Keith Urban - Love, Pain and The Whole Crazy Thing

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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
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Trommelwirbel, Fanfare, Tusch - die Neue von Keith Urban. Wenn das nichts ist? "Love, Pain & The Whole Crazy Thing" nennt der derzeit wohl größte Star Nashvilles sein neues Album. Es wird, da muss man kein Hellseher sein, die Charts und die Herzen seiner Fans erobern. Es könnte, da darf man schon vorsichtiger sein, vielleicht auch die Eintrittskarte für hiesige Star-Ansprüche sein. Denn eines steht fest: Die europäische Version der CD hat nur unwesentlich mehr Countryelemente als das letzte Bon Jovi-Album. Country-Puristen brauchen deshalb gar nicht mehr weiter lesen. Für sie gibt's auf dem gemeinsam von Dann Huff und Keith Urban produzierten Silberling nur wenig zu ernten.

Wer es mit dem Country-Reinheitsgebot weniger streng nimmt, hat dagegen bestimmt seine Freude an den zwölf Titeln. Dafür ist zunächst mal Keith Urban höchstselbst verantwortlich. Seit seinem, 2005 erschienenen Album "Days Go By" hat er stimmlich noch ein Pfund zugelegt, bringt er jetzt noch eine gute Prise mehr Charisma auf die Waage. Den Rest besorgen die zweifellos über dem Durchschnitt liegenden Songs und eine Produktion, die man einfach nur als makellos bezeichnen kann. Doch eines nach dem anderen ...

Mit dem von John Shanks (u.a. Joe Cocker) und Keith Urban geschriebenen "Once In A Llifetime" geht das Album kräftig wummernd los. Ein lupenreiner Rocksong mit einer schönen Hookline und einem verwegenen Gitarrensolo. Das stammt nicht von Produzent Dann Huff - der spielt meist nur Akustik-Gitarre - sondern von einem gewissen Dan Bukovac. Ein Name den man sich merken sollte, wie einem die Songs von "Love, Pain & The Whole Crazy Things" noch mehrfach nahe legen.

Beim nächsten Song "Shine" arbeitete Urban mit Routinier Monty Powell zusammen. Ergebnis ist ein harmonisch gefälliger Mix aus Rock, Folk und Pop. In schottisch-irische Traditions-Gefilde geht es beim nächsten Track, "I Told You So", den der fesche Keith im Alleingang schrieb. Eine Art Rock-Marsch mit viel Percussion und Saiteninstrumenten.

Wie schon beim Vorgänger-Album, als er den Uralt-Werbehit "Jeans On" von David Dundas aus der Mottenkiste holte, kramte er auch für "Love, Pain & The Whole Crazy Things" wieder eine Rarität aus: "I Can't Stop Loving You" heißt der Heuler, den Billy Nicholls 1978 schrieb und mit dem Leo Sayer einen seiner großen Hits landete. Der Song hat den berühmten Test-of-Time bestens bestanden. Vor allem da Keith Urban - so glücklich wie er vermutlich mit Nicole Kidman ist - momentan den perfekten Schmusekater abgibt. Wer also schon lange auf der Suche nach einem richtig unter die Haut gehenden Liebeslied ist - bitte hier zugreifen!

Nach der harmlos-netten Eigenkomposition "Won't Let You Down" wartet das Album mit einer weiteren Überraschung auf: Bei "Faster Car", ebenso ein Keith Urban-Original, präsentiert der Schelm doch glatt einen Rasierklingen scharfen Bläsersatz um ungeniert Rhythm & Blues-Tupfer einzustreuen. Wann gab es so etwas zuletzt in Nashville? Bei Jauch wäre das wohl die 500.000-Euro-Frage.

Bei einem weiteren Album-Highlight hat Keith Urban ausnahmsweise keine Autoren-Aktien: "Stupid Boy" stammt aus der Feder des Songwriter-Teams Sarah Buxton, Deanna Bryant und Dave Berg. Dem Trio gelang eine, in Sixties-Farben schimmernde Song-Perle. Nach verhaltenem, akustischem Intro steigert sich der Song Strophe für Strophe zu einer fulminanten Power-Ballade mit feurigem Gitarrensolo. Ähnliches gilt auch für "Everybody", der vorletzte Track der CD, eine Gemeinschaftsproduktion von Urban und dem 80er- und 90er Rockstar Richard Marx. Zwischendrin versteckt: Der akustische Folk-Blues "Tu Compana", der kantigste, erdigste und in seiner an eine Session erinnernden Art vielleicht sogar seelenvollste Titel der CD.

Fazit: Astreiner Rock, mit Folk, Rhythm & Blues und Country-Tupfern. Leider fehlt bei der europäischen Version das Duett mit Ronnie Dunn (Brooks & Dunn). Eine Schande, wie ich meine.

Label: Capitol Nashville (EMI) VÖ: 17. November 2006


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