CD Cover: Carly Pearce - Every Little Thing

"Every Little Thing" ist das 2017er Debüt-Album von Carly Pearce.

In den USA ist das Debüt-Album "Every Little Thing" der 27-jährigen Carly Pearce schon sehr gut gestartet. Die gleichnamige Singleauskopplung schaffte es auf Platz 5 der Single-Charts und hält sich sogar schon seit 28 Wochen in den Top 100. Das Album ist kaum weniger erfolgreich, stieg es gar auf Platz 4 der Billboard Country Album Charts ein. Doch hat Erfolg oft wenig mit Qualität zu tun. Ist "Every Little Thing" auch wirklich so gut, wie es die Platzierungen vermuten lassen?

Carly Pearce hat auf jeden Fall viel dafür getan, um dort zu stehen wo sie jetzt ist. Laut eigener Biografie stand sie schon mit elf Jahren auf der Bühne, schmiss mit 16 die High-School, zog nach Nashville, hielt sich mit Gelegenheitsjobs neun Jahre über Wasser, bis sie endlich von Big Machine Records entdeckt wurde. Man könnte meinen, Pearce hat in ihren jungen Jahren schon Einiges zu erzählen.

Nichtssagende Texte

Das Booklet von "Every Little Thing" gibt Aufschluss: Bei acht von 13 Liedern war Carly Pearce an den Texten beteiligt. Es gibt also eigentlich keine Entschuldigung für die furchtbar trivialen Inhalte. Fast immer steht ein Mann im Mittelpunkt. Mal bricht einer ihr das Herz ("Careless", "Every Little Thing", "Feel Somethin'", "Honeysuckle"), mal möchte sie von einem erobert werden ("Catch Fire", Doin' It Right", "You Know Where to Find Me", Dare Ya") und manchmal singt Pearce darüber, dass es zwischen ihr und ihm einfach nicht passt ("If My Name Was Whiskey", "Color").

Das Schlimme an diesen Liedern ist nicht nur der eigentliche Inhalt, sondern auch die Art und Weise, wie sie dargeboten werden. Es gibt keine Metaphern, keine Allegorien. Die Themen werden auf die einfachste Weise ausgedrückt. Das versteht auch die dümmste Dreizehnjährige. Das wirklich Allerschlimmste ist allerdings dieses dumme Klischee, dass sich das Leben einer jungen Frau anscheinend nur um Männer zu drehen hat. Auch nur die kleinste Eigenständigkeit, zumindest ein wenig Emanzipation, ist bei Carly Pearce ein Fremdwort. Schrecklich! Dass dies auch anders geht, hat vor Kurzem beispielsweise Lee Ann Womack mit ihrem Album "The Lonely, The Lonesome & The Gone" bewiesen.

Die Melodien passen zu den Texten

Leider verhält es sich ebenso mit den Melodien der einzelnen Songs. Country Music ist, wenn überhaupt, größtenteils nur rudimentär vorhanden. Die meisten Lieder haben zwar eingängige, aber völlig austauschbare Pop-Rhythmen, welche absolut kein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Da wirkt es teilweise fast wie Hohn, wofür Pedal Steel, Fiddle und Banjo hier genutzt werden. Wie so oft haben dabei die Balladen einen höheren Country Music-Anteil als die schnelleren Songs.

Allerdings gibt es auf "Every Little Thing" auch ein paar Ausnahmen. Die gleichnamige Single beispielsweise besticht sowohl durch einen einzigartigen Sound, wie auch durch einen tiefen Text, der einem das Herz zerbrechen lässt. Hier zeigt sich die eigentliche Qualität der Sängerin. Kein Wunder, dass sich alle Beteiligten auf dieses Lied als Auskopplung entschieden haben. Auch "If My Name Was Whiskey" kann qualitativ durchaus überzeugen. Beide Lieder sind allerdings höchstens Lichtblicke in einem sonst auffällig durchschnittlichen Album.

Auf die Masse zugeschnitten

Wenn man es mit so einem klischeeüberladenen und durchschnittlichen Album zu tun bekommt, bleiben leider klischeebeladene Bilder nicht aus. Das ganze Album fühlt sich an, als haben sich die Produzenten (und auch Pearce) ein rosafarbenes Mädchenzimmer vorgestellt, in dem "Every Little Thing" in Dauerschleife läuft. Das Album hört sich so harmlos an und hat so wenig Ecken und Kanten, dass man schon nach den ersten beiden Liedern den Massenmarkt fühlt.

Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Jede Produktionsfirma hat das Ziel solch ein Album aufzunehmen. Und der Erfolg gibt Pearce und Big Machine Records ja auch Recht. Die Frage ist nur, was von dem Album übrigbleiben wird. Und das wird nicht viel sein. "Every Little Thing" reiht sich in die zahllosen Standard-Alben ein, wie sie jedes Jahr zu hunderten auf den Markt geschmissen werden. Mal sehen, ob von Carly Pearce mehr übrigbleibt als eine Eintagsfliege.

Fazit: "Every Little Thing" von Carly Pearce ist ein absolutes Standard-Pop-Album. Ein paar Lieder retten den Spieler vor dem Totalabsturz.

Label: Big Machine (Universal) VÖ: 3. November 2017
01 Hide the Wine
02 Careless
03 Every Little Thing
04 Everybody Gonna Talk
05 Catch Fire
06 If My Name Was Whiskey
07 Color
08 I Need A Ride Home
09 Doin' It Right
10 Feel Somethin'
11 You Know Where to Find Me
12 Honeysuckle
13 Dare Ya

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