Chris Janson - The Outlaw Side of Me

CD Cover: Chris Janson - The Outlaw Side of Me

Auf seinem neuen Album "The Outlaw Side of Me" singt Chris Janson mit Darius Rucker, Brantley Gilbert, Dolly Parton und Slash

Ein Redneck? Aber Hallo! So wie Chris Janson, der 37-jährige Sänger und Songschreiber aus Missouri, auf dem Cover seines neuen Albums "The Outlaw Side of Me" posiert, bleiben keine Fragen offen. Oder ist das alles subtile Ironie? Nein, nein, liebe Leserinnen und Leser, so viel Augenzwinkern muss man von dem erklärten Anhänger der Republikaner nicht erwarten. Deshalb erinnert Chris Janson nicht nur optisch an eine jüngere Ausgabe von Hank Jr. - bärtig, bärig, mit Hut, Boots, Zigarre und jeder Menge Energie.

Mit welchem Kraftwerk man es mit diesem Herrn zu tun hat, macht schon der Opener deutlich: "Rowdy Gentle Man", was in etwa so viel heißt wie "raue Schale, weicher Kern". Nun, vom weichen Kern ist bei dem Track nicht viel zu spüren. Dafür aber umso mehr von seiner rauen, vielleicht auch rowdyhaften Schale: Ein Track, wie ein Frontalangriff - laut, treibend, vollgepackt mit Testosteron und im haarsträubenden Tempo angelegt. Ein Country-Rock 'n' Roller der Extraklasse, inklusive Gitarren- und Mundharmonika-Solo.

Chris Janson: jede Menge Testosteron und Energie

In dieser energiegeladenen Gangart geht es weiter: "Honkytonk Minute" und der anschließende Titeltrack weisen den renommierten Songschreiber (u.a. "Truck Yeah" für Tim McGraw) als überzeugenden Interpreten aus. Ein Sänger, der da bestehen keine Zweifel, seine stärksten Momente im härteren Country-Rock hat. Genau diese Tugenden bringt er in den ersten Songs seines fünften Longplayers zu Gehör. Songs, die keinerlei Selbstzweifel, Zaudern oder gar künstlerisches Hinterfragen erahnen lassen.

Dabei dürfte sich im letzten Jahr doch die eine oder andere Frage nach der musikalischen Ausrichtung gestellt haben. Denn nach dem erfolgreichen Start seiner Solo-Karriere - seine ersten drei Alben landeten auf den Plätzen 4, 7, 12 der Country-Charts - musste er mit seinem letzten, 2022 erschienenen Album "All In", eine herbe Bruchlandung verschmerzen. Erstaunlich. Denn nach drei Hit-CDs sollte man doch auf eine treue Fangemeinde zählen dürfen. Darüber hinaus bewegen sich seine Streaming-Zahlen immer wieder im dreistelligen Millionenbereich. Aber: der Fan ist ein unberechenbares Wesen. Garantien werden nicht ausgestellt.

Wohl auch nicht für "The Outlaw Side of Me". Sollte das Werk erneut nicht die anvisierten höheren Charts-Weihen erlangen, müssen sich Chris Janson und seine Marketing-Einflüsterer keine Vorwürfe machen. Schließlich hält das Album gleich mehrere PR-trächtige Events bereit. Beispielsweise den wuchtigen, brummigen und dazu sehr coolen Party-Song "Hank the Hell Out of the Honkytonk", bei dem er ein herrlich aufgedrehtes Pärchen mit Brantley Gilbert abgibt. Zwei Raubeine, zwei Brüder im Geiste.

Rau und herzlich: "The Outlaw Side of Me"

Auch in den weiteren Songs wird tüchtig gerockt. Sehr traditionell im Rock 'n' Roll-Style angesiedelten "Tap That", melodiös und inhaltlich brav konservativ bei "Good Folks Goin' to Work" und so solide wie wuchtig bei "GOAT" und "Get It Right". Im letzten Drittel der CD gelingen Chris Janson noch zwei waschechte Überraschungen. So erinnert er bei "Every Day of the Week" - ein Duett mit Darius Rucker - glatt an den Country-Evergreen "Achy Breaky Heart" von Billy Ray Cyrus. Wer weiß, vielleichte zündet dieser Country-Happy-Sound erneut in den Charts. Gut möglich ist es allemal.

Noch größer aber ist das Erstaunen über "21 Forever". Denn in dem süß-romantischen, mit reichlich Geigen-Schmus aufgeladenen Song macht er nicht nur gemeinsame Sache mit Country-Königin Dolly Parton. Er hat sich für den hymnischen Titel auch die Künste von Guns 'n Roses-Gitarrist Slash gesichert. Ja, richtig gehört: Der Song bringt Chris Janson, Dolly Parton und Slash zusammen. Vermutlich haben sich die drei bei den Aufnahmen kein einziges Mal gesehen und, wie es heute so üblich ist, nur die Audio-Files hin und her geschickt. Egal, auch so ist der Song ein wuchtiges Statement für generationsübergreifende Stiloffenheit.

Nach der hübschen, akustisch und traditionell gehaltenen Ballade "Days in the Field" gibt es als letzten Song noch eine weitere Version von "21 Forever". Hier ohne Dollys Glockenstimme, dafür mit einem noch längeren Solo von Slash. Macht er gut, der alte Haudegen!

Fazit: Jede Menge Country-Rock, einige traditionelle Songs und drei erstaunliche Kooperationen mit u.a. Dolly Parton und Slash. "The Outlaw Side of Me" von Chris Janson ist schlagzeilenträchtig - und musikalisch überzeugend.

Label: BMLG (Universal) VÖ: 16. Juni 2023
Disk 1
01 Rowdy Gentle Man
02 Honkytonk Minute
03 Outlaw Side of Me
04 All I Need Is You
05 Hank the Hell Out of the Honkytonk (mit Brantley Gilbert)
06 Dirt in My Life
07 Tap That
08 Good Folks Goin' to Work
09 G.O.A.T
10 Get It Right
11 Every Day of the Week (mit Darius Rucker)
12 21 Forever (mit Dolly Parton & Slash)
13 Days in the Field
14 21 Forever (mit Slash)
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ralffred antwortete auf das Thema:
6 Monate 4 Wochen her
ralffreds Avatar
Wow, was für ein tolles Album. Hier zeigt sich, dass Chris Janson den guten alten Country-Rock der 90er Jahre liebt. Das ganze Album ist absolut hörbar und hat keinen Durchhänger. Viele Stücke sind auch für Line Dancer (natürlich nur Country Line Dance) sehr gut tanzbar.
Die Scheibe - ja ich höre immer noch CDs - läuft bei mir immer wieder.
Und 21 Forever mit Dolly Parton und Slash geht durchaus als wundervolle Rockballade durch.
Wenn nichts Besseres kommen sollte, ist dieses Album MEIN Album des Jahres.
Danke, Chris, wür dieses tolle Album.

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