Carrie Underwood - Play On

CD Cover: Carrie Underwood - Play On

Das Studio-Album "Play On" von Carrie Underwood enthält die Grammy-nominierten Songs "Temporary Home" und "Mama's Song".

Ein drolliges, kleines Ding ist Carrie Underwood ja. Wie sie auf dem Cover von "Play On" so verträumt am (Frühstücks-)Tisch sitzt, Blümchen im Haar, den Blick vielsagend nach Nirgendwo gerichtet. Wenig Make-Up, gemütlicher Baumwoll-Cardigan, T-Shirt. Das alles soll eines sagen: Hey, Leute, ich bin eine von euch. Keine aufgebrezelte Country-Tussi, sondern ein kerniges, ehrliches Landmädel. Sollen wir ihr das glauben?

Zweifel sind erlaubt. Schließlich zeigte sich der blonde, schoko-äugige Gewinner der Castingshow "American Idol" (2005) bei ihrem letzten, vor zwei Jahren, erschienenen Album "Carnival Ride" als echtes Glamour-Girl. Als eine faltenfreie Version von Martina McBride, Faith Hill oder Shania Twian. Dass sie sich jetzt wieder mehr auf ihre erdigen Roots besinnt, sollte bei einer 26-Jährigen allerdings erlaubt sein. Zumal bereits mit ihrem Debüt "Some Hearts" ganze vier Grammys abräumte.

Auf "Play On" gibt es keine Kurskorrektur

Oft genug hält das Cover das optische Versprechen. Im Falle von "Play On" nicht unbedingt. Denn von einer musikalischen Kurskorrektur zugunsten einer entschlosseneren Country- oder zumindest Folk-Ausrichtung kann keine Rede sein. Schon der Opener, das reichlich debil betitelte "Cowboy Casanova", macht dies mit energischen Rock-Klängen mehr als deutlich.

Im nachfolgenden "Quitter" darf sich der geneigte Hörer wenigstens über etwas Banjo-Pling-Pling freuen - Melodie und Arrangement sind dennoch deutlich im Pop und Rock angesiedelt.

Das gilt leider für die meisten der 13 Titel der neuen CD. Bei gut der Hälfte aller Songs greift Carrie Underwood in die Kleenex-Box, um ihr Liebes- oder Lebensleid zu beklagen. Nicht, dass der süße Fratz zu tiefgehenden Emotionen nicht fähig wäre. Leider aber setzt sie bei ihren Balladen eindeutig auf die Ausdrucksformen des Pop. Lediglich bei "Someday When I Stop Loving You", "Look at Me" und beim finalen Titelsong lassen sich im Refrain Zutaten aus der Country-Küche ausmachen. Das ist mehr als schade. Denn gerade bei balladesken Songs kann das Country-Genre am überzeugendsten seine Trümpfe wie Tiefgang, Glaubwürdigkeit, Fiddle und Pedal Steel-Guitar ausspielen.

So setzen bei "Play On" die härteren Songs die Highlights: Titel wie das recht ungestüm rockende "Songs Like This" oder das eingängige "Unapologize", das womöglich als Antwort auf den Hit von One Republic ("Apologize") gedacht ist. Die beste Figur macht Carrie Underwood allerdings in "Undo It" - eine flotte, recht erdige Kreuzung aus Pop, Country und Blues. Da klingt sie fast so, wie sie auf dem Cover aussieht.

Fazit: Carrie Underwood hat die Glitzerfummel in den Schrank gehängt - musikalisch setzt sie auf "Play On" dennoch eher auf Pop und Rock, als auf Country.

Label: Arista Nashville (Sony) VÖ: 6. November 2009
01 Cowboy Casanova
02 Quitter
03 Mama's Song
04 Change
05 Undo It
06 Someday When I Stop Loving You
07 Songs Like This
08 Temporary Home
09 This Time
10 Look At Me
11 Unapologize
12 What Can I Say (mit Sons of Sylvia)
13 Play On

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