Carrie Underwood - My Savior

CD Cover: Carrie Underwood - My Savior

Carrie Underwood legt mit "My Savior" ihr erstes Album mit Christian Music vor.

Carrie Underwood ist gerade sehr feierlich zumute. Nach ihrem kurz vor Weihnachten 2020 erschienenen Weihnachtsalbum "My Gift" kommt sie jetzt kurz vor Ostern mit einem Gospel-Album: "My Savior". Wer sich darauf einlässt, wird mit klingender Zuversicht belohnt.

Eine Frage vorab: Kann sich jemand an ein Gospel-Album erinnern, auf dem nicht eine Version von "Amazing Grace" zu hören war? Da haben wir's! Ich auch nicht! Und Carrie Underwood vermutlich auch nicht, deshalb setzt auch sie diese liebgewonnene Tradition fort und serviert den Gospel-Klassiker als letzten Track von "My Savior". Über die Melodie dieses spirituellen Evergreens muss man keine Zeile mehr verlieren.

Umso beachtenswerter aber ist ihre Version: völlig reduziert. Mit Akustik-Gitarre und einer Mundharmonika, später macht noch ein Klavier zurückhaltend mit. Und natürlich: ein überschaubarer Chor. Vor allem aber ist es die Stimme und der Gesangsvortrag von Carrie Underwood, der diesem schon Tausend Mal gehörten Song neues Leben einsingt. Nicht nur, dass sie fantastisch phrasiert und die Dynamik souverän dosiert - es ist auch diese totale Hingabe an das Lied, an den Text. Es besteht kein Zweifel, dass die glamouröse Carrie Underwood ihren Glauben mit Haut und Haar lebt.

Carrie Underwood lebt auf "My Savior" ihren Glauben

Vielleicht das auch schon die halbe Miete. Denn was gibt es Schlimmeres, als falsche Gefühle vorzutäuschen? Doch nicht mit dem blonden Superstar aus Nashville. Dem "People"-Magazin verriet sie, dass sie schon seit langem den Wunsch verspürt hat, ein christliches Album aufzunehmen. "Es war ein Segen, diese Musik zu machen", sagte sie. "Inspirierende Musik", die ihr am Herzen liege und die sie eigentlich schon zu Beginn ihrer Karriere singen wollte. Jetzt aber sei der perfekte Zeitpunkt für "My Savior" gekommen.

Wie bei einem Gottesdienst, bei dem erstmal der Organist in die Tasten greift, um zur Andacht aufzurufen, stimmt uns auch Carrie Underwood mit einem Instrumental-Song auf die nachfolgenden CD-Minuten ein: Mit "Jesus Loves Me" ein Klassiker der amerikanischen Liturgie, Jahrgang 1859. Wer die auf einer Mundharmonika geblasenen Eröffnungstöne hört, wähnt sich aber eher an einem Lagerfeuer als in einem Gotteshaus. Ein Nachteil ist das nicht. Trotzdem gibt der Opener schon mal eine Klangfarbe vor und lässt auf erdige, naturbelassene Töne schließen.

Man liegt mit der Einschätzung ziemlich richtig, wie sich schon im nachfolgenden "Nothing But The Blood of Jesus" zeigt. In der Komposition eines Pfarrers aus dem späten 19. Jahrhundert gibt es die Sängerin zunächst nur von einer Gitarre begleitet zu hören. Dem zaghaften Beginn folgt eine mit jeder Textzeile weiter anwachsende Dynamik - inklusive Bear Rinehart von der Band Needtobreathe als Background-Sänger. Das ist opulent und beeindruckend. Aber auch fordernd. So ist man dann auch froh über das nachfolgende "Blessed Assurance", wie der Rest der CD aus dem traditionellen, fast schon historischen Gospel- und Kirchenlieder-Katalogs stammend. Das Lied von Fanny Crosby, eine Art Songwriter-Star dieser Szene, gestaltet Underwood konsequent reduziert: Eine brave Akustik-Gitarre, eine Mundharmonika, eine - ihre - Stimme. Mehr nicht.

Carrie Underwood erklimmt höchste Ton-Sphären

Und mehr braucht es auch nicht. In dieser spartanischen Umgebung läuft Underwood zu absoluter Höchstform auf. Ihre Stimme ist präsent und prägend und so weit wie möglich vorne im Klangbild angesiedelt. Stimmt schon: Weniger ist einfach sehr häufig viel mehr. Beim Hören dieses superreduzierten Tracks muss man unweigerlich an die vielen, nicht selten überladenen Country-Pop-Songs von Carrie Underwood denken und daran, dass man sich die großartige Sängerin nicht nur bei Gospel-Songs gelegentlich in einem so minimalistischen Klangumfeld wünschen würde.

Ganz klar, es ist die Stimme dieser Ausnahmesängerin, die "My Savior" trägt und am Leben hält. Ihr gelingt es, diese salbungsvollen Kompositionen aus dem 19. Jahrhundert zu entstauben, um sie fit für die Neuzeit zu machen. Eine Meisterleistung! Deshalb fällt das Album musikalisch auch nicht so eindimensional aus, wie man bei einer Gospel-CD befürchten könnte: Mal hält sie lupenreinen Folk parat ("Just As I Am"), mal schmissigen Country-Blues ("Victory In Jesus") und bei dem inbrünstigen "Great is Thy Faithfulness" teilt sie sich das Mikrofon mit der Gospel-Königin CeCe Winans um gemeinsam in die höchsten Ton-Sphären aufzusteigen. Hallelujah!

Fazit: Gospel ist nicht gleich Gospel - wie Superstimme Carrie Underwood mit "My Savior" beweist. Der Superstar singt noch das bravste Kirchenlied zu einem Klangereignis. Alle Achtung!

Label: Capitol Nashville (Universal) VÖ: 26. März 2021
01 Jesus Loves Me
02 Nothing But The Blood of Jesus
03 Blessed Assurance
04 Just As I Am
05 Victory In Jesus
06 Great is Thy Faithfulness (mit CeCe Winans)
07 O How I Love Jesus
08 How Great Thou Art
09 Because He Lives
10 The Old Rugged Cross
11 I Surrender All
12 Softly And Tenderly
13 Amazing Grace

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