Dierks Bentley
Es sind noch zwei Stunden bis zu seinem Auftritt in Albuqerqe, New Mexico, und Dierks Bentley verteilt gutgelaunt Autogramme. Er ist von etwa 20 Leuten umringt, die alle Mitglieder des "Congress" sind, einer Gruppe von Bentleys Hardcore-Fans, die dem Sänger/Songwriter vor dem traditionellen Meet-and-Greet für Sponsoren und Radioreporter einen ausführlicheren Besuch abstatten. "Es gibt Fans, die richtig engagiert sind," sagt Bentley, dessen Fans eigentlich "Ausführende Produzenten" seines Albums "Greatest Hits: Every Mile a Memory 2003-2008" waren, da sie über Songs, den Namen des Albums und das Cover abstimmten. "Und die Idee, dass ich einigen von ihnen eine wirklich sinnvolle Zeit schenken kann, in der sie über irgendetwas reden, das hält meine Verbindung zu den Leuten, für die ich Musik mache, lebendig."

Bentley, der kürzlich vom Magazin Men's Fitness zu einem der "25 fittesten Jungs in Amerika" gewählt wurde und der die jüngste Neuaufnahme in die landesweite und prämierte Werbekampagne "Real Men of Genius" von Anheuser Busch ist, stellte sein Album "Greatest Hits: Every Mile a Memory 2003-2008" mit einer längeren Reihe von "Hauskonzerten" und Unplugged-Radioauftritten in Atlanta, Charlotte, N.C., Chicago, Greenville, N.C., Los Angeles, Minneapolis, New York, Philadelphia und Seattle vor.

"So kann ich möglichst viele Menschen auf möglichst persönliche Art erreichen," erklärt er. "Wenn man tagsüber für den Fanclub umsonst spielt und den Radiosender dann einen Gewinner auswählen lässt, und wenn man dann zu jemandem nach Hause geht und in seinem Garten oder Wohnzimmer spielt, kommt man wirklich mitten ins Leben."

Die außergewöhnliche Geschichte hinter diesem Album entstand während eines Treffens mit einigen Entscheidungsträgern von Capitol Records Nashville, die vorschlugen, eine Platte mit seinen größten Hits herauszubringen.

Dierks Bentley"Das erste, was er sagte, war, 'An ihrem Greatest-Hit-Vorschlag ist wirklich gar nichts irgendwie Besonderes'", erinnert sich Dustin Eichten, Director of Marketing, Capitol Records Nashville. "Er wollte einen Weg finden, wie er die Fans einbinden konnte, und wir hatten diese Idee, 3.000 Leute zu beteiligen und sie über die Gestaltung des Covers, mögliche Live-Songs und sogar den Namen des Albums abstimmen zu lassen. Dann sollten die Namen der 3.000 Fans im Booklet abgedruckt werden. Auf diese Art wurde das Projekt ebenso eines der Fans wie eines von Dierk ."

Capitol brachte diese 3.000 Fans zusammen, indem Sie zuerst die Mitglieder von Bentleys Fan-Club per Email anschrieben und sie einluden, sich in einen passwortgeschützten Bereich auf seiner Webseite einzuloggen, wo sie sich nach dem Motto 'wer zu erst kommt, mahlt zuerst', zur Teilnahme am Projekt anmelden konnten. Nach 24 Stunden wurde die selbe Nachricht auf der Internet-Hauptseite veröffentlicht. Die Namen der angemeldeten Teilnehmer wurden dann von Bentley im April in einer Art 'Online-Ratsverammlung' bekannt gegeben.

Jedem dieser 3.000 Fans wurden eine Auswahl von etwa 10 möglichen Namen für das Album, fünf Cover-Bilder und alle seiner Live-Aufnahmen zugesandt. Die Stimmen wurden abgegeben, und Bentley und sein Label verfuhren mit den Ergebnissen wie versprochen. Die Teilnehmer wurden eingeladen, das Album vorzubestellen, wobei das meiste der Erlöse an das Kinderkrankenhaus Monroe Carell Jr. Children's Hospital an der Vanderbilt-Universität in Nashville gespendet wurde.

Um das Spiel noch etwas weiter zu treiben, startete Bentley eine zweiwöchige Promotion-Tour, auf der sich tagsüber Treffen mit Fans und Radiointerviews abwechselten und abends dann Konzerte in den Gärten der Fans stattfanden - oder, wie in Indianapolis, im Wohnzimmer eines Fans mit dessen Freunden. "Diese Konzerte waren schon etwas Besonderes," sagte Eichten, der jedes dieser sehr vertraulichen Konzerte besucht hat. "Dierks trat auf, spielte etwa 30 oder 40 Minuten, gab Autogramme und hing dann einfach noch ein paar Stunden mit den Leuten ab. Wir haben das Garten-Open-Air nicht erfunden, aber kein Künstler auf dem Niveau von Dierks Bentley hat das jemals so weit getrieben."

Es ist diese Verbindung, die einem Künstler die Freiheit gibt, seinen eigenen und irgendwie ungewöhnlichen Weg mit Glanz zu erfüllen. "Man muss sehr oft 'Nein' sagen," sagte er. "Und das ist schwer, weil alle ganz nach oben wollen - ausverkaufte Shows, Stadien. Aber man muss erkennen, dass man sich selbst - wer und was man ist - treu sein muss. Man macht etwas, nicht weil es funktioniert hat, sondern weil es richtig ist. Und die Fans bemerken diesen Unterschied."

Als Fan erkannte Bentley die Kraft von dem, was richtig ist im Gegensatz zu dem, was nur funktioniert, als er eine Show von Garth Brooks in Phoenix, Arizona, besuchte. "In Sachen Country war wirklich viel los, aber ich könnte nicht sagen, wer alles da war," sagte er. "Ich habe nur ihn gesehen."

Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt für Bentley, da er nun seine Idee verfolgte, seine Konzerte zur Verbesserung der Beziehung zu seinen Fans zu nutzen. "Für mich ist es ganz einfach: Tour, Tour, Tour. Dorthin zu gehen, wo noch keine Band zuvor gewesen ist. Vieles was ich gelernt habe - was funktioniert und was nicht - habe ich auf Tour gelernt, als ich versucht habe, der bestmögliche Frontmann zu werden und den Fans die Erinnerung an eine gute Zeit mit auf den Weg zu geben."

Es geht auch darum, die Balance zwischen künstlerischem und kommerziellem Erfolg zu finden. Auf dem Album sind 17 Titel: Bentleys zehn Top 10- und Nr. 1 Radio-Hits, zwei neue Songs und fünf Live-Versionen, die unter anderen auf Konzerten auf dem Bonnaroo-Festival, im Fillmore und auf dem Austin City Limits-Festival aufgenommen wurden. Viele seiner bekannten Songs, darunter "Free and Easy (Down the Road I Go)", "Lot of Leavin' Left to Do" und "Settle for a Slowdown" handeln von einem postmodernen Rumtreiber, der sich an einem Amerika abarbeitet, in dem jeder unter Druck steht, sich hervorzutun, etwas zu erreichen und zu leisten. Mit diesen Themen erreichte er genug Zuhörer, um beim CMA Horizon Award 2005 drei Auszeichnungen in Gold und zwei in Platin zu erhalten.

"Ich wollte immer zu den Jungs gehören, die aussehen wie ich, und die Mädchen kennenlernen, die mit ihnen rumhängen," erklärte er. "Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Musik von Kollegen zu spielen, und es gibt ältere Fans, die wissen, dass ich die Geschichte kenne, Bluegrasser, die kommen, weil sie sich mit dem verbunden fühlen, was wir machen - und das Publikum aus Texas merkt, dass wir anders sind. Alle diese Leute haben vielleicht nicht viel gemeinsam, außer dass sie Songs und Musik lieben."

Dierks und Fans
Der Punkt ist, dass Bentley, dessen Freunde von Ronnie McCoury bis zu den Mitgliedern von Pearl Jam reichen, alles vereint, was Country zu bieten hat. "Ich suche nach großartigen Songs für mich, nicht unbedingt nach Hits," erklärt er. "Ich habe auf 'Whiskey Lullaby' verzichtet, und ich wusste, dass es ein toller Song ist. Aber ich versuche, etwas zu machen, das mir entspricht, was ich selbst bin - und damit auch, was meine Fans sind."

Indem er sich so stark mit den Zuhörern identifiziert, die ihn von den Clubs am Lower Broadway ins Rampenlicht gehoben haben, erfasst Bentley die Essenz eines Stars der Country Music, was bedeutet, in der Tradition verwurzelt zu sein, selbst wenn man dabei nach den Sternen greift. Es beginnt, nach seinen eigenen Worten, damit, "unten im Station Inn zu sitzen, wo es nur um die Instrumente, die Musik und die Texte geht. Das ist Country und Bluegrass, Geschichte und Wurzeln. Und es ist ein Ort, an dem man zusehen kann, wie Leute an ihrer Karriere arbeiten, das Handwerk des Musikmachens lernen und mit der Musik ihre Brötchen verdienen."

Mit der Nähe zu seinen Fans und seinem Bild von sich selbst steht Bentley irgendwo zwischen dem Außenseiter-Heldentum von Waylon Jennings, Kris Kristoffersons aufgewühlter Poesie und dem Strahlen von Kenny Chesney. "Ich beziehe mich auf das, was er macht," sagt Bentley über Chesney, seinen früheren Tour-Kollegen, "auf die krankhafte Art, es immer noch besser zu wollen, davon so besessen zu sein, mitten in der Nacht aufzuwachen und über das Bühnenbild oder das Licht nachzudenken. Aber was ihn so besonders macht ist, dass er etwas tut, was ihm ganz eigen ist. Ich hatte auch eine klare Vision. Ich wollte die Songs schreiben. Brett [Beavers] sollte sie produzieren. Die Songs sollten für mich authentisch sein, dafür, wo ich war und wie ich war."

Das ist sowohl einfacher als auch komplizierter als es sich anhört. "Ich mache nichts, was nicht irgendjemand schon mal getan hat," fügt er lachend hinzu. "Wir sind eine Band auf Tour. Ich bin ein Musiker, der Arbeit hat. Ich schreibe Songs, ich bin achtsam und ich lasse mir Zeit, wenn es darauf ankommt. So ist es und so war es immer, wenn es um Musik geht und um die Leute, die Musik lieben. Wenn wir dort anfangen, dann entsteht etwas, das Bestand hat."

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