CD Cover Dierks Bentley - Modern Day Drifters
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Redaktionswertung CD von der Redaktion nicht bewertet
Userwertung

Mit dem zweiten Album knüpft der blondgelockte Gitarrist, Sänger und Songschreiber an sein 2003 erschienenes Debüt an. Mehr noch: Der aus Phoenix, Arizona, stammende Newcomer gewinnt mit dieser CD deutlich an Profil.

Das könnte daran liegen, dass er - im Gegensatz zum Mainstream der Music Row - bei der Produktion der elf neuen Titel nicht auf die üblichen Verdächtigen Nashvilles zurück greift: weder beim Produzenten, noch bei den Songschreibern und auch nicht bei den Musikern. Diese Methode birgt Chance und Risiko zugleich. Und beides bestätigt sich auch im Verlauf der von Brett Beavers produzierten CD. So klingt die Musik tatsächlich über weite Strecken hinweg zwar nicht gerade neu, so doch aber frisch und unverbraucht und manchmal auch richtiggehend originell. Der Nachteil: manchen Songs fehlt es an Raffinesse und überraschenden harmonischen Wendungen. Unter Mithilfe von Songautoren-Größen wie Bill LaBounty wäre da schon noch mehr heraus zu holen gewesen.

Los geht das Album aber gleich mal ganz erstaunlich gut. "Lot of Leavin' Left To Do" präsentiert die Countrymusik von heute. Ein rockiger Song mit forschem Groove, prächtigem Refrain und, im Ausklang des über viereinhalbminütigen Openers, einem packenden Gitarrensolo eines gewissen J.T. Corenflos. Nach dem geglückten Start schaltet Dierks Bentley einen Gang runter und präsentiert mit "Comea Little Closer" eine gemeinsam mit seinem Produzenten geschriebene Ballade. Kein Rührstück, bei dem man jetzt gleich eine Packung Tempo neben den CD-Player legen müsste, aber nett, sehr nett sogar. Mit "Cab of My Truck" drückt der Mann mit dem Namen der englischen Nobelauto-Marke wieder auf die Tube. Das Uptempo-Stück stammt erneut aus der Feder des Autorenteams Bentley/Beavers plus kreativer Hilfe von Mark Nesler. Resultat: Stört nicht beim Autofahren.

Genauer hört man dagegen gleich bei den ersten Takten des nachfolgenden, wieder im Balladenreich angesiedelten Tracks "Settle fora Slowdown" hin. Der etwas kryptische Text ist zwar vollgepfropft mit Metaphern und Bildern, die Musik aber geht schnörkellos zu Herzen. Ein Song, den man - je öfter man ihn hört - umso lieber gewinnt. Was nicht unbedingt für "Domestic, Light and Cold", dem nächsten Titel, gilt. Der etwas zu penetrant auf den Gute-Laune-Busch klopfende Song erzählt die Geschichte eines Barbesuchers, dem an dem Abend nicht nach ausländischem Bier, nicht nach "Jägermeister" und auch nicht nach schottischem Single-Malt-Whiskey ist, sondern nach einem echten Made-in-USA-Gesöff - vielleicht nach einem eiskalten Bud Light. Nichts dagegen einzuwenden. Doch muss man diesem Dünnbier gleich eine vierminütige Ode widmen? Am Ende des ebenfalls vom Sänger und Produzenten zu verantwortenden Titels wird dann noch mit einer Barbesucherin geflirtet ("domestic, hot and light", ahh, ja).

Doch damit hat es sich auch schon mit den Songausrutschern. Die zweite CD-Hälfte bietet ausschließlich Titel von überdurchschnittlicher Qualität. "Down on Easy Street" rockt gut und locker, der Titelsong besticht mit herrlichen Melodien und einem subtilen, folk-orientierten Arrangement und mit "Gonna Get There Someday" klingt die CD mit traditionellen Bluegrass-Tönen einfühlsam aus. Im Booklet bedankt sich Dierks Bentley bei George Strait ("King Dude") und Kenny Chesney ("thanks Dude"). Und tatsächlich: irgendwo dazwischen hat er auch seinen Claim abgesteckt.

Fazit: Ein hübsches, modernes Countryalbum vom Newcomer. Sein Potential hat er aber immer noch nicht vollständig abgerufen.

Label: Capitol Nashville (EMI) VÖ: 27. Januar 2006


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