Luke Combs - Growin' Up

CD Cover: Luke Combs - Growin' Up

Luke Combs meint, dass er erst jetzt erwachsen geworden sei: "Growin' Up", so der Titel seines neuen Albums

So furchtbar lange ist Luke Combs noch gar nicht im Geschäft. Erst seit dem Jahr 2017 debütierte er mit dem Album "This One's For You”. Dennoch denkt man, dass dieser schwergewichtige, etwas grobschlächtige, bärtige Typ mit der obligatorischen Trucker-Cap schon immer da ist. Warum wohl? Weil Luke Combs in den kümmerlichen fünf Karriere-Jahren etliche Kapitel Musikgeschichte geschrieben hat.

Mehr noch: Es ist vermessen zu sagen, dass der 32-Jährige aus Charlotte, North Carolina, die Country-Szene in der letzten halben Dekade geprägt hat – mit zwei Hit-Alben und einem Sound, der meisterhaft Tradition mit Moderne vermählt.

Luke Combs findet den gemeinsamen Nenner von Tradition und Moderne

Ganz klar, ist ein Konsens-Künstler. Die Freunde des urwüchsigen Country-Sounds, die 90er-Country-Nerds, die Fans von Garth Brooks, Alan Jackson, Brooks & Dunn und Co. können sich mit ihm genauso anfreunden, wie Fans der jungen Country-Generation, für die es rockiger sein muss, für die auch mal R&B- und Rap-Elemente einfließen dürfen. Luke Combs bedient beide Gruppen. Und das erstaunlich perfekt. Kein Wunder, dass bereits erwähntes Debüt-Album auf Platz eins der Country-Charts und auf Platz vier der Billboard Hot 200 landete - und es der Nachfolger, das programmatische, "What You See Is What You Get" aus dem Jahr 2019 glatt noch besser machte: Platz eins in beiden relevanten Charts. Besser geht’s nicht! Diverse Single- und EP-Veröffentlichungen sowie zahlreiche wichtige Awards untermauern seinen Ausnahme-Status.

Den Opener in sein drittes Studio-Album übernimmt die bereits Ende letzten Jahres veröffentlichte Single "Doin' This". Ein starker Song. Tiefgehend, erdig, glaubwürdig. Eine Coming-Of-Age-Geschichte, die so etwas wie der eigentliche Titeltrack ist (einen Song namens "Growin' Up" findet sich nicht auf dem Album). In dem Track gibt Luke Combs Einblicke in seinen persönlichen künstlerischen Werdegang, untermalt von sehr beherzten, zum Glück nicht zu überladenen Country-Rock-Klängen. Weder retro noch hip. Einfach nur: coole Musik.

Über sein neues Album sagt Luke Combs, dass er rund zweieinhalb Jahr lang daran gearbeitet hat. Da Touren corona-bedingt lange nicht möglich war, habe er die Veröffentlichung hinausgeschoben. Jetzt aber freue er sich, dass "Growin' Up" endlich veröffentlicht wird. "Ich denke, dass die Fans diese Songs lieben werden und ich bin sehr gespannt, was sie davon halten." Gute Frage. Aber eigentlich überflüssig. Seine Fans werden die Songs lieben. Das zeigte sich ja schon bei "Doin' This", die Single landete auf Platz zwei der Country-Bestenliste. Sie werden aber auch die anderen Tracks des "Growin' Up"-Dutzends lieben. Songs wie etwa das stürmische, mit brettharten Gitarren-Riffs unterlegte "Any Given Friday Night". Klar, das Thema ist so originell wie ein Country-Song über ein kaltes Bier. Aber so wie Luke Combs dieses Klischee anpackt, reisst es einen mit. Er hat die Energie, die Vibes, die Bier- und Whiskey-geschwängerte Atmosphäre eines vollen Clubs hier perfekt eingefangen.

"Growin' Up" - ein kleines Meisterwerk

Noch einer wilden Party-Nacht muss freilich erstmal Erholung her. Das sehr gefühlvolle, im Refrain hymnisch angelegte "The Kind of Love We Make" kommt da genau richtig. Ebenfalls: ein Song-Volltreffer. Gefolgt von weiteren Tracks der Premium-Klasse: das gut gelaunte, gut geölte "On the Other Line" verknüpft Country-Roots à Alan Jackson mit der Unbeschwertheit eines Florida Georgia Line-Songs. Wer glaubt, die Messlatte liegt bereits hoch genug, wird sich wundern. Mit dem anschließenden "Outrunnin' Your Memory" gelingt ihm - mit der wie immer grandiosen Miranda Lambert als Duett-Partnerin - ein kleiner Song-Geniestreich. Erneut verknüpft er dabei mit leichter Hand verschiedene Epochen des Country-Sounds, gipfelnd in einem super-schönen Refrain. Kann man immer wieder hören. Will man immer wieder hören!

Wir könnten jetzt mühelos auch noch die nachfolgenden fünf Titel bejubeln. Wäre kein Problem. Sie sind alle nicht nur gut, sondern ziemlich grandios: erstklassig komponiert, top arrangiert, exzellent eingespielt, Luke Combs singt sich mit seiner warmen Stimme die Seele aus dem Leib und auch seine Co-Produzenten Chip Matthews und Jonathan Singleton haben ganze Arbeit geleistet. Das gilt für den flotten Country-Rocker "Ain't Far From It", für das eher gemütlich angelegte, dennoch hintergründige "Used to Wish I Was", für das reizvoll unentschlossene "Middle of Somewhere" und die restlichen Tracks. Mit der wunderschönen Akustik-Gitarre von "Going, Going, Gone" beendet er "Growin' Up" - und kann beruhigt sein. Seine Fans werden es nicht nur lieben, sie werden nicht genug davon bekommen können. Klarer Fall von: die nächste Nummer eins.

Fazit: Auch auf "Growin' Up" vermählt Luke Combs Tradition mit Moderne. Er ist derzeit definitiv der beste Konsens-Künstler aus Nashville und sein neues Album: ein kleines Meisterwerk.

Label: River House / Columbia Nashville Nashville (Sony) VÖ: 23. Juni 2022
01 Doin' This
02 Any Given Friday Night
03 The Kind of Love We Make
04 On the Other Line
05 Outrunnin' Your Memory (mit Miranda Lambert)
06 Used to Wish I Was
07 Better Back When
08 Tomorrow Me
09 Ain't Far from It
10 Call Me
11 Middle of Somewhere
12 Going, Going, Gone

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Joschis Avatar
Joschi antwortete auf das Thema: #59190 3 Monate 1 Woche her
Also ein drittesmal falle ich auf Luke nicht mehr rein :-) Diesmal warte ich bis die Deluxe Version rauskommt :-)

Scheint jetzt im Country Bereich ein neuer Trent zu werden, wie bei den neusten Alben von Kenny Chesney, Blake Shelton oder The Zac Brown Band :-(
Joschis Avatar
Joschi antwortete auf das Thema: #59191 2 Monate 4 Wochen her
www.countrymusicnews.de/country-album-ch...9TOf3qrZA0aP9D8wJdFQ

Das Luke's neues Album nicht so gut verkäuft, wie seine Vorgänger Alben könnte 2 Gründe haben:

1. Haben die Amerikaner wegen Corona vielleicht nicht mehr soviel Geld um diese für Alben auszugeben und/oder

2. was ich sogar eher sehe, das viele nicht nochmal darauf hereinfallen, sich ein Album zu kaufen um dann rund ein Jahr später nocheinmal für das selbe Album, nur wegen ein paar Songs mehr sprich Deluxe Edition nochmal Geld auszugeben