12 Jahre gab es kein Solo-Album von Buddy Miller - jetzt legt er ein neues Album vor und es ist ein Meisterwerk
Seit rund 30 Jahren gehört Buddy Miller zu Country und Americana, wie die Saiten zur Gitarre. Er hat eine ganze Reihe Alben veröffentlicht – und war bei noch weit mehr Kooperationen gefragter Sideman, musikalischer Fixpunkt und Garant für Qualität. Jetzt, im dritten oder vierten Karrierefrühling, veröffentlicht der Sänger, Songschreiber und Gitarrist sein erstes selbstbetiteltes Album. Wer sich das Dutzend neuer Songs anhört, weiß warum: Denn diese komplexe und vielschichtige Zusammenstellung wird diesem facettenreichen Künstler erst gerecht. Wir lernen: Buddy Miller ist nicht nur Americana. Nicht nur Country. Er kann auch ganz anders.
"Buddy Miller" – die vielen Facetten des Americana-Stars
Das zeigt sich bereits im Opener "As Long As I Have You". Ein Country-Rock-Track mit der eindeutigen Betonung auf "Rock". Selten in seiner Laufbahn hat man den heute 74-Jährigen wohl so kompromisslos und wuchtig rocken gehört wie in diesem energischen Song. Ein starker Auftakt – der, das muss man gestehen, den geneigten Hörer, doch etwas verwirrt. Man fragt sich unweigerlich: Ist das der neue Buddy Miller? Erleben wir ihn – im gereiften Alter – als Inkarnation eines Rockmusikers? Die Antwort darauf gibt er gleich selbst mit dem zweiten Titel "You Never Really Get Over It" – eine herrlich melodiöse Ballade, bei der er sich mit der Country- und Folk-Ikone Shawn Colvin das Mikro teilt.
Sie ist die erste einer umfassenden Gästeliste: Beim nachfolgenden grandiosen Country-Track "Strange Desire" ist der legendäre Jim Lauderdale mit von der Partie, bei der im Zeitlupentempo vorgetragenen Ballade "Ruby Hang On" die Gospel-Sängerin Regina McCrary (von den McCrary Sisters); beim soulig angehauchten "Don't Look Back" macht Miller gemeinsame Sache mit der 85-jährigen Songschreiber-Legende Dan Penn (unter anderem "I'm Your Puppet") und für die harmonisch wundervoll konzipierte Akustik-Ballade "Lay Down The Burden of Your Heart" hat er sich das stimmgewaltige Duo The War and Treaty ins Studio geholt.
Die Wahl der Kooperationspartner und Kooperationspartnerinnen mag auf den ersten Blick willkürlich wirken. Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Mit dem Mix aus Legenden, Routiniers und aktuellen Top-Acts verweist Miller gleichermaßen auf die Traditionen und auf angesagte Strömungen des Genres. Diesen Spagat führt er auch in den restlichen Kooperationen auf: Bei dem sehr starken, an George Strait erinnernden Roots-Country-Song "Stop Me" präsentiert er Lee Ann Womack, beim ebenfalls ganz an den Wurzeln des Genres angelegten "Till The Wheels Come Off" stehen ihm Ashley Monroe und Elizabeth Cook zur Seite und – vielleicht als Höhepunkt des Star-Schaulaufens – bei "The Inner Sanctum of God" wirken die große Emmylou Harris, Larry Campbell und Teresa Williams mit.
Buddy Miller rief – und die Country-Stars kamen
All' die klangvollen Namen sind natürlich pures Marketing-Gold. Mit lapidarem Namedropping hat das alles aber dennoch nichts zu tun: Alle Acts fügen sich einfühlsam und voller Hingabe ins große Ganze ein und sorgen so für ein Werk mit vielen schillernden Klangfarben. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Buddy Miller im Grunde keine Star-Verstärkung nötig hat. Nicht umsonst gehören der wuchtige, mit tonnenschwerem Beat unterlegte Country-Soul von "Losers' Celebration" und die gefühlvolle Klavierballade "Masterpiece In The Sand", mit der Miller sein selbstbetiteltes Album beendet, zu den stärksten Momenten des ohnehin starken Longplayers.
Fazit: Buddy Miller setzt mit seinem gleichnamigen Comeback-Album ein Ausrufezeichen: In den zwölf Tracks präsentiert er die vielen Facetten seiner künstlerischen Identität – und dazu eine imposante Riege von Stargästen.










