CD Cover zum Soundtrack von dem Film Walk The Line
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Redaktionswertung CD von der Redaktion nicht bewertet
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Der Soundtrack zu dem Film "Walkt The Line" wurde in Deutschland mit Gold, für 100.000 verkauften Alben ausgezeichnet

Irgendwie ist man fassungslos. Da rücken für einen Dreh Schauspieler an, die man zwar für ihre Leinwandpräsenz schon mal für überirdisch halten mag, die aber sonst mit ihrer Sangeskunst noch nie aufgefallen sind. Und: Sie singen, als ob sie seit Jahrzehnten nichts anderes gemacht hätten. Das gelang Anfang der 90er Jahre Bruce Willis mit ein, zwei Blues-Alben, Sissy Spacek in dem Robert Altmann-Film "Nashville" und - allen voran und topp aktuell - River Phoenix und Reese Witherspoon in dem Johnny Cash Biopic "Walk The Line".

Ganze dreieinhalb Monate lang haben die beiden Schauspieler River Phoenix und Reese Witherspoon angeblich gemeinsam mit dem Soundtrack-Produzenten T Bone Burnett - ein alter Meister der Studiopulte - geübt, geprobt, gesungen, getanzt. Eine lächerlich kurze Zeit, bedenkt man, wie lange andere Sänger und Sängerinnen an ihrer Karriere schmieden. Eine unglaublich kurze Zeit aber, wenn man sich die Leistungen vor dem Mikro der beiden anhört. Freilich kommt Joaquim Phoenix an die unterirdisch brummigen Tiefen des seligen Johnny nicht heran. Macht nichts. Denn - und das ist viel wichtiger als gemessene Hz-Frequenzen: Der Mann, der mit seiner Meisterleistung in "Gladiator" zur ersten Hollywood-Riege aufgestiegen ist, kommt der Aura, der Intention und dem Gefühl von Johnny Cash nahe. Man spürt in seinem Gesang seinen Geist - und man glaubt, hört man Phoenix "Walk The Line", "Ring of Fire", "Cry, Cry, Cry" oder das gänsehaut-böse "Folsom Prison Blues" nöhlen - den Original Man in Black irgendwo in seinem Hinterstübchen auszumachen. Ist er's. Er, der Echte, der Einzige?

T Bone Burnett zieht für den Soundtrack zu "Walk the Line" sämtliche Register seines Könnens

Die musikalische Umsetzung macht das Verwirrspiel schließlich perfekt. T Bone Burnett (Jimmie Dale Gilmore, Bruce Cockburn, Gillian Welch) zieht sämtliche Register seines Könnens. Er lässt die weichen, analogen, knorrigen und knisternden Sounds aus den Sun Studios von Memphis und in den Recording-Tempeln Nashvilles in den frühen 60er Jahren wieder auferstehen. Zur Hand gingen ihm dabei nicht nur verdiente Recken an ihren Instrumenten wie Dennis Couch (Kontrabass), David Kemper (Drums) und Lloyd Green (Pedal Steel Guitar), sondern auch Zeitzeugen wie Jack Clement (Komponist für Johnny Cash, Carl Perkins und Charley Pride) und Gitarrist Norman Blake (Bob Dylan, Kris Kristofferson, Johnny Cash). Diese Herren wissen nur zu genau, woraus der Stoff gewebt ist, in der sich der frühe Rock 'n' Roll, Rockabilly und die Country Music in den 50er und 60er Jahren modisch kleidete.

Neben Cash/Phoenix und Reese Witherspoon, die der jungen June Carter stimmlich bemerkenswert nahe kommt, gibt es auf dem Soundtrack zu "Walk The Line" ein Wiederhören mit weiteren Geburtshelfern der Rockmusik. Waylon Malloy Payne gibt in Film und Soundtrack den wildgelockten Tasten-Rastelli Jerry Lee Lewis ("Lewis Boogie"), Tylor Hilton schlägt sich wacker als blutjunger Elvis ("That's All Right") und Shooter Jennigs stapft mit Elan und heißblütiger Stimme in die Fußstapfen seines Vaters, dem großen Waylon Jennings ("I'm A Long Way From Home").

Auf dem Soundtrack zu "Walk the Line" reiben sich die Stimmen von Phoenix und Witherspoon

Den Löwenanteil der 16 Titel starken Soundtrack-CD bestreiten natürlich Phoenix und Witherspoon, teils solo, teils im Duett - wie beim Bob Dylan-Klassiker "It Ain't Me Baby". Ähnlich wie bei Carter/Cash reiben sich auch bei den beiden Hollywood-Stars die Stimmen - wie Schmiergelpapier und Samt. Und genau wie bei dem legendären Country-Duo wirft auch bei den Schauspielern der offenkundige Gegensatz sexy Funken. Am schönsten fliegen sie beim letzten Titel, bei der Jerry Leiber-Komposition "Jackson": "We got married in a fever, hotter than a pepper sprout ..."

Fazit: Joaquim Phoenix und Reese Witherspoon schlagen sich mehr als beachtlich als Johnny Cash und June Carter auf dem Soundtrack zu "Walk the Line". Alte Songs, neue Stimmen - ein Muss für alle Cash-Fans.

Label: Fox Music / Wind-Up (Sony) VÖ: 27. Januar 2006

  • Titelliste

  • Links

01 Get Rhythm 10 Juke Box Blues
02 I Walk The Line 11 It Ain't Me Babe
03 Wildwood Flower 12 Home of The Blues
04 Lewis Boogie 13 Milk Cow Blues
05 Ring Of Fire 14 I'ma Long Way From Home
06 You're My Baby 15 Cocaine Blues
07 Cry Cry Cry 16 Jackson
08 Folsom Prison Blues 17 Rock N' Roll Ruby (Video)
09 That's All Right 18 Jackson (Video)


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