Carrie Underwood - Carnival Ride

CD Cover Carrie Underwood - Carnival Ride
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
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Meine Gute, so ein süßer blonder Fratz ... Mit ihren 24 Jahren ist Carrie Underwood aber auch schon so etwas wie ein alter Hase im amerikanischen Musikgeschäft: 2005 gewann sie die Castingshow "American Idol", im gleichen Jahr erschien ihr Debüt "Some Hearts" und - als absolute Glanzlichter - durfte sich die aus Oklahoma stammende Sängerin im Februar 2007 über vier Grammys freuen. Darunter auch der hoch eingeschätzte "Best New Artist"-Award. Eine Karriere im ICE-Tempo, deren aktuelle Station "Carnival Ride" heißt.

Wie immer verrät das Cover schon eine ganze Menge über den Inhalt der CD: Das Mädel gibt auf dem Foto mit blonder Mähne, nackten Schultern und einem Glitzer-Top die junge Diva. Dass sie musikalisch dann kaum Roots-Country und Bluegrass serviert, dürfte von vorneherein klar sein. Vielmehr darf man, vor allem, wenn man ihr Debüt kennt, Klänge à la Faith Hill, LeAnn Rimes, Shania Twain und Martina McBride erwarten. Und - Bingo! Genau in diese Richtung geht es bei den 13 Titeln ihrer von Mark Bright produzierten zweiten CD.

Genau wie Faith, LeAnn & Co. bietet auch Carrie Underwood bei "Carnival Ride" eine weit gesteckte Bandbreite: von erdigem Countryrock bis zur Pathos getränkten Ballade - alles da. Den Auftakt der CD übernimmt die Brett James/Ashley Monroe-Komposition "Flat On The Floor". Ein enorm starker, fetziger, flotter, temperamentvoller Countryrocker, bei dem das zierliche Persönchen gleich mal ihre kräftige Stimme ins rechte Licht rücken darf. Der Titel bügelt überdies sämtliche Ressentiments und Vorurteile weg, die alle irgendwie von der vermeintlichen Unvereinbarkeit von gutem Aussehen und Talent handeln. Nein, nein, da kommt kein Zweifel auf, Carrie Underwood ist süß - aber sie hat auch was auf dem Kasten.

Davon berichtet auch das vermutlich biografisch eingefärbte "All-American Girl", bei dem die braunäugige Beauty auch als Co-Autorin auftritt. Ganz im Stile von Martina McBride schmettert sie ein -zwar reichlich naives - Liebeslied an ihre amerikanische Heimat. Ebenfalls als Autorin beteiligt ist Carrie Underwood beim nachfolgenden "So Small". Ein Titel, der mit seinem Pomp, Bombast, Pathos, mit seinen Geigen, Pauken und Trompeten eigentlich "So Big" heißen sollte. Wer Faith Hill bei der "Pear Harbour"-Hymne mochte, wird auch bei diesem Tränendrücker dahin schmelzen.

Auch die nächsten Titel erinnern in Arrangement und Interpretation an längst vertrautes, bewährtes Material: Die mit elektronischem Schnickschnack auf modern gepimpte Ballade "Just A Dream" und der ebenfalls mit angesagten Sounds ausgestattete Country-Popper "Get Out Of This Town" lassen an LeAnn Rimes denken, das in Las Vegas-Manier aufgeblähte "I Know You Won't" würde gut ins Repertoire von Celine Dion passen und bei dem kessen Country-Rock von "Last Name" war zweifellos Shania Twain Patin.

Andererseits sind diese Vergleiche ja fast unumgänglich. Denn an wem soll sich eine junge amerikanische Country-Sängerin schon orientieren, wenn nicht an diesen großen Namen? Wer jetzt mosert und nach einer eigenen Handschrift verlangt, sollte abwarten. Denn erstens bleibt der jungen Carrie Underwood zunächst nichts anderes übrig, als die Spielregeln des Business zu akzeptieren - und die lauten genauso, wie diese CD klingt - , zweitens steckt in der Sängerin trotz aller Von-der-Stange-Songs jede Menge Potential. Am deutlichsten wird dies in der im hinteren CD-Drittel versteckten Randy Travis-Komposition "I Told You So" - eine echt schmalzig-nostalgische Country-Ballade, in der Carrie Underwood ganz wie eine junge Tammy Wynette klingt. Wenn das nichts ist ...

Fazit: Carrie Underwood singt und lächelt sich zur nächsten großen Country-Pop-Diva. Dass dabei erdiger Country nur eine Nebenrolle spielt, versteht sich von selbst.

Label: 19 / Arista / Arista Nashville (Sony) VÖ: 26. Oktober 2007


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