Keith Urban - Defying Gravity

CD Cover: Keith Urban - Defying Gravity
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
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"Defying Gravity" – frei übersetzt könnte man sagen: da legt sich einer mit der Erdanziehungskraft an. Na ja, wenn es einem aus der Country-Gemeinde gelingen könnte, die Gesetze der Natur auszuhebeln, dann ist das natürlich Keith Urban. Der Sunnyboy aus Australien, der Mann von Hollywood-Diva Nicole Kidman, der Typ mit dem Colgate-Lächeln, der Womanizer mit dem gewissen Etwas und so weiter und so fort. Aber auch: der grandiose Sänger, Songschreiber und Gitarrist. Denn trotz Glamour und Posterboy-Charme sollte man Keith Urban keinesfalls musikalisch unterschätzen. Er ist einfach ein Glückspilz. Bei ihm kommt alles zusammen. Auch bei "Defying Gravity"?

Elf Titel haben Dann Huff und Keith Urban, die beiden Produzenten der CD, für das Werk ausgesucht. Bis auf drei Songs, tragen alle Tracks Urbans eigene Handschrift – ob als Autor oder Co-Autor. Trotz der ausgeprägten persönlichen Note ist die CD natürlich von Dann Huff voll auf Hitkurs getrimmt: Keine Experimente, angesagte Sounds, das meiste absolut radiotauglich. Insofern bietet Keith Urban mit seiner zehnten CD seinen Fans genau den Stoff, den sie von ihm auch erwarten. Das ist gut so – aber auch etwas schade. Ein bißchen mehr Mut zum Risiko und ein paar echte Überraschungsmomente wären wünschenswert gewesen. Und hätte er sich durchaus auch leisten können.

So aber serviert er größtenteils Country-Rock-Pop der Marke "Nummer Sicher". Bestes Beispiel dafür ist gleich mal der Opener "Kiss a Girl" (erinnert auch harmonisch an "This Kiss" von Faith Hill), ein potentieller Hit. Oder "Standing Right In Front of You" oder "I'm In". Prima Songs mit eingängigen Meloldien und typisch Keith Urban – aber auch um einen Tick zu glatt und vorhersehbar. Weniger abgekartet wirken seine ruhigen Momente: Balladen wie "'Til Summer Comes Around", "Only You Can Love Me This Way" (von Steve McEwan und John Reid) und das zu Herzen gehende Klavier-Rührstück "Thank You"; aber auch das folkige, sympathisch altmodische und entfernt an die Rolling Stones erinnernde "Why It Feel So Long" sorgt für dezente Aha-Erlebnisse: Ein leiser – aber auch starker Song.

Für die größte Überraschung der CD sorgen weder Songs, noch die Art der Interpretation. Es ist: Keith Urbans Gitarrenspiel. Obwohl er sich das Studio mit Gitarren-Heroes wie Dann Huff (sein Solo von Wynonnas' "Free Bird" ist legendär), Tom Bukovac und Adam Shoenfeld teilte, übernahm Keith Urban sämtliche Soli. Und die haben es wirklich in sich. So möbelt er beispielsweise "If Ever I Could Love" und "My Heart is Open" – nette Midtempo-Country-Popper – fingerflink und virtuos auf und hebt damit das Niveau der Titel deutlich an. Das gilt vor allem auch für den rockigsten, von Jerry Flowers, Tony Martin und Mark Nesler geschriebenen Track "Hit The Ground Runnin'". Sein ausgiebiges Solo gegen Ende des Songs setzt ein Highlight der gesamten CD. Technisch brillant, geschmackvoll, rasant – einfach Weltklasse. In diesen völlig los gelösten Takten gelingt es ihm dann doch fast, so manches Naturgesetz auszutricksen.

Fazit: Ein ausgewogenes, positives Album, das keinen Keith Urban-Fan enttäuschen wird. Aber auch: eine ganz auf das Bewährte setzende CD. Etwas mehr Risikobereitschaft wäre schön gewesen.

Label: Capitol Nashville (EMI) VÖ: 9. April 2010


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