"Dandelion" ist das zweite Studio-Album von Ella Langley
Anfangs wurde Ella Langley noch von vielen nicht ernst genommen. Sie tauchte auf, als der Hype um Lainey Wilson auf ihrem Höhepunkt war und wurde von einigen als das schüchterne Mädchen aus dem Süden belächelt. Doch spätestens, als sie mit Riley Green an ihrer Seite einen Song hervorbrachte, den schon bald gefühlt jedes Kind in und außerhalb der USA mitsingen konnte, nahm man sie plötzlich ernst. "You Look Like You Love Me" wurde zur Hymne und mit einem Mal war die Sängerin in aller Munde. Ihre klare Sprache und die teils wilde und doch disziplinierte Art kommen an und verbinden.
"Choosin' Texas" bricht alle Rekorde
Doch wer dachte, damit hätte Ella Langley schon ihren größten Hit gelandet, hatte nicht mit diesem einen Song gerechnet. Eine Geschichte, wie das Leben sie schreibt aus der Perspektive einer jungen Frau, die von ihrem Liebhaber wegen einer anderen verlassen wird, weil darüber hinaus sein Heimweh überwiegt. Die Melodie so mitnehmend, dass niemand, wirklich niemand dabei still sitzen kann.
Dass Ella Langley 100% Country ist, bewies sie seither immer wieder. Zuletzt im Februar 2026, als sie in der Grand Ole Opry in Nashville, Tennessee, zu deren 100sten Jubiläum dort zwei Hits zu Ehren von Ronnie Milsap vortrug.
Überhaupt benennt sie Ronnie Milsap als eines ihrer größten Vorbilder und Inspiration für "Dandelion". Auch Toby Keith ehrte sie durch dessen Cover von "Wish I Didn't Know Now". Mit Jamey Johnson sang sie den wunderschönen Song "Young Love (Strong Love)", den die The Judds 1989 veröffentlicht hatten.
Schließlich ist da noch ihre Verbundenheit zu Miranda Lambert. Erst kürzlich verrieten beide in einem Interview bei BMI, wie sie sich vor Jahren bei einer Award-Show kennengelernt hatten. Langley habe Miranda Lambert damals bereits bewundert, jedoch niemals für möglich gehalten, jemals in der Weise wie heute mit ihr zusammenzuarbeiten, geschweige denn sogar mit ihr privat in Kontakt zu kommen. Nun ist es ausgerechnet die 42jährige, die das zweite Studio-Album neben Ben West produziert. "Dandelion" hat 18 Tracks. Einer davon ist "Butterfly Season", den die beiden befreundeten Sängerinnen darauf gemeinsam aufgenommen haben.
Die weiteren Songs auf "Dandelion"
Als Intro und Outro begab sich Ella Langley weit zurück in die Geschichte der Cowboy-Sänger und kramte einen Song deren Pioniere heraus. Tex Ritter nahm das amerikanische Kinderlied "Froggy Went a Courtin'" 1945 auf.
Löwenzahn, so die deutsche Übersetzung von Dandelion, stehe für das Überleben in der härtesten Umgebung, für Hoffnung und Widerstandsfähigkeit. "Löwenzahntee sei ein natürliches Mittel zur Entgiftung der Leber", so Ella Langley, so habe es für sie Sinn gemacht, eine Platte bzw. auch einen Song dieser Pflanze zu widmen. Doch der Titelsong "Dandelion" überzeugt nicht wirklich.
Bei "Be Her" ist den Produzenten dann leider auch nicht mehr eingefallen, als ein billig wirkendes, textarmes Teenie-Liedchen. Das kommt dem Niveau einer Ella Langley nicht annähernd nahe. Auch "Low Lights" und "You & Me Time" sind eher so ein Füll-Lieder, die man dem Sound einer Taylor Swift zuordnen würde, denn dass Ella Langlay den meisten ihrer Fans am besten als anspruchsvolle Songschreiberin mit Akustikgitarre als zentraler Begleitung gefällt und dass sie es kann, beweist sie auf diesem Album mit "Most Good Things Do".
Über die aktuelle dritte Single-Auskopplung "Loving Life Again" sagte Ella Langley kürzlich bei Country Central, dass wenn alles in deinem Leben schwer wird, es völlig okay sei, einen Schritt zurückzutreten und sich um sich selbst zu kümmern, auf sein Gefühl und auf Jesus zu hören, statt auf das, was andere sagen. Sie habe den Song in einer Phase ihres Lebens geschrieben, als sie dies auch für sich am meisten gebraucht habe.
Als absolutes Highlight auf "Dandelion" jedoch darf ein Klassiker der Country-Geschichte gewertet werden, mit dem Ella Langley letztlich doch beweist, wofür ihr Herz tatsächlich schlägt. 1952 antwortete Kitty Wells mit "It Wasn't God Who Made Honky Tonk Angels" auf Hank Thompson, der in "The Wild Side of Life" behauptet hatte, Gott hätte eben die Verführung in Form von Frauen geschaffen, welcher Männer nicht widerstehen können. Selbstbewusst gab Kitty Wells bereits damals den Männern die Schuld und über 70 Jahre später solidarisiert sich eine junge Sängerin mit dieser Ansicht. Eine Anspielung auf aktuelle Vorfälle? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur die Absicht, einem wunderschönen alten Country-Song neues Leben einzuhauchen und das hat Ella Langley in ganzer Fülle getan.
Der zeitgenössisch angesagte atmosphärische Stil von Ella Langley ist unverkennbar. Sie entleiht sich Songs, doch niemals ahmt sie jemanden nach, sie ist in ihrem eigenen gefestigten Ich. Auch wenn sie covert, sind die Melodien nie, wie der andere Künstler oder die Künstlerin sie gemacht hätte. Man mag beides.
Fazit: Dass man kein Album mit 18 Superhits wie "Choosin' Texas" schreiben kann, war irgendwie klar. Es mussten auch einige weniger starke Songs auf das Album gepackt werden. Doch insgesamt kommt "Dandelion" den hoch gesteckten Erwartungen an ein Country-Album recht nahe und Ella Langley trifft den Zeitgeist.











