Miranda Lambert - Palomino

CD Cover: Miranda Lambert - Palomino

Mit "Palomino" schlägt Miranda Lambert wieder rockigere Töne an

Kurzer Rückblick: Für "The Marfa Tapes" haben sich Miranda Lambert und ihre zwei Songschreiber-Kollegen Jack Ingram und Jon Randall in das texanische Kaff namens Marfa zurückgezogen um sich - weitab vom Glam der Music City USA - auf den Kern der Country Music zu konzentrieren: auf das Storytelling, auf das Einfache, das Essenzielle. Verdienter Lohn des hochgelobten Experiments: eine Grammy-Nominierung und vordere Charts-Platzierungen in den relevanten Listen.

In den Billboard 200, in denen alle Genres einfließen, belegte das hochambitionierte Album - natürlich - nur einen mittelmäßigen 51. Platz. Einen deutlich höheren Rang in dieser Wertung darf man ihrem neuen Werk "Palomino" einräumen. Schließlich kehrt da wieder zum massentauglichen Country-Sound zurück - ohne aber freilich auf ihren eigenen Qualitätsanspruch zu verzichten. So viel vorab: die CD ist exzellent!

Mit "Palomino" weiter auf Hit-Kurs

Im Verlauf der 15 Titel schreitet die 38-jährige Sängerin aus Lindale, Texas, ein weites, dennoch klar definiertes Terrain ab. Sie bietet Folk und Folk-Rock, Country- und Country-Rock und, als zusätzliche Geschmacksverstärker, puren Pop und Rock. Knapp die Hälfte der Songs entstanden im Songschreiber-Kollektiv Lambert, Luke Dick und Natalie Hemby, dazu kommen drei Re-Recordings von "The Marfa Tapes"-Songs. Dieses Song-Recycling ist nicht nur ökonomisch lukrativ. Es ist auch höchst interessant, was Arrangement, Instrumentierung und Recording aus einem Song machen können.

Bestachen "In His Arms", "Geraldene" und "Waxahachie" in der ursprünglichen Akustik-Version noch durch ihre anmutige Einfachheit, an der sich eigentlich nur Roots-Junkies ergötzen können, haben die Neuaufnahmen das Zeug zum Mainstream-Hit. Das gilt vor allem für das jetzt sehr rockige, mit einigen Sound-Spielereien aufgemotzte "Geraldene". Aber auch das nunmehr mit sattem Drum-Groove und drückenden Gitarren-Riffs ausgestattete "Waxahachie" sollte auf jeder Playlist eines Mainstream-Radiosenders seinen Platz finden. Das liegt vor allem an den herrlich eingängig-sehnsüchtigen Melodien und an dem erstklassigen Gesang von Miranda Lambert. Auf ihrem achten Studio-Album zeigt sich die Sängerin auf dem Zenit ihrer Kunst. Sie phrasiert souverän, dosiert geschickt, übertreibt es nie mit der Effekthascherei. Die Folge ist: man hört ihrer so kräftigen wie sensiblen Stimme einfach gerne beim Storytelling zu - und man glaubt ihr jedes Wort.

Miranda Lambert ist auf der Höhe ihrer Kunst

Da sie bei allen Songs selbst beim Songschreiben involviert war, muss man kein Wort über Authentizität verlieren. Sie lebt was sie singt. Selbst wenn sie - diese Ausnahme muss sein - bei einem Track auf fremdes Material zurückgreift. Eine originelle Wahl! Denn bei "Wandering Spirit" singt sie dem knapp 30 Jahre alten Mick Jagger-Song neues Leben ein. Und wie! Sie macht aus dem einstigen, durchaus souligen Rock-Track, einen stampfenden, keuchenden, Gospel-lastigen Americana-Titel mit extremer Dynamik-Bandbreite und spektakulären Regieeinfällen.

Etwas exotisch wirkt auch Song Nummer sechs auf der Setlist: "Music City Queen". Denn: Hier mischen im Chorgesang die unverkennbaren Stimmen der einstigen Hitparaden-Stürmer von The B-52's mit. Die Band war schon in den 80ern ein Garant für gute Laune - und die versprühen sie auch hier eifrig. Prädikat: Stimmungsmacher. Ein Song, den man an grauen Tagen immer mal wieder hören sollte, er wird seine Wirkung nicht verfehlen. Gute Hitchancen sollten gesichert sein.

Aber auch die weiteren Song-Eigengewächse haben einiges zu bieten: das gefällige, an Fleetwood Mac erinnernde "Tourist", das ganz im Stile einer aufgekratzten Stevie Nicks angelegte "Strange" oder die herrlich ruhigen, größtenteils akustisch eingespielten Folk-Songs "If I Was a Cowboy", "Pursuit of Happiness" und "Carousel" untermauern ihr Können und ihren Geschmack. Kurzum: keine Song-Nieten, nur Volltreffer.

Fazit: Miranda Lambert unterstreicht mit ihrem neuen Album "Palomino" ihren Ausnahmestatus – mit 15 Songs der Premium-Klasse.

Label: Columbia (Sony) VÖ: 29. April 2022
01 Actin' Up
02 Scenes
03 In His Arms
04 Geraldene
05 Tourist
06 Music City Queen (mit The B-52's)
07 Strange
08 Wandering Spirit
09 I'll Be Lovin' You
10 That's What Makes the Jukebox Play
11 Country Money
12 If I Was a Cowboy
13 Waxahachie
14 Pursuit of Happiness
15 Carousel

Anmelden