Dolly Parton - Those Were The Days

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"Those Where The Days" ... Ja, das waren freilich Zeiten. Damals, als die Hemden Rüschen und die Hosen einen Schlag haben mussten, als "Make Love - Not War" die Parole war, als am Lagerfeuern mit der Wandergitarre Protestlieder gesungen wurden und man, so forderte es der Hit von Scott McKenzie, Blumen im Haar tragen musste, sollte man tatsächlich mal nach San Francisco reisen. Von welchen Zeiten Dolly Parton bei ihrem neuen Album schwärmt? Richtig, von den Swinging Sixties und denflippigen Seventies.

Für ihr neues, mittlerweilesechste Album im Vertrieb des Bluesgrass-Labels Sugar Hill Records, hat sich Dolly Parton ein besonderes Konzept zurecht gelegt: Songs aus den 60ern und 70ern in ein zeitgemäßes, akustisches Bluesgrass-Kleid zu stecken - um diese Songs gemeinsam mit einer ganzen Reihe von guten Freunden neu einzusingen. Die guten Freunde sind häufig die Interpreten oder die Songschreiber, die für dieses Dutzend Meilensteine der Pop- oder besser: Beatgeschichte Pate standen. Ja, das gibt ein richtig turbulentes Wiederhören mit vielen Veteranen. Teilweise mit Leuten, von denen man seit Urzeiten nichts mehr vernommen hat.

Dazu zählt zum Beispiel die ursprüngliche Sängerin des Titeltracks. Wer hat schon in den letzten 30 Jahren etwas von Mary Hopkin gehört? Das wäre wohl die 500.000-Euro-Frage bei Günther Jauch. Hier aber stimmt die alte Kammelle urplötzlich ihr zittriges Organ (aus der Gruft?) wieder an. Ein etwas skurriler Auftakt, keine Frage. Obwohl Dolly mit bewährter Bruststimme den Song natürlich zu retten vermag.

Auch aus dem Raritäten-Kabinett stammt "Crimson and Clover", ein herrlicher Sixties-Beat-Knaller, mit einem längst vergessenen Tommy James als knarzigen Duettpartner. Nostalgie pur! Das gilt auch für "Where Do The Children Play", die prächtige Hippie-Ode von Cat Stevens, der hier -natürlich unter seinem neuen Namen Yusuf Islam - tatsächlich bedächtig mit Dolly mitsummt. Auch für die Interpretation des Birds-Hits "Turn, Turn, Turn" holte sich die blondeste aller Countrysängerinnen einen der Songväter ins Studio: Robert McGuinn - und es klingt mehr als passabel. Fast, aber nur fast so gut wie bei "Me And Bobby McGee". Kris Kristofferson, der Songautor dieses Klassikers, ließ sich natürlich nicht lumpen, um mit Dolly eine wirklich gelungene Duett-Performance abzuliefern. Angestachelt vom alten Kumpel lief die Country-Veteranin zur Höchstform auf: Janis Joplin auf Malzbier! Prächtig, vital, voller Leben und Emotionen.

Für die restlichen Songs setzte Dolly Parton, die das in Nashville aufgenommene Album auch produzierte, auf die Zugkraft von aktuellen und jungen Country-Stars: Nickel Creek schauen bei Bob Dylans-Hymne "Blowin' In The Wind" vorbei, bei "Twelfth Of Never" kuschelt sie sich hörbar gerne an Keith Urban, bei der Love-and-Peace-Hymne "Where Have All The Flowers Gone" kredenzt sie Jazzerin Norah Jones und Kollegin Lee Ann Womack und bei "The Cruel War", ein reichlich angestaubter Song, kommen Alison Krauss, Mindy Smith und Dan Tyminski an die Reihe. Neben "Both Sides Now", mit Judy Collins und Rhonda Vincent im vokalen Gepäck, und einem von Hit-Produzent David Foster geklimperten und ziemlich überflüssigen "Imagine" hält die CD mit "If I Where A Carpenter" noch einen echten Country-Evergreen parat. Nicht nur das. Das Duett mit Brummbär Joe Nichols gehört zu den Glanzlichtern der CD, hat rauen Charme und Klasse -und erinnert tatsächlich ein wenig an die legendäre Aufname von Johnny & June. Ja ja, das waren noch Zeiten ...

Fazit: Auch mit ihrem neuen Album wandert Dolly Parton auf Blue-Grass-Pfaden in den Fußstapfen von Stars aus den 60er und 70er Jahren. Ein wirklich besonderes Cover-Album mit vielen hübschen Duett-Paarungen.

Label: Blue Eye (EMI) VÖ: 17. Februar 2006

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