Frank Goosen liest Sechs Silbernde Saiten

CD Cover Frank Goosen liest Sechs silbernde Saiten

Buch oder lieber Hörbuch? Die Frage lässt sich bei Frank Goosens Ruhrpott-Märchen "Sechs silberne Saiten" nicht so leicht beantworten. Denn die amüsante Geschichte von einem mysteriösen Weihnachtsmann, der hinreißende Country-Songs singt und ganz nebenbei aus einem Haufen trauriger Einzelgängern eine glückliche Familie macht, funktioniert auf beiden Ebenen. Das schmale Geschenkbändchen ist geschmackvoller gestaltet als das Hörbuch, und mit wunderbaren Illustrationen von Peter Schössow versehen. Das Hörbuch wiederum hat den Vorteil, dass der Ruhrpott-Slang der Geschichte besser zur Geltung kommt.

Bestsellerautor Goosen ("Liegen lernen") beweist als Vorleser ganz wunderbare Entertainer-Qualitäten, aber das ist kein Wunder: Bereits Anfang der 90er Jahre trat er mit dem kleinen Kneipen-Literaturkabarett Tresenlesen auf, und jedes Jahr im Dezember tourt er als Weihnachtskabarettist durchs Land. Wie er mit seiner etwas brüchigen, tiefen Stimme die einzelnen Figuren zum Leben erweckt, macht Spaß. Stellen Sie sich folgenden Satz, den die rüstige Ruhrpott-Schabracke Frau Hutwelker vom Stapel lässt, mal gelesen vor, dann wird der Unterschied zum Buch deutlich: "Egal, wat Gott is oder nich und obbet ihn gippt oder nich, et muss doch mal zwei Tage im Jahr geben, wo man sich überleecht, weswegen man den ganzen Mist hier macht und ob man nich auch ma wat son bisschen anders machen kann. Einfach ma fragen, wo dat alles hinführn soll."

Goosens Hörbuch führt über den Umweg Nordrhein-Westfalens schließlich zu "I Still Miss Someone". Bevor der mysteriöse Weihnachtsmann am Schluss in seine sechs goldenen Saiten haut, sagt er: "Denkt dran: Wenn es mal nicht so läuft, gibt es immer irgendwo einen Song, der einen trösten kann." Das ist nicht nur eine bekannte Country-Weisheit, sondern auch sehr wahr. Und mit eben diesem Song endet das Hörbuch, gesungen von Frank Goosen selbst. Natürlich ist Goosen kein zweiter Johnny Cash, und in den Liner Notes der CD räumt er bescheiden ein: "Es hat Spaß gemacht. Aber eine zweite Karriere wird nicht daraus. Versprochen." Dennoch muss man dem Autor zugestehen, dass er sich recht wacker schlägt. Als Schlusspunkt funktioniert's allemal.

Fazit: Insgesamt bietet das Hörbuch besinnliche wie witzige Weihnachtsunterhaltung, bei der man kein Country-Fan sein muss - aber es hilft.

Label: Tacheles (Indigo) VÖ: 3. November 2006

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