bekanntesten Lieder, bei denen ihr Daddy mitwirkte, aussuchte und neu einspielte. Mit väterlicher Unterstützung, versteht sich, und den Original-Interpreten als Duett-Partner.

Deana Carter beginnt ihre Hommage in den 50er Jahren, als auch die Karriere des Vaters startete. Roy Orbisons Edelschnulze "Crying" - die außer Orbison selbst nur eine Frau stimmlich packen kann - führt ruhig und sanft in das Album ein. Akustische Gitarren, Streicher und Harfe und Deanas engelsgleiches Organ geben dem Stück eine nahezu ätherische Qualität. Schon gleich beim ersten Lied kann man ein Lob auf die Produktion aussprechen, für die Deana Carter ebenso wie für die Arrangements höchstselbst verantwortlich zeichnete.

Mit "Help Me Make It Through The Night" folgt gleich der nächste Hit. Gemeinsam mit Kris Kristofferson singt sie dessen wohl schönsten Song, der vor allem durch die Gegensätze der Stimmen - glockenklar und grabestief - eine besondere Spannung erhält.

Gemeinsam mit Country-Urmutter Dolly Parton interpretiert Deana Carter das fröhliche "Love Is Like A Butterfly". Die Stimmen der Beiden ergänzen sich hervorragend und auch die repetitiven Gitarrenmuster lassen an gaukelnde Schmetterlinge über einer Sommerwiese denken.

Bei Simon und Garfunkels "The Boxer" sorgen wie schon beim Original Paul Simon und Fred Carter jr. meisterlich für die Gitarren. Den Duettpart neben Deana übernimmt Simon-Sprössling Harper mit zerbrechlicher Stimme. Gelungene Neuinterpretationen von Welthits sind schwer genug, Deana Carter gelingt dies ganz hervorragend auch dank der prominenten Hilfestellung. Selbiges gilt für Bob Dylans "Lay Lady Lay" und "The Weight" von The Band - Lieder die jeder kennt und liebt. Und doch schafft es Carter mit ihren Versionen neue Aspekte und Emotionen abzugewinnen. Obgleich die "The Weight"-Version von The Band gemeinsam mit den Staple Singers niemals zu toppen sein wird.

Nach den Ausflügen in die Folk-, Rock- und Popwelt nimmt sich Deana Carter endlich auch Countrymusik vor. Mit Jessi Colter singt sie die herzzerreißende Ballade "I'm Not Lisa", gemeinsam mit John Anderson interpretiert sie dessen 1983er-Hit "Swinging" und mit Willie Nelson - wir ahnen es bereits - "On The Road Again". Auch hier gilt: Auch wenn man den Song schon tausendmal gehört hat, schafft es die Sängerin, ihn frisch und im besten Sinne des Wortes unerhört darzubieten. Das gelingt ihr ebenso gut bei "Good Hearted Woman", das sie mit Waylon Jennings Filius Shooter zum Besten gibt und "He Thinks I Still Care", bei dem der große George Jones einen Gastauftritt hat. Lediglich mit Violine, Akustikgitarre und Orgel und Jones' hervorragend kaputter Stimme erhält das Lied einen besonderen, archaischen Charme.

Die Hit-Collection endet mit dem Neil-Young-Klassiker "Old Man". All diejenigen, die sich am Gesang des rebellischen Kanadiers stoßen (unverständlich, soll es aber tatsächlich geben), dürfen sich freuen, denn Deanas Stimme meistert die hohen Lagen entsprechend leicht.

Fazit: Gut gemeintes und ebenso gut ausgeführtes Cover-Album, bei dem Country-Sängerin Deana Carter nicht nur ihren Lieblingssongs und -Künstlern, sondern auch dem Schaffen ihres Vaters Fred Carter jr. Tribut zollt. Daddy dürfte ziemlich stolz sein.

Label: Vanguard (in Deutschland nicht veröffentlicht) VÖ: 15. Oktober 2007

  • Titelliste

  • Links

01 Crying 07 I'm Not Lisa (mit Jessi Colter)
02 Help Me Make It Through The Night (mit Kris Kristofferson) 08 Swingin (mit John Anderson)
03 Love Is Like A Butterfly (mit Dolly Parton) 09 On The Road Again (mit Willie Nelson)
04 The Boxer (mit Harper Simon and Paul Simon) 10 Good Hearted Woman (mit Shooter Jennings)
05 Lay Lady Lay 11 He Thinks I Still Care (mit George Jones)
06 The Weight 12 Old Man


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