Andererseits wird bei dieser Zusammenstellung auch klar, dass es hier um das typisch deutsche Country-Verständnis geht. Um den Mainstream. Um Lagerfeuerromantik, staubige Cowboystiefel, endlose Highways, einsame Herzen und so weiter. Doch auch das ist okay. Zumal die Verantwortlichen bei der Titelauswahl durchaus Geschmack und ein gutes Händchen für homogene Abwechslung zeigen.
Die drei CDs sind – das ist nicht originell aber sinnvoll – mehr oder weniger chronologisch zusammengestellt. CD 1 greift also ziemlich tief in den Backkatalog und präsentiert 20 vertraute Songs aus den 50er, 60er und 70er Jahren. Titel wie "I Walk The Line" (von Meister Johnny Cash), "Make The World Go Away" (Eddy Arnold), "Devil Woman" (Marty Robbins), der Soundtrack zum Edel-Western "12 Uhr Mittags", "High Noon (Do Not Forsake Me)" (Frankie Lane), "I’m Movin‘ On" (Hank Snow) und – um klar zu machen, dass auch der King ein Westmann war – das von Lester Flatt und Earl Scruggs geschriebene und von Elvis Presley herrlich geschmachtete "A Hundred Years From Now". Kurz: Mehr oder weniger die Songs der guten alten Country-Zeit – interpretiert von den Pionieren und Wegbereitern. Überraschungen? Immerhin eine: "Yakety Axe" von Chet Atkins und Mark Knopfler. Der Song trägt als Erscheinungsdatum das Jahr 1990 und schert somit aus der Riege der Oldies aus. Musikalisch fügt er sich allerdings nahtlos ein: Ein herrlicher Song! Immer noch ...
CD 2 ist vor allem den 70er und den frühen 80er Jahren gewidmet. Mit wirklich prima Titeln: "Jolene" (Dolly Parton), das romantisch-folkige "Any Day Now" (Ronnie Milsap), das immer noch traurige "The Most Beautiful Girl" (Charlie Rich), die Disco-Nummer "I Can Help" (Billy Swan) und der Liebesleid-Evergreen "Always On My Mind" (Willie Nelson). Songs von Waylon Jennings, Charlie Daniels, Guy Clark und Lynn Anderson runden den beschwingten Ritt durch diese Nashville-Epoche nostalgisch ab. Was sich die Compiler allerdings dabei dachten, der CD Smokies "Living Next Door To Alice" unter zu jubeln, bleibt allein ihr Geheimnis. Ein klarer Irrläufer.
Die dritte CD ist konsequenterweise dem "New Country" geschuldet. Rund zwei Drittel der Tracks stammen aus den 90er Jahren, der Rest aus dem neuen Jahrtausend. Auch wenn – vermutlich aus labelpolitischen Gründen – weder Garth Brooks, noch Randy Travis, noch Travis Tritt, Tim McGraw oder seine Gattin Faith Hill mit von der Partie sind, macht auch dieser Tonträger Laune. Dafür sorgen unter andrem: Alan Jackson ("It’s Five O’Clock Somewhere"), Brooks & Dunn ("Cowgirls Don’t Cry"), Mary Chapin Carpenter ("He Thinks He’ll Keep Her"), Lonestar ("Amazed"), Kenny Chesney ("Don’t Blink"), Diamond Rio ("Meet In The Middle") und Clint Black ("A Good Run of Bad Luck"). Carrie Underwood, Miranda Lambert und Sara Evans repräsentieren die junge, talentierte Damenriege der Country Music.
Fazit: Der Name der CD-Box ist Programm: "Essential Country". Und das Versprechen wird auch eingelöst – eine 60 Songs starke Bestandsaufnahme der letzten 50 Jahren Country Music. Nicht lückenlos, aber höchst unterhaltsam.










