CD Cover: Lee Ann Womack - The Lonely, The Lonesome & The Gone

Mit "The Lonely, The Lonesome & The Gone" ist Lee Ann Womack angekommen.

Drei Jahre ist das letzte Album "The Way I’m Livin'" nun her. Seitdem ist Lee Ann Womack nicht nur älter, sondern auch erfahrener geworden. Mittlerweile scheint die 51-Jährige genau zu wissen, wo sie hingehört. Von poplastigen Songs wie "I Hope You Dance" oder aber auch ihrer Debüt-Single "The Fool" der frühen Tage ist nicht mehr viel übriggeblieben. Dies ist durchaus positiv gemeint. Denn endlich hat Womack einen Sound gefunden, der sie von den anderen Sängerinnen der Country Music abhebt.

Was sich mit "The Way I'm Livin'" schon abzeichnete, findet in "The Lonely, The Lonesome & The Gone" nun seine Vollendung. Vielleicht hat tatsächlich auch der Label-Wechsel etwas mit ihrer Ausrichtung zu tun. Das neue Album ist jedenfalls eine konsequente Weiterentwicklung des vorherigen und kein Schritt in alte Zeiten. Und das kommt der Sängerin überaus zu Gute.

Der Sound ist auf Lee Ann Womacks Stimme zugeschnitten

Dass schon immer eine außergewöhnliche Stimme hatte, dürfte jedem Kenner und Fan bekannt sein. Aber wenn man ehrlich ist, klang Womack in ihren ersten Jahren eher wie ein Aufguss von Celin Dion, was sicherlich ihren Erfolg erklärt, allerdings ihrer Stimme zu keiner Zeit gerecht wurde. Erst im letzten Album wagte sich die Sängerin mehr.

Und der Erfolg des Albums gab Womack ein Selbstbewusstsein, welches man nun in voller Pracht auf "The Lonely, The Lonesome & The Gone" hören kann. Allein der Opener "All the Trouble" besitzt so viel raue und kantige Stärke, dass die Marschrichtung des neusten Albums direkt vorgegeben ist. Die Wahl des ersten Songs ist dabei hervorragend gewählt, denn das Stück könnte nicht weiter von den Anfängen ihrer Karriere entfernt sein. Lustig ist in diesem Zusammenhang der letzte Song des Albums "Take the Devil out of Me". Doch bevor hier zu viel gesagt wird, empfiehlt es sich, den Song selbst anzuhören.

The Lonely, The Lonesome & The Gone mischt viele Musikstile

Auch auf " The Lonely, The Lonesome & The Gone" mischt die Sängerin Country Music mit Soul, Blues und Folk. Nur selten findet sich ein reiner Country-Song auf der Platte (etwa "End of the End of the World"), manche Lieder, wie "He Called Me Baby" haben so wenig Country Music-Einflüsse, dass man denken könnte, man sei auf einer Soul-Platte gelandet. Das macht aber gar nichts, weil Womacks Stil so echt, so lebendig und so voller Herz ist, dass jedes einzelne Lied - ob Country Music oder nicht - mitreißt.

Viele Songs besitzen zudem echte Ecken und Kanten. Dies ist wohl der größte Unterschied zu Womacks früheren Platten, die teilweise wie auf den Markt zugeschnitten und weichgespült wirkten. Diese Zeiten sind vorbei. Wenn bei "Wicked" die Hookline 30 Sekunden lang ausgefadet wird, dann ist das nicht nur eine akustische Metapher für den starken Text, sondern zeigt auch den markanten Grundton des gesamten Albums.

Eine Reminiszenz an vergangene Tage

Lee Ann Womack hat auf ihrem neusten Album nicht nur endgültig zu ihrem Stil gefunden, sie schafft auch endlich das, was man ihr lange Zeit nur attestiert hat: Mit "The Lonely, The Lonesome & The Gone" hat Womack auch endlich klanglich zu ihren Vorbildern Dolly Parton und Tammy Wynette aufgeschlossen. Die Tiefe ihrer Texte spiegeln sich nun eben auch in ihrem Sound wieder. Dieser wirkt übrigens über lange Strecken wie frisch aus den 60ern und 70ern. Das muss man mögen.

Und wo wir gerade bei den Texten waren: Die sind auf gewohnt hohem Niveau. Nicht umsonst war Womack vor ihrer eigenen Karriere Songwriterin für zahlreiche andere Künstler. Immer im Gepäck: Eine ordentliche Prise Melancholie. Die Melancholie wird durch die klare und seidenweiche Stimme Womacks unterstützt. Dies kommt gerade den Balladen auf dem neuen Album zu Gute.

Fazit: "The Lonely, The Lonesome & The Gone" ist Lee Ann Womacks wohl bisher bestes Album. Eigenständig, echt, einzigartig!

Label: ATO / PIAS (roughTrade) VÖ: 27. Oktober 2017
01 All the Trouble
02 The Lonely, The Lonesome & The Gone
03 He Called Me Baby
04 Hollywood
05 End of the End of the World
06 Bottom of the Barrel
07 Shine On Rainy Day
08 Mama Lost Her Smile
09 Wicked
10 Long Black Veil
11 Someone Else's Heartache
12 Sunday
13 Talking Behind Your Back
14 Take the Devil out of Me

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