Zu seinem 75. Geburtstag veröffentlicht Rodney Crowell das Album "Airline Highway"
Anfang August 2025 ist Rodney Crowell - man möchte es nicht glauben - 75 Jahre alt geworden. Ein Alter, in dem es die meisten Menschen ruhiger angehen lassen. Nicht jedoch der aus Houston stammende Texaner. Anstatt Füße hochlegen oder Fernseh-Glotzen präsentiert der einstige Schwiegersohn von Johnny Cash (er war von 1979 bis 1992 mit Rosanne Cash verheiratet) mit "Airline Highway" ein vielschichtiges, virtuoses und mitunter kraftstrotzendes Album. Dabei mit behilflich: Acts der jungen Country-Generation wie Larkin Poe, Ashley McBryde, Produzent Tyler Bryant und Willie Nelsons talentiertester Spross Lukas Nelson.
Letzterer unterstützt den verdienten Country-Recken gleich beim Opener: "Rainy Days in California" heißt der ganz im Heartland-Rock verankerte Song, dem Nelson Junior als Co-Autor, Background-Sänger und markanten Gitarren-Riffs seinen Stempel aufdrückt. Damit wird der Auftakt nicht nur zu einem Clash der Generationen - der über vierminütige Track verweist auch auf die Richtung, in welche die "Airline Highway" führt: in ein Terrain, in dem Traditionen und moderne Country-Ausprägungen einen gemeinsamen Nenner finden.
Rodney Crowell: als Songschmied immer noch eine Klasse für sich
Ein Konzept, das freilich vom Kontrast lebt. Am deutlichsten wird das vielleicht in der etwas brüchig-krächzenden Stimme des Altmeisters. Andererseits: Rodney Crowell war, abgesehen von seinem Mega-Erfolg "Diamonds & Dirt" aus dem Jahre 1988, in seiner über 50jährigen Karriere eher ein Mann der zweiten Reihe. Ein genialer Songschmied, dessen Song-Werke in Interpretationen von Johnny Cash, Bob Seger oder Keith Urban zu Top-Hits wurden. Als Interpret in eigener Sache tat sich Crowell dagegen meist ungleich schwerer. Nur wenn er in den letzten Jahren mit seiner alten Wegbegleiterin Emmylou Harris gemeinsame Sache machte, sprang auch eine top Charts-Platzierung heraus.
Wer weiß, vielleicht ändert sich das mit "Airline Highway"? Die Chancen dafür stehen jedenfalls nicht schlecht. Dafür sorgen beispielsweise Tracks wie "Lousiana Sunshine Feeling Okay", für das er sich die Dienste der zwei Lovell-Schwestern von Larkin Poe sicherte. Ergebnis: ein extrem wohlklingender, harmonisch mit feinem Strich gezeichneter Country-Rock-Song, mit einigen herrlichen Lap-Steel-Einwürfen von Megan Lovell.
In diesem Fahrwasser geht es mit dem noch ruhigeren, akustisch gehaltenen Titel "Sometime Thang" weiter - ein gefälliger, hochgradig entspannter Folk-Track. Mit dem nachfolgenden "Some Kind of Woman" zeigt die Country-Legende, dass in ihm immer noch ein rebellisches Feuer lodert. Der soulige, groovende, mit Vintage-Touch und knarzenden Fender-Rhodes-Klängen aufgeladene Track setzt ein Highlight des Albums.
Für das nächste sorgt bereits "Taking Flight". Kein Wunder, denn für den balladesken Country-Rocker konnte er als Gaststar keine Geringere als Ashley Bryde gewinnen. Mit ihrer kraftstrotzenden, bluesgetränkten Stimme setzt sie einen spannenden Kontrapunkt zu den eher schwächlichen Vocals des Seniors. Ein gefühlvolles Gitarrensolo rundet den Track virtuos ab.
Vielleicht führt die "Airline Highway" Rodney Crowell wieder zurück in die Charts?
Auch die zweite Hälfte des Albums zeigt sich bipolar: entweder es wird stramm rockig ("The Twenty-One Song Salute") oder es geht leise und geruhsam zu ("Simple (You Wouldn't Call It Simple)", "Heaven Can You Help", mit Charlie Starr an der Gitarre). Für ein weiteres Highlight sorgt das im flotten zwei-Viertel-Takt angelegte, sehr rockige und von einem messerscharfen Gitarren-Riff angefachte "Don't Give Up On Me". Mit dem rührseligen, offenbar einer verflossenen Liebe gewidmeten "Maybe Somewhere Down The Road" beendet Rodney Crowll das Album. Selten war Country poetischer als bei diesem leisen Song.
Fazit: "Airline Highway" weist Rodney Crowell als meisterhaften Songschmied im zweiten, vielleicht auch dritten Karrierefrühling aus.












