CD Cover Dierks Bentley - Long Trip Alone
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Redaktionswertung Bewertung: 2,5 Sterne = OK
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Sein neues, mittlerweile drittes Album nennt Dierks Bentley "Long Trip Alone". Na ja, so ganz alleine ist der aus Phoenix, Arizona stammende Sänger und Songschreiber natürlich auch auf dieser CD nicht. Vielmehr umgibt er sich auch auf diesem Album mit dem vertrauten Team um Produzent und Co-Songautor Brett Beavers und Gitarrist C.T. Corenflos - die Mannen, die auch schon seine im letzten Jahr erschienene CD "Modern Day Drifter" mitprägten.

Ob das nun gut ist oder eher ein Nachteil bleibt fraglich. Denn eines muss man vorneweg sagen: Der Mann mit der Wolfgang-Petry-Frisur ruft auch auf dieser CD sein Potential nicht vollständig ab. Viele Songs sind einfach nur nett und hübsch anzuhören - es fehlt ihnen aber oft genug an Tiefgang und harmonischen Finessen. Ein weiteres Problem ist, dass so mancher Titel - eine zugegeben rein subjektive Meinung des Autors - um einen Tick zu tief angesetzt sind. Die Folge ist, dass Bentley seine eigentlich angenehme Stimme hörbar angestrengt in den Keller drücken muss. Entsprechend unlocker und bemüht klingt die Interpretation in manchen Passagen - beispielsweise bei dem gemütlichen Country-Folk "Hope For Me Yet", bei dem mit instrumentalen Glanzleistungen aufwartenden "That Don't Make It Easy Loving Me" und bei der Midtempo-Ballade "Soon As You Can".

Wie schon bei dem Vorgänger-Album fällt die erste CD-Hälfte deutlich schwächer aus als die zweite. Während der munter rockende Opener "Every Milea Memory", das etwas traditionellere "Can't Live It Down" und der nachfolgende balladeske Titeltrack für solides, durchaus professionelles und zeitgemäßes - aber auch leider unoriginelles Country-Rock-Handwerk stehen, blitzen gegen Ende der CD Kreativität und sogar so etwas wie eine eigene Handschrift auf. So kann man den gut aufgelegten Uptempo-Song "Free and Easy (Down The Road I Go)", das vom turbulenten aber auch faszinierenden Leben eines tourenden Musikers erzählende "Band of Brothers" und das in traditioneller Bluegrass-Tracht gehaltene "Prodigal Son's Prayer" gerne und oft hören. Diese Songs überraschen mit gewieften Harmonien, glaubwürdigen Texten oder einfach durch ihr stimmiges Arrangement.

Für die erste Hälfte der CD lässt sich das, wie bereits erwähnt, nicht so ohne weiteres behaupten. Hier hat man den Eindruck, dass der Jeans-, T-Shirt- und Dreitagebart-Typ versucht, im Mainstream Nashvilles mit zu schwimmen - mit im Ocean-Way-Studio freilich astrein aufgenommener Standard-Ware. Das mag zwar die Airplay-Chancen steigern, zur eigenen Profilbildung ist diese "Nummer Sicher" aber ungeeignet. So möchte man Dierks Bentley wünschen, dass er für das nächste Album nach weiteren Song- bzw. Co-Songschreibern Ausschau hält. Und vielleicht wäre auch mal ein Produzenten-Wechsel empfehlenswert. Auch wenn er mit Brett Beavers ein gut aufeinander abgestimmtes Produktions- und Songwriting-Team bildet. Doch vielleicht sogar ein zu gut aufeinander abgestimmtes Team. Denn Routine ist - alte Musikerweisheit - der Tod der Inspiration.

Fazit: Alles beim alten bei Dierks Bentley. Wieder hinkt die erste CD-Hälfte der zweiten hinterher, wieder zu viel Standard-Songs-Ware, wieder ruft der Lockenkopf sein Potential nicht ab.

Label: Capitol Nashville (EMI) VÖ: 27. Oktober 2006


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