Ob echt oder eingebildet, die Angst vor dem gefürchteten ausbleibenden Erfolg ist ein Gefühl, das fast jeder Künstler kennt, der ins Studio geht, um ein zweites Album aufzunehmen. Dieser Fluch lastet oft schwer auf den Schultern der Künstler, wenn sie sich anschicken, der Welt zu beweisen, dass ihr erster Erfolg nicht nur ein glücklicher Zufall war.

Little Big Town - The Road To Here

Künstlern wird heute viel weniger Zeit gegeben, um ein erfolgreiches Album zu produzieren als vor einigen Jahren und manchmal werden sie von einem Plattenlabel gestrichen, bevor sie eine Gelegenheit haben, sich zu beweisen. Genauso war es bei Little Big Town. Zuerst unterschrieb das Quartett einen Plattenvertrag bei Sony Music Nashville und verbrachte dann ein paar Jahre damit, sich zu entwickeln, bevor sich die Wege der Band und des Plattenlabels wieder trennten. Little Big Town blieben entmutigt zurück, aber sie fühlten, dass sie noch wichtige Musik zu machen hatten. Mit einem Image, das sich ein bisschen zu geschliffen für ihre Persönlichkeiten anfühlte, fingen sie noch mal von vorn an und gewannen die Unterstützung des Songschreibers Wayne Kirkpatrick, der Co-Autor einiger Songs auf ihrem Debütalbum war. Kirkpatrick half ihnen dabei, dorthin zurückzufinden, wo sie als Gruppe stehen, und arbeitete als Co-Produzent ihres letzten Albums und ihres ersten Hits “Boondocks."

Der übergang wurde noch schwieriger durch den viel zu frühen Tod von Steven, dem Ehemann von Little Big Town-Mitglied Kimberly Roads und verschiedene Trennungen in der Gruppe. Aber diese Erfahrungen bestärkten sie nur noch in ihrem Streben nach Erfolg.

“Wir nahmen Jobs an und taten, was immer wir tun mussten, um zusammen zu bleiben und wir sprachen nicht übers Aufhören", erzählt Little Big Town-Mitglied Karen Fairchild. “Selbst wenn wir eine Platte aufnähmen, die wir im Internet verkauften, wir hätten das durchgestanden. Wir glaubten daran, dass wir etwas Einzigartiges haben, das wir mit anderen teilen müssen und da ist einfach etwas in uns, das uns dazu bringt, weiterzumachen."

“Als wir damals bei Sony waren, dachte jeder, dass sie das Richtige für unsere Karriere tun würden", meint Roads.

“Es wurden einige Entscheidungen getroffen, durch die wir uns in eine andere Richtung entwickelt hätten, aber in dieser Situation bist du ein neuer Künstler und verlässt dich auf Leute, die Erfahrung haben", erzählt Fairchild weiter. “Man muss vertrauen und sich entwickeln, und das taten wir, und es ist viel besser, dass es uns auf diese Art passiert ist."

“´Boondocks´ bestimmte den Sound von Little Big Town und betonte die Einzigartigkeit der Band", meint die freiberufliche Autorin und frühere Billboard Nashville-Büroleiterin Phyllis Stark. “Eine ihrer Stärken ist die Freundschaft und der Respekt für einander, wodurch sie einen Zusammenhalt haben, der mehr an eine Familie als an eine Band erinnert. Dies ist von allen Bands, die ich jemals kennen gelernt habe, die Gruppe, die am härtesten arbeitet. Sie streben beständig danach, ihre Karriereziele zu erreichen. Die New Faces Show im diesjährigen Country Radio Seminar könnte sich als Wendepunkt für die Band erweisen, da die meisten Anwesenden zustimmten, dass ihr Auftritt der stärkste des Abends war.

Die harte Arbeit hat sich für die Gruppe ausgezahlt, die mit “Boondocks" einen Top 10-Hit feierte und sich jetzt über ein Gold-Album freuen kann. Sie waren Vorgruppe bei Keith Urbans Tour, traten kürzlich mit John Mellencamp auf und landeten einen zweiten Hit mit “Bring It on Home." Im August erhielten Little Big Town zwei Nominierungen für die CMA Awards für die Vocal Group of the Year und den Horizon Award.

Billy Currington
Mehr Tourdaten sind laut Billy Currington, dessen Auftritte sich nach den ersten Hits seines Debüts bei Mercury Nashville fast verdreifacht haben, eine positive Nebenwirkung einer erfolgreichen Debüt-CD.

“Im ersten Jahr waren es 60 Auftritte und im zweiten schon 160 - es veränderte sich völlig, was die Auftritte betraf", erinnert sich Currington. “Plötzlich erreicht alles eine andere Dimension, weil man gefragt ist. Aber ich will mich nicht beschweren!"

Er hatte einen Nr.1-Hit (“Must be doin´ something right") und zwei weitere Songs in den Top 10, aber Currington findet, dass die einzige, richtige Veränderung, die er in den Jahren seit der Veröffentlichung seiner nun mit Gold veredelten Debüt-CD erlebt, seine stimmlichen Fähigkeiten und seine Fähigkeiten als Performer betrifft.

“Meine Stimme wird immer stärker und besser, wodurch ich ein besseres Album aufnehmen konnte", meint Currington. “Und viele Leute sagen mir, dass sie einen Unterschied hören. Ich bin froh, dass ich in den letzten vier Jahren so viel on the road gearbeitet habe und ich liebe es da draußen zu sein."

Curringtons sexy Image hat ihm zweifellos auch dabei geholfen, es an die Spitze zu schaffen, obwohl er selbst sagt, dass er sich nicht so sieht. Er bezeichnet die Tatsache, dass Shania Twain für ihr spielerisches Duett “Party for two" bei ihm angefragt hat, als den Punkt, der seine Karriere so erfolgreich gemacht hat.

“Ich sehe sie als meinen kleinen Engel, weil sie jeden hätte auswählen können, aber sie hat mich genommen", erzählt er. “Das hat alles verändert."

Nach dem Duett wurde Currington vom People Magazine als einer der “sexiest men of the week" gewählt und erschien auf dem Cover von Playgirl. Auf seinem neuesten Album "Doin´ Somethin´ Right" ist auch ein Duett mit Michael McDonald, einem seiner musikalischen Vorbilder, zu hören und die beiden planen, noch weitere Songs zusammen zu schreiben.

Miranda Lambert
Gelegentlich taucht ein neuer Künstler auf, der einen solch starken Sinn für das hat, was er ist, dass er sich nicht umstimmen lassen würde, sogar wenn dies bedeutet, dass er seine Chance auf einen Plattenvertrag vergibt. Miranda Lambert ist so eine Künstlerin. Lambert wurde bei der ersten Staffel von “Nashville Star" berühmt und obwohl sie den dritten Platz hinter Buddy Jewell belegte, wurde ihr von Sony Music Nashville, jetzt SONY BMG, ein Plattenvertrag angeboten. Von Anfang an war sie entschlossen, was das Album betraf, das sie machen wollte, beharrte auf ihrem Standpunkt und nahm ihre eigenen Songs auf ihre eigene Art auf.

Das Risiko zahlte sich für Lambert aus, deren Debüt-CD Goldstatus erreichte und Hits wie “Kerosene" hervorbrachte. Im August erhielt sie zwei Nominierungen für die CMA Awards, Horizon Award und Music Video of the Year für “Kerosene", bei dem Trey Fanjoy Regie führte. Aber Lamberts Erfolg stellte sich nicht sofort ein.

“Ihre ersten beiden Singles kamen im Radio nicht so gut an", so Stark. “Einer der Wendepunkte war ihre feurige Performance von "Kerosene´ bei den CMA Awards 2005 in New York, nach der eine ziemliche Anzahl von Leuten auf sie aufmerksam wurden.

Zur Erhöhung ihrer Popularität trug außerdem dazu bei, dass sie bei der Tour von George Strait eröffnen durfte, sowie kürzlich ein Artikel in Blender und die Eröffnung des Miranda Lambert Store und des zentralen Fan Clubs in ihrer Heimatstadt Lindale, Texas. Aber trotz ihres Aufwinds, einer neuen Single, die im Oktober veröffentlicht werden soll, einer neuen Tour mit Dierks Bentley in diesem Herbst und einem neuen Album, das Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll, gibt Lambert ihre Angst vor dem Fluch des ausbleibenden Erfolgs zu.

“Es macht einem Angst, besonders wenn deine erste CD wirklich erfolgreich ist", meint Lambert. “Aber ich habe einfach das gemacht, was ich schon beim letzten Mal gemacht habe - die Musik aufgenommen, an die ich glaube. Sie ließen mir wieder alle Freiheiten der Welt und ich hoffe, dass es funktioniert. Ich mache mir schon Sorgen, aber ich weiß, dass ich eine tolle Platte aufgenommen habe. Ich hoffe einfach, dass es alle anderen auch so sehen."

Was das Image anbelangt, so sagt Lambert, dass sie versucht, ein bisschen mehr auf Mode orientiert zu sein.

“Ich werde erwachsen und werde nicht dieses 19-jährige Mädchen mit dem süßen Gesicht bleiben, dass ich bei "Nashville Star´ war. Ich habe viel gelernt und das Leben auf Tour macht dich ein bisschen härter, deshalb wachse ich als ein normales Mädchen und auch als Künstlerin. Es ist kein leichtes Leben. Man bekommt nicht viel Schlaf und jede Nacht ist im Grunde eine Party. Ich spiele in Bars, weißt du. Es ist ein hartes Leben, aber ich liebe es."

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