June Carter

June Carter entstammt der legendären Carter Family und war die zweite Ehefrau von Johnny Cash

Als June Carter im Mai 2003 verstarb, geschah dies ziemlich unerwartet. Die Country Music Welt verlor mit ihr eine Persönlichkeit, die Vielen als Ehefrau von Johnny Cash bekannt war. June Carter war mehr, viel mehr als die Stütze eines ebenso genialen wie in mancherlei Hinsicht labilen Superstars, für den sie ihre eigene Karriere ganz in den Hintergrund stellte. Als sie Johnny Cash 1968 heiratete, war June Carter selbst längst ein Star.

June Carter entstammt einer "Dynastie" der traditionellen Country Music, denn ihre Mutter Maybelle Carter war Teil der Original Carter Family, der nachgesagt wird, mit ihr und Jimmie Rogers habe die kommerzielle Country Music begonnen. Fakt ist, die Carter Family war bei den denkwürdigen Aufnahmen am 1.August 1927 in Bristol, Tennessee, dabei und wurde rasch zu einer Institution der Country Music. Bis 1943 hatte die Carter Family mehr als 250 Aufnahmen eingespielt, meist Traditionals oder selbst geschriebene Songs, von denen so mancher inzwischen auch zum Traditional geworden ist. Als die Family 1943 getrennte Wege ging, setzte Maybelle mit ihren Töchtern Helen, June und Anita die Tradition fort.

June Carter offenbarte dann immer wieder Ambitionen, eine eigene Karriere aufzubauen. Von ihren Geschwistern brachte June Carter dazu wohl das meiste Talent mit. Egal, was sie auch im Laufe von Jahrzehnten künstlerisch tat, June Carter orientierte sich stets an der Tradition, sowohl ihrer Herkunft als auch der der Musik. Natürlich hat man es doppelt schwer, als Spross einer solch übermächtigen Mutter, sich auf eigene Beine zu stellen, wenn man das auch noch im gleichen Beruf erreichen will. Doch June Carter war mit einem festen Willen ausgestattet, mit dem sich Manches erreichen lässt, was man einem nicht unbedingt zutraut.

Von Kindesbeinen an hatte June Carter Augen und Ohren offen gehalten und zum Beispiel gelernt, alte Instrumente zu spielen wie die Autoharp und auch Volkstänze zu beherrschen wie das Clogging. Diese Kenntnisse und Fähigkeiten würde sie später auch in der Show ihres Mannes Johnny Cash mit durchschlagender Wirkung beim Publikum gern einstreuen.

1940, mit 11 Jahren also, war June Carter erstmals offiziell als Teil der Carter Family auf der Bühne gewesen. Sie spielte Autoharp. So war June Carter nicht unvorbereitet als es ab 1943 als "Mother Maybelle & the Carter Sisters" voll zur Sache ging. Mit dabei ihre ältere Schwester Helen und die jüngere Anita. June Carter schaffte es, auch noch die High School zu besuchen. 1950 wurden sie Mitglied der Grand Ole Opry, ihrer Gruppe gehörte auch ein gewisser Gitarrist namens Chet Atkins an. An der Opry lernte June Carter nicht nur Hank Williams kennen sondern auch Johnny Cash. Inzwischen hatte man June Carters Talent für Comedy entdeckt und man ließ sie zum Gaudi des Publikums gewähren. Sogar auf Platte - 1949 landete sie an der Seite von Homer & Jethro mit "Baby It's Cold Outside" sogar in den Top Ten.

Mitte der 50er Jahre tendierte June Carter zur Schauspielerei, sie studierte am "Actor's Studio" in New York. Dem Vernehmen nach soll sie dort James Dean näher kennen gelernt haben. Als Schauspielerin war sie im Film "Country Music Holiday" 1958 zu sehen, auch in TV Sendungen und Soap Operas trat sie auf.

Mit Johnny Cash, ihrem dritten Ehemann, findet June Carter das Glück

Johnny Cash war seinerzeit kein Thema, June Carter verlor ihr Herz an Country Star Carl Smith, mit dem sie von 1952 bis 1957 Tisch und Bett teilte. Ihre gemeinsame Tochter Carlene Carter, der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, baute sich später eine eigene Karriere als Country-Sängerin auf. Die zweite Ehe mit dem Polizisten Rip Nix war auch nicht von Dauer. Aus dieser Ehe ging Tochter Rosie hervor. Erst als June Carter mit Johnny Cash den Hafen der Ehe ansteuerte, hatte sie ihr privates Glück gefunden - sich aber auch eine große Aufgabe eingehandelt. Cash hat immer wieder betont, June Carter sei sein Rettungsanker gewesen, ohne June Carter hätte er seine komplexen Probleme nie bewältigen können. Dieser Umstand kann gar nicht genug gewürdigt werden, denn für June Carter bedeutete das den Verzicht auf eine durchaus wahrscheinliche eigene Karriere als Künstlerin.

Im Laufe der Jahre erschienen dann auch gelegentlich eigene Alben von June Carter, denen der große kommerzielle Erfolg versagt blieb, die aber die Erinnerung an die traditionellen Elemente der Country Music in einem sich zunehmend kommerzialisierenden Genre wach hielten. Auch als Schauspielerin trat June Carter mitunter noch in Erscheinung wie im Robert Duvall Film "The Apostle". Gemeinsam mit Ehemann Johnny Cash nahm June Carter eine ganze Reihe von Duetten auf, sie gehörte natürlich zum festen Bestandteil seiner Road Show und TV-Produktionen. Insbesondere im religiösen Bereich, dem Beide mit ganzer Hingabe zugetan blieben, entstanden etliche bemerkenswerte Produktionen.

June Carter war so etwas wie der Sonnenschein im Unternehmen Johnny Cash. Nie hat man sie über etwas klagen gehört, sie war stets da, wenn sie gebraucht wurde und hielt sich ansonsten soweit wie möglich im Hintergrund.

Nachdem ihr 2001 ein Herzschrittmacher implantiert worden war, erlag sie am 15. Mai 2003 den Folgen einer weiteren Herzoperation. Nur knappe vier Monate später folgte ihr Johnny Cash in den Hillbilly Heaven. Ihr gemeinsamer Sohn John Carter Cash verwaltet ihr künstlerisches wie persönliches Vermächtnis mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen.

June Carters Tochter Rosie Nix wurde am 24.Oktober 2003 tot in einem Bus gefunden, gestorben an einer Abgasvergiftung. John Carter Cash, der gerade auf Deutschland-Tournee war, brach diese ab und flog in die Vereingten Staaten zurück.

June Carter Biografie Verfilmungen

Ein Teil des Lebens von June Carter wurde 2005 in dem Biopic "" verfilmt. In dem Film wurde die Rolle der June Carter von Reese Witherspoon verkörpert, die für ihre Darstellung mit einem Oscar und einem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Den Ehemann von June Carter, Johnny Cash, spielte Joaquin Phoenix. Regie führte James Mangold. Olaf Schneekloth zieht auf CountryMusicNews.de in der Rezension das Fazit: "Johnny Cash-Fans werden begeistert sein: Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon geben hinreißende Darstellungen und überzeugen sogar auf musikalischer Ebene. Pflichttermin für alle Men in Black!"

2013 erfolgte dann die Biografie-Verfilmung "", als Geschichte einer legendären Beziehung, erzählt aus der Perspektive der Frau. June Carter wird hier von Jewel Kilcher dargestellt und die Rolle von Johnny Cash übernahm Matt Ross. Regie für den fürs Fernsehen produzierten Film führte Allison Anders. Am Ende seiner Rezension auf CountryMusicNews.de schreibt Patrick Heidemann: "An "Walk the Line", der wohl auf unabsehbare Zeit Maß aller Dinge in Sachen filmischer Cash-Biografien bleiben wird, kann diese TV-Produktion keinen Moment heranreichen. Aber immerhin verfügt Jewel in der Rolle der June Carter Cash über genug musikalisches Talent, um das Werk zumindest momentweise sehenswert zu machen."

Cover Jahr Album Anmerkung
2006 Early June (Country Stars )
2005 Church of the Wildwood (Dualtone)
2005 Ring of Fire: the Best of June Carter Cash (Dualtone)
2005 Keep on the Sunny Side (Columbia)
2003 Wildwood Flower (Dualtone)
2002 Carryin' On With Johnny Cash & June Carter (Columbia)
2000 It's All In The Family (Bear Family)
1999 Press On (Risk)
Cover Jahr Album Anmerkung
DVD 2008 Man in Black: Live in Denmark (Columbia) DVD Besprechung
DVD 2002 Johnny Cash - The Man, His World, His Music
Jahr Album Chart Höchste Platzierung
2003 Wildwood Flower Top Country Albums 33
2003 Wildwood Flower Top Independent Albums 12
Jahr Single Chart Höchste Platzierung
1977 Old Time Feeling Country Singles 26
1973 Allegheny Country Singles 69
1973 The Loving Gift Country Singles 27
1972 If I Had A Hammer Country Singles 29
1971 A Good Man Country Singles 27
1971 No Need To Worry Country Singles 15
1970 If I Were A Carpenter Country Singles 2
1967 Jackson Country Singles 2
1967 Long-Legged Guitar Pickin' Man Country Singles 6
Jahr Rolle Film/Serie
1998 June "All My Friends Are Cowboys"
1997 Mrs. 'Momma' Dewey Sr. "The Apostle"
1997 Sister Ruth "Dr. Quinn, Medicine Woman" (Episode: "The Most Fatal Disease")
1994 Sister Ruth "Dr. Quinn, Medicine Woman" (Episode: "Thanksgiving")
1993 Sister Ruth "Dr. Quinn, Medicine Woman" (Episode: "Saving Souls")
1986 Mrs. Pickett "Stagecoach"
1986 Mother James "The Last Days of Frank and Jesse James"
1985 sich selbst "Saturday Night Live"
1984 Dee Dee Stanley "The Baron and the Kid"
1983 Mayhayley Lancaster "Murder in Coweta County"
1978 Crystal "Thaddeus Rose and Eddie"
1976 Mattie Hodgekiss "Little House on the Prairie" ("Unsere kleine Farm") (Episode: "The Collection")
1973 Mary Magdalene "Gospel Road: A Story of Jesus"
1972 sich selbst "The Flip Wilson Show"
1971 sich selbst "This Is Your Life" (Episode: "Johnny Cash")
1958 Marietta "Country Music Holiday"
1957 Rachel "The Adventures of Jim Bowie" (Episode: "Country Girl")
1957 Rachel "The Adventures of Jim Bowie" (Episode: "The Pearls of Talimeco")
1957 Clarise "Gunsmoke" ("Rauchende Colts") (Episode: "The Man Who Would Be Marshal")