CD Cover: Rodney Crowell - Close Ties

Für "Close Ties" schafft es Rodney Crowell Songs zu schreiben, die auch nach dem letzten Ton im Ohr bleiben.

Mit wem hat Rodney Crowell in Laufe seiner langen Karriere nicht alles zusammen gearbeitet? Waylon Jennings, Vince Gill, Kris Kristofferson, Johnny Cash und immer wieder mit Emmylou Harris, in dessen Band "The Hot Band" er bereits in den 1970er Jahren spielte, sind nur einige der großen Namen. Der im Jahr 1950 in Crosby, Texas geborene Singer/Songwriter hat in seinen 66 Lebensjahren jede Menge erlebt, jede Menge zu erzählen – und das tut er auf seinem neusten Solo-Album "Close Ties".

"Close Ties" - ein Streifzug durch Crowells Lebens- und musikalische Geschichte

Wie eine Geschichtsstunde entfaltet sich das zehn Songs umfassende Werk "Close Ties", greift Crowells Lebensgeschichte auf, knüpft an vergangene Zeiten und Musik an und entwickelt neue Figuren und Storys.

Den Beginn macht "East Houston Blues", ein in flottem Ragtime gehaltener Track mit Slide Guitar, der eine schwierige Jugend inklusive Alkohol und Kriminalität thematisiert. Ein Song, der auch Themen aus Crowells eigener Kindheit aufgreift. So offen der zweifache Grammy-Gewinner mit ebendieser Kindheit umgeht, so ehrlich wandert er auf "Close Ties" durch die Vergangenheit.

Mal autobiografisch, mal fiktiv gibt er sich dabei einer Vielzahl an Emotionen und Musikeinflüssen hin. So zeigt sich der als einer der Gründer des Americana-Genres geltende Sänger und Songwriter auf dem von Jordan Lehning und Kim Buie produzierten Album mal schwermütig ("Reckless"), mal rockig ("Storm Warning"), mal melancholisch ("Forty Miles From Nowhere").

Zart und gefühlvoll: Rodney Crowell und die Frauen

Dass auch zahlreiche Frauen zu Crowells Leben zählen und zählten, verschweigt der Sänger und Songschreiber selbstverständlich auch nicht. So widmet er der Country-Songwriterin Susanna Clark in "Life Without Susanna" ein bittersüßes Abschiedslied oder fleht in der bedauernden Klavierballade "Forgive Me Annabelle".

Trotz Rückschlägen und Herzschmerz, die Hoffnung lebt wohl weiter, wie die gemeinsam mit Sheryl Crow gefühlvolle Duett-Ballade "I'm Tied to Ya'" zeigt.

Seinen gelungenen Höhepunkt findet jedoch Crowell mit "It Ain't Over Yet", das in etwas über fünf Minuten Crowells Lebensgeschichte zusammenfasst: Die zarte, Mundharmonika unterlegte Ode an die Hochs und Tiefs des Lebens präsentiert er gemeinsam mit Ex-Civil Wars-Sänger John Paul White und seiner eigenen Ex-Frau Rosanne Cash. Die Intimität und Freundschaft, die trotz Trennung zwischen den beiden Ex-Partnern weiterhin besteht, ist hier förmlich spürbar.

Ein Blick zurück auf die erste Begegnung mit Willie Nelson

Auch wenn Crowell gemeinsam mit seinen Mitstreitern einen optimistischen Blick in die Zukunft wirft, beendet der gebürtige Texaner sein neustes Album doch mit einem Rückblick: Mit "Nashville 1972" erinnert sich Rodney Crowell an seinen Umzug in die Hauptstadt Tennessees im Jahre 1972, an seine Verehrung namhafter Künstler und an seine erste Begegnung mit dem damals knapp 40-jährigen Willie Nelson. Letztere endete übrigens damit, dass Crowell sich betrank, Nelson ein - wie er selbst zugibt - schlechtes Lied vorspielte und sich anschließend im Hinterhof übergab.

Fazit: Wie Wein wird Rodney Crowell mit den Jahren stets besser: Dem Sänger und Songschreiber gelingt mit "Close Ties" ein beeindruckendes, abwechslungsreiches Album.

Label: Nwe West / PIAS (roughTrade) VÖ: 31. März 2017
01 East Houston Blues
02 Reckless
03 Life Without Susanna
04 It Ain't Over Yet (mit Rosanne Cash & John Paul White)
05 I Don't Care Anymore
06 I'm Tied To Ya' (mit Sheryl Crow)
07 Forgive Me Annabelle
08 Forty Miles From Nowhere
09 Storm Warning
10 Nashville 1972

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