Obwohl Country Music als erzkonservativ und als der inoffizielle Red-State Soundtrack gilt, singen in diesem Jahr einige der berühmtesten Namen der Country Szene in Filmen, die sich mit homosexuellen oder transsexuellen Themen beschäftigen.

Dolly Parton wurde für "Travelin' Thru", ein Lied das sie für "Transamerica" komponierte und sang, für einen Oscar nominiert, und Willie Nelson und Emmylou Harris sind im Oscar Spitzenreiter Brokeback Mountain zu hören.

Willie Nelson, bekannt für seine musikalischen und politischen Ikonoklasmen, brachte sogar zum Valentinstag einen Song über homosexuelle Cowboys mit dem Titel "Cowboys Are Frequently, Secretly Fond of Each Other" heraus.

Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass in nächster Zukunft homosexuelle Liebeslieder das 'Heartland' überschwemmen werden.

Altgediente Country-Stars wie etwa Parton, Nelson und Harris können es sich leisten, ein homosexuelles Publikum anzusprechen, da sie bereits über eine Stammhörerschaft verfügen. Deren Karrieren basieren längst nicht mehr auf großen Hits, da sie das Country Radio bereits ignoriert.

Dolly Parton, die sich immer über ihre große homosexuelle Anhängerschaft freute, gibt an, zu unbeugsam zu sein, um sich um allfällige negative Reaktionen zu sorgen. "Ich bin bereits alt genug und auch exzentrisch genug, dass wenn jemand mir sagt was ich zu tun habe, ich diesen Leuten die kalte Schulter zeigen kann", erwähnte Parton, 60, kürzlich gegenüber der Associated Press.

Der Country Sender WXBX in Johnson City widmete 2 Tage seiner Morgensendung den Publikumsmeinungen zu den Gay Songs von Willie und Dolly. "Wir bekamen den Eindruck, dass das Publikum von diesen Künstlern enttäuscht war. Für uns bedeutet das, dass wir vermutlich kein großes Interesse daran zeigen werden, diese Musik häufig zu spielen', so der Programmkoordinator Bill Hagy, mit dem Hinweis darauf, dass Parton und Nelson ohnehin nicht mehr zu den Mainstream Country-Künstlern gehörten.

"Meiner Meinung nach", so der Country-Fan Jamie Billman, der in Valley Springs, Kalifornien lebt und auf Urlaub in Nashville weilte, "widerspricht es dem, wofür Country-Musik ursprünglichen steht."

Transamerica zeigt die Desperate Housewives-Schauspielerin Felicity Huffman in der Hauptrolle als Transsexuellen, der eine Woche vor seiner Geschlechtsumwandlung erfährt, dass er einen Sohn aus einer belanglosen heterosexuellen Beziehung hat und macht sich infolgedessen mit dem Teenager zu einem Roadtrip auf.

Parton schrieb den Schlusssong zum Film, der an Gospelklänge erinnert und Referenzen auf Gott und Erlösung beinhaltet. "In meiner Firma arbeitet jemand, der früher eine Frau war und jetzt ein Mann ist", sagte Parton."Ich war mir dessen jahrelang nicht bewusst und wusste nicht, dass sich diese Person einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte. Ich weiß, was für ein wunderbarer Mensch er ist und einige meiner Emotionen im Lied basieren auf meinen Gefühlen für ihn, in dem Wissen was er durchmachte."

Nashville hatte bisher wenige Stars, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannten, doch die Homosexuellenvertreter der Stadt meinen, Music Row sei weitaus freundlicher und entgegenkommender als viele vermuten. "Ich erwartete Männer mit Kapuzen und brennenden Kreuzen, doch ich begegnete in Music Row vielen Menschen, die offen waren", so Larry Dvoskin, ein Grammy-nominierter Songwriter und Produzent, der bereits mit David Bowie, Van Halen, Ricky Martin und vielen anderen gearbeitet hat. "Doch es gibt immer noch eine art kultureller Barriere, so in die Richtung: 'Ja, wir finden es alle okay, aber wir möchten lieber nicht darüber sprechen."'

Country Sänger hätten wenig Gründe, sich öffentlich zu outen, erzählt Chris Sanders, Präsident der Nashville Gay and Lesbian Chamber of Commerce. "Die Frage, die sich ein schwuler oder lesbischer County-Star stellen muss, ist die Frage ob die öffentlichkeit ihn/sie weiterhin als Musiker akzeptieren wird, oder ob der andere Aspekt in den Vordergrund rückt", so Sanders.

Parton kommentierte, dass vor allem homosexuelle Männer von ihrer strahlenden Erscheinung, ihrem dick aufgetragenen Make-up, ihren pompösen Gewändern und der blonden Perücke angezogen würden. Sie hat keine Probleme damit, sich gegen die Konventionen Nashvilles zu sträuben: " Ich war immer eine Außenseiterin und anders als die anderen; ein bunter Hund, bereits in meiner Kindheit und innerhalb meiner Familie. Deshalb kann ich mich mit Menschen, die kämpfen und versuchen, ihre wahre Identität zu ergründen, gut identifizieren. "Ich habe kein Recht, über etwas zu urteilen… ich liebe Menschen für das, was sie sind. Wir sind alle Kinder Gottes."

Nelson, 72, hat sich auch nie um die Meinungen von Music Row gekümmert. Seine Fangemeinde ist sehr breit gestreut und geht über die übliche Country-Anhängerschaft hinaus. Er kann sowohl einen Song mit dem grobschlächtigen Toby Keith ("Beer For My Horses"), als auch ein Reggae Album mit einem Marihuanablatt am Cover aufnehmen.

Im Soundtrack von Brokeback Mountain singt Nelson das sanfte "He Was a Friend of Mine". Harris bietet "A Love That Will Never Grow Old" von Gustavo Santaolalla und Bernie Taupin, dar. Ihre zerbrechliche Stimme passt perfekt in das zerstreute, himmlisch anmutende Arrangement, das an die Weiten von Wyomings Landschaft erinnert.

Nelson 'Gay Cowboy Song' beinhaltet trockene Texte, wie zum Beispiel "Was hast Du denn gedacht, worum es bei den Sätteln und Cowboystiefeln ging?" Vom texanischen Sänger und Songwriter Ned Sublette 1981 komponiert, "'outete' sich der Song 20 Jahre lang nicht", so Nelson in einem schriftlichen Kommentar. "Jetzt ist die Zeit reif, um ihn an das Licht der öffentlichkeit zu bringen. Ich öffne bloß die Türe."

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