Larkin Poe - Self Made Man

CD Cover: Larkin Poe - Self Made Man

Mit "Self Made Man" knüpft Larkin Poe nahtlos an den Grammy-nominierten Vorgänger "Venom & Faith" an.

Larkin Poe. Der Name steht für vieles - und für Nichts. Könnte man glauben. In Wahrheit aber erinnern die beiden singenden und Gitarre spielenden Schwestern Rebecca und Megan Lovell an ihren Ur-Ur-Ur-Großvater mit jenem Namen. Opa Larkin Poe war dazu, und da wird’s spannend, ein Cousin von Schriftsteller-Legende Edgar Allan Poe.

Doch auch ohne Opa und Dichterfürst im Familienstammbaum würden die beiden Schwestern in der Musikszene für Furore sorgen. Schließlich gehören die aus Atlanta, Georgia, stammenden und seit 2010 unter Larkin Poe auftretenden Künstlerinnen zum Besten und Talentiertesten, was die Roots- und Blues-Rock-Szene gerade zu bieten hat: sie schreiben klasse Songs, singen großartig (vor allem die jüngere Rebecca) und sie sind an ihren Instrumenten eine Wucht (brillant das Lap-Steel-Spiel von Megan).

Larkin Poe: elektrifiziert und elektrisierend

Man hört, man spürt, dass Larkin Poe bereits seit Kindheit an gemeinsam Musik machen, dass sie den Blues, den Folk, den Southern-Rock ihrer Heimat in ihren Genen haben. Bevor sie mit Larkin Poe auf Erfolgskurs gingen, versuchten sie es übrigens mehrere Jahre unter dem Namen "Lovell Sisters", als Akustik-Trio, bei dem auch die ältere Schwester Jessica mitmischte. Nach deren Ausstieg im Jahr 2009 schlugen Rebecca und Megan mit Larkin Poe das neue Kapitel auf - elektrifiziert und elektrisierend. Gute Entscheidung!

In den zehn Bandjahren kann Larkin Poe auf einen bemerkenswerten Output verweisen: Neben vier Alben und sechs EPS sind darunter auch Zusammenarbeiten mit Kristian Bush ("Southern Gravity"), Elvis Costello und Steven Tyler ("We're All Somebody From Somewhere") und verschiedene Tourneen (unter anderem mit Bob Seger und Keith Urban) zu nennen. Das kann sich hören lassen - und das gilt auch für ihr neues, ihr fünftes Album "Self Made Man".

Wer die beiden 29 beziehungsweise 31 Jahre alten Schwestern auf dem Cover von "Self Made Man" sieht, bringt Musik und Optik nur schwer zusammen. Das gilt jedenfalls gleich mal für den Opener und Titeltrack. Gut drei Minuten entfachen die zarten Ladies ein derartiges Phon- und Power-Gewitter, dass einem die guten alten Led Zeppelin in den Sinn kommen: rasierklingenscharfe Gitarrenriffs, tonnenschwere Beats, inbrünstiger Gesang, Energie ohne Ende. Im Gegensatz zu den Hard-Rock-Ikonen führen sie dem strammen Soundgebräu aber auch eine gute Prise Roots-Rock- und Blues-Elemente zu. Dafür ist vor allem Megan an ihrer Lap-Steel-Gitarre zuständig. Ihr flüssiges Spiel erinnert gleichermaßen an Duane Allman und Johnny Winter.

"Self Made Man" - eine weitere Grammy-Nominierung sollte gesichert sein

Damit sind auch schon die beiden Eckpfeiler des Larkin Poe-Sounds beschrieben. Blues trifft auf Roots-Klänge. Der leidenschaftliche, fast an Etta James erinnernde Gesang von Rebecca sorgt in Kombination mit den virtuosen Blues-Soli von Megan für hohen Wiedererkennungswert, für einen eigenen Larkin-Poe-Klang. Kein Wunder, dass die Schwestern für ihr letztes Album "Vernom & Faith" in der Kategorie "Best Contemporary Blues Album" für einen Grammy nominiert wurden.

In Songs wie dem mit Americana-Elementen aufgeladenen "God Moves on the Water", den eher ruhigen, auch mal mit Gospel-Tupfern versehenen Tracks wie "Danger Angel" und "Ex-Con" sowie dem gefälligen Country-Rock von "Tears of Blue to Gold" liefern sie gute Argumente für eine weitere Nominierung. Ein weiteres Glanzlicht der CD setzen sie in dem langsamen, reduzierten Titel "Back Down South", bei dem ihnen der junge Texas-Blueser Tyler Bryant zur Seite steht.

Weniger gelungen - da überladen, lärmig, zu viel auf einmal - fällt "Scorpion" aus, ein anstrengender Track. Auch weil man sich gerade vorher mit "Every Bird That Flies" fast vier Minuten lang entspannen konnte. In dem Southern-Blues-Rock-Song lässt Megan überdies orientalische Melodien in ihr Spiel mit einfließen - und erinnert damit schnurstracks an Derek Trucks von der Tedeschi Trucks Band. Kein Wunder, die beiden Acts haben eine ähnliche DNA. Und sie sind musikalisch auf Augenhöhe.

Fazit: Wer Larkin Poe noch nicht auf dem Zettel hatte, sollte unbedingt in "Self Made Man" reinhören: Roots- und Blues-Rock auf höchstem Niveau.

Label: Tricki-Woo (H'Art) VÖ: 12. Juni 2020
01 She's A Self Made Man
02 Holy Ghost Fire
03 Keep Diggin'
04 Back Down South (mit Tyler Bryant)
05 Tears of Blue to Gold
06 God Moves on the Water
07 Every Bird That Flies
08 Scorpion
09 Danger Angel
10 Ex-Con
11 Easy Street

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