Eric Church - Carolina

CD Cover Eric Church - Carolina

Der 31-jährige Singer-Songwriter, geboren als Kenneth Eric Church, kehrt mit seinem zweiten Album zu seinem Ursprung zurück: er benennt den Silberling nach seiner Heimat (North) Carolina. Seit ca. fünf Jahren lebt und arbeitet der smarte Country-Sänger mit Uni-Abschluss in Marketing nun in Nashville – und hat sich ganz der Musik seiner hörbaren Vorbilder, wie George Strait, Johnny Cash und Dierks Bentley, verschrieben. Schon mit seinem Debütalbum "Sinners Like Me" von 2006 gelang es ihm, die traditionellen Alt-Country-Töne zu modernisieren. Er hat sich ganze drei Jahre Zeit genommen, an diesen ersten großen Erfolg mit einem zweiten Album anzuknüpfen. Qualität kommt für ihn dann doch vor Quantität.

"Carolina" wurde wieder von Arturo Buenahora, Jr. produziert. Mit Kenny Vaughn verstickt sich unter der Musikerliste noch eine weitere Nashville-Größe. Als Mischung von klassischem Country mit Pop- und Rock-Tönen gelingt ihm wieder die Modernisierung der traditionsreichen Stilrichtung. Er gibt sich auch ganz als der Singer-Songwriter: selbst das Booklet ist poetisch gestaltet. Während die Songtexte weiß auf schwarz in teilweise geschwungener Typo daher kommen, sind Zitate aus den Songs herausgepickt und stehen groß dazwischen. Damit scheint es, dass Eric wirklich etwas zu sagen hat.

Der Opener des Albums, "Ain't Killed Me Yet", ist ein absoluter Rock-Röhre-Song. Ein Lied über Liebeskummer und wie man selbst diesen überlebt. Der Beat ist flott; fette E-Gitarren lassen den Song wuchtig klingen. Perfekte Mischung aus Rock und Country.

Der zweite Song, "Lotta Boot Left To Fill", geht so weiter, wie der erste aufgehört hat: mit rockig deftigen E-Gitarren-Riffs. Allerdings nicht so massiv, eher an Blues-Rock erinnernd. Bei diesem Lied beweist Eric Church, dass er eine spitze Zunge haben kann: er prangert die Stars und Sternchen an, die als One-Hit-Wonder im Fernsehen produziert werden. Er vergleicht sie mit großen Namen wie Waylon und Hank und behauptet gar, Johnny Cash würde ihnen den Hintern versohlen, könnte er sie so hören. Ihnen fehle noch einiges, um in die Schuhe reinzuwachsen, die sie sich angezogen hätten. Bevor man ihm selbst mit dieser Aussage Überheblichkeit vorwerfen könnte – als Jungspunt so im Namen der großen Stars zu urteilen – schließt er sich in der letzten Textzeile mit ein; nimmt sich selbst somit vom hohen Ross und zeigt seine demütige Ehrerweisung.

Es gibt noch einige rockige Songs auf dem Album: "Young and Wild" erinnert als Country-Rock an Bruce Springsteen, ähnlich wie "Without You Here" und "Hell On the Heart" – flotte Country-Blues-Rock-Songs, die einfach Spaß machen. Ein echter Blues, der dann in rockigere Töne übergeht, ist "Smoke A Little Smoke". Mit mehrstimmigem Gesang und Fiddle im Hintergrund ist "Longer Gone" ein klassischerer Country-Song.

Trotz dieser großen Zahl von schnellen Rock-Songs, bleibt das Album nicht durchweg im uptempo. Es finden sich auch einige langsame, gefühlvolle, balladeske Nummern auf "Carolina"; wie z.B. "Love Your Love the Most", was 2008 als erste Single-Auskopplung erschien. Ein Liebeslied zu zartem Gitarren-Picking mit hinreißendem Text: eine Liebeserklärung an alle typischen Männer-Vorlieben: Fußball, ein schönes kühles Bier, Senf auf den Pommes, ein Song von George Strait, ein Truck und Jack D. in der Cola. Aber – so das Resümee des Liedes: er stellt ihre Liebe noch über alles andere. Das ist eine herzerweichende Liebeserklärung, bei der eine Frau schwach werden muss. Ähnlich gefühlvolle Country-Balladen sind "Where She Told Me to Go", was man schon fast als Duett zwischen Gesang und Steel-Guitar bezeichnen könnte, und "You Make It Look So Easy", der symphonisch-romantisch mit Streichern beginnt. Den Titelsong "Carolina" könnte man auch schon fast als Liebeslied im ruhigen Blues-Rock bezeichnen: allerdings ein Ausdruck seiner Liebe zu seiner – wenn auch hügeligen – Heimat.

Das Album endet mit einer großen Hommage an all jene, die ihm bisher in seinem Leben wichtig waren und auf seinem Weg geholfen haben. Zu Akustik-Gitarren ein sehr gefühlvolles Ende – was bleibt ist Gänsehaut.

Fazit: Eric Church bietet eine herrlich junge, moderne Version des immer noch klassischen Country, gemischt mit Rock und Blues – sowohl in schneller als auch in langsamer Ausführung. Hochachtung vor den Songwriter-Qualitäten (alle Songs stammen aus seiner Feder) in solch jungem Alter! Die Stimme klingt leicht nasal, hat Wiedererkennungscharakter – ist unterm Strich Geschmackssache. Ein durch und durch ausgewogenes Album für alle Fans des Country-Rock.

Label: Capirol Nashville (in Deutschland nicht veröffentlicht) VÖ: 24. März 2009
01 Ain't Killed Me Yet
02 Lotta Boot Left to Fill
03 Young and Wild
04 Where She Told Me to Go
05 Longer Gone
06 Love Your Love the Most
07 Smoke a Little Smoke
08 Without You Here
09 You Make It Look So Easy
10 Carolina
11 Hell on the Heart
12 Those I've Loved
vgw
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