Jewel - Picking Up The Pieces

CD Cover: Jewel - Picking Up The Pieces

"Picking Up The Pieces" nennt Jewel ihr neuestes Album, ihr erstes Album mit neuen Songs seit dem 2010 erschienen "Sweet And Wild". Nicht ohne Grund erinnert der Titel an das Debüt-Album der mittlerweile 41-jährigen Singer/Songwriterin aus Alaska. Denn mit "Picking Up The Pieces" soll sich ein Kreis zu "Pieces of You" schließen - zurück zu den Folk-Klängen und persönlichen Singer/Songwriter-Songs. "Ich habe versucht, einen kühlen Kopf zu wahren und ehrlich zu etwas zurückzukehren, zu dem ich in meinem Leben den Kontakt verloren hatte", schreibt die Sängerin.

Also ein "Pieces of You" reloaded? Keinesfalls. Denn das 14 Songs umfassende "Picking Up The Pieces" ist kein nostalgischer Akt, kein Kompromiss. Im Vordergrund steht die Stimme der Sängerin - mal kraftvoll, mal als kratziges Brummen, mal als sanftes, fast zerbrechliches Flüstern. Begleitet wird sie dabei von sanften Gitarrenakkorden und Pianoklängen von Nashvilles A-List Session Musikern - unter ihnen der "Guitar Player of the Year" 2014 Rob McNelley und Chad Cromwell (Neil Young). Am liebsten hätte Jewel Ben Keith, Produzent von "Pieces of You" und Pedal-Steel-Gitarrist von Neil Young, als Produzenten verpflichtet. Da Keith jedoch 2010 starb, nahm die Singer/Songwriterin die Produktion des Albums selbst in die Hand.

Während Jewel sich auf ihrem zwanzig Jahre alten Debüt teils idealistischer zeigte, präsentiert sie auf "Picking Up The Pieces" Songs, die sie als gereiftere, tiefgründigere Songwriterin auszeichnen. Wohl auch, weil die Sängerin in den letzten Jahren neben der Geburt ihres Sohnes auch das Zerbrechen ihrer Ehe erleben musste. Diese Emotionen packt sie in ihre Folk-Songs. Bestes Beispiel: Der Opener "Love Used to Be" und das emotionale "The Shape of You", die jeweils mit poetischen Lyrics und einer berührenden Ehrlichkeit überzeugen. Jewels rohe, unbearbeitete Stimme steht hier – wie bei allen Songs - im Vordergrund. Ohne viel Trara produziert kommen die Vocals besonders bei zarten, emotionalen Songs zum Vorschein. Bei Balladen wie "Pretty Faced Fool" und den fast gesprochenen Lyrics von "His Pleasure Is My Pain" zu Tragen. Zugleich zeigt sie sich als gereifte Songwriterin, die in der Lage ist tiefgründige, poetische Lyrics zu schreiben. Das kristallklare "Family Tree" und das abschließende "Mercy" geben Einblicke in das Seelenleben der Sängerin.

Zu den neuen Tracks gesellen sich Stücke wie "Carnivore", "Everything Breaks" und "A Boy Needs A Bike", die Jewel zwar seit den 90er Jahren regelmäßig bei Konzerten zu Besten gab, die jedoch bisher auf keinem Album Platz fanden.

Doch nur mit Solonummern will die zweifach für den Grammy® nominierte Jewel ihr Album dann doch nicht beschließen. Gleich zwei Hochkaräter konnte sie sich für Duetts sichern. Mit Rodney Crowell präsentiert sie "It Doesn’t Hurt Right Now"; bei der autobiographischen Ballade "My Father's Daughter" wechseln sich Jewel und ihr selbsternanntes Idol Dolly Parton äußerst harmonisch in der Leadstimme. Ein absolutes Highlight!

Fazit: So ursprünglich hat man Jewel seit 20 Jahren nicht mehr gehört. Gereifter und tiefgründiger kehrt die Singer/Songwriterin zurück zu ihren Folk-Wurzeln.

Label: Rounder (Universal) VÖ: 30. Oktober 2015
01 Love Used to Be
02 A Boy Needs A Bike
03 Everything Breaks
04 Family Tree
05 It Doesn't Hurt Right Now (mit Rodney Crowell)
06 His Pleasure Is My Pain
07 Here When Gone
08 The Shape of You
09 Plain Jane
10 Pretty Faced Fool
11 Nicotine Love
12 Carnivore
13 My Father's Daughter (mit Dolly Parton)
14 Mercy

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