Eric Church - Soul

CD Cover: Eric Church - Soul

Mit "Soul" legt Eric Church ein wahres Meisterwerk vor.

Mit Soul" schließt Eric Church seine "Heart"-"&"-"Soul"-CD-Trilogie ab. Natürlich mit neun Songs in angemessen hoher Qualität - bei denen schon mal Rock-Kaliber wie INXS und die Rolling Stones grüßen lassen.

So ein CD-Trio mit insgesamt 24 neuen Songs muss ihm erst mal einer nachmachen. Keine Frage, ist und bleibt der kreative Überflieger Nashvilles: Unberechenbar, immer für eine Überraschung gut und - auch das gehört zu seiner DNA - sich herzlich wenig um Konventionen und Gebräuche scherend, zieht der 43-jährige sein Ding durch. Man kann sich die Diskussionen um diese "Heart & Soul"-Trilogie in den Büros seiner Plattenfirma gut vorstellen: "Eric, das kannst du doch nicht machen ... drei Alben innerhalb eines Monats ... wie sollen wir die vermarkten? ... das ist zu viel auf einmal, wir wollen lieber nach und nach die Songs platzieren und promoten ..." Und so weiter und so fort. Es spricht für ihn und seinen Willen, dass er dieses künstlerische und kommerzielle Wagnis eingeht.

Eric Church zieht sein Ding durch - auch auf "Soul"

Das Risiko des Scheiterns lässt sich natürlich minimieren, wenn die Qualität des Materials stimmt. Wenn jede der drei CDs ausschließlich mit Songs der Premium-Klasse bestückt ist. Nach Durchhören dieser 24 Songs darf man getrost resümieren: so ist es auch! Nur Top-Songs, keine Flops an Bord. Das gilt selbstverständlich auch für den Abschluss seines klingenden Triptychons "Soul", für das er sich neun Songs zwischen Country, Country-Rock und erdigem Stones- und INXS-Rock aufbewahrt hat.

Für den Einstieg hält er mit "Rock & Roll Found Me" einen im Mid-Tempo angesiedelten Blues-Folk bereit. Ein Song, der unverkennbar autobiografische Züge trägt. Zu einer akustischen Gitarre berichtet er davon, wie er aufwuchs. Als kleines, mageres weißes Kind sei er die meiste Zeit "auf der falschen Seite der Straße" unterwegs gewesen. Genau wie sein Glaube und seine Kirche habe ihn auch der Rock 'n' Roll gefunden - und ihm schließlich seinen Weg geebnet. Eine Art Coming-of-Age-Story. Unverblümt, ehrlich und mit den typischen Wortbildern von Eric Church poetisch geschmückt.

Nach so viel Tiefgang darf es gerne etwas oberflächlicher werden. Wie bei "Look Good and You Know It". In dem mit souligem Motown-Beat, Chor und 60ies-Reminiszenzen aufgeladenen Track singt er - mit hitverdächtig starker Ohrwurm-Melodie - die altbekannte Weise: Frau bricht Mann Herz. Er will trotzdem cool erscheinen: Nein, das sind keine Tränen, ich habe nur etwas im Auge. Haha. Kennen wir schon. Aber keine Sorge, er wird den Kummer verschmerzen. Zumal er uns im nächsten Song schon das liebliche "Bright Side Girl" präsentiert.

Die Dame scheint es ihm angetan zu haben. Denn so romantisch hat man Eric Church wohl selten gehört. In dem ruhigen, akustisch instrumentierten Love-Song berichtet er davon, wie sie, dieses Girl, den dunklen Gedanken nachhängenden Sänger ein Licht aufweist. Wie sie Regenwolken verschwinden und die Sonne scheinen lassen kann. Klarer Fall von Liebes-Kitsch. Aber in tolle Harmonien gepackt und - erneut - großartig gesungen und eingespielt.

Auf "Soul" zitiert Eric Church auch mal die Rolling Stones

Dass sich selbst ein kreativer Wunderknabe wie Eric Church gelegentlich Inspirationen von außerhalb holt, zeigen zwei nachfolgende Tracks: "Break It Kind of Guy" klingt so sehr nach dem 1987er INXS-Hit "Need You Tonight", dass die Aussie-Rocker eigentlich dafür Tantiemen bekommen sollten. Doch egal. Der Song macht Laune und zeigt, dass Eric Church auch in jeder Rockband souverän bestehen könnte. Vielleicht sogar bei den Rolling Stones? Dieser Gedanke drängt sich jedenfalls beim Hören von "Where I Wanna Be" auf. Wer das grandiose Stones-Album "Black & Blue" noch im Ohr hat, wird sich an Titel wie "Cheery Oh Baby" erinnert fühlen. Nicht nur, weil auch "Where I Wanna Be" im dezenten Reggae-Metrum gehalten ist, sondern weil Eric Church hier singt, wie der leibhaftige Mick Jagger und sein Gitarrist dazu überzeugend den schrammelnden Keith Richards gibt.

Neben den zwei ruhigen Folk- und Country-Folk-Songs "Hell of View" und "Jenny" serviert er zum "Soul"-Ausklang noch zwei echte Song-Bretter: "Bad Mother Trucker" ist ein höllisch groovender Southern-Rocker mit fantastischer Slide-Gitarre und einem Refrain, den man immer wieder hören kann. Ein supercooler Track! Wie bei einem Live-Konzert hält auch Church für das Finale eine ruhige Nummer parat. Einen Song, der "Zugabe"-Rufe verstummen lässt, bei dem jede und jeder in der Halle weiß: "das war's". "Lynyrd Skynyrd Jones" heißt der wunderschöne akustische Folk-Song, mit dem sich Eric Church verabschiedet - und uns noch ein letztes Mal Einblicke in sein Leben und Seelenleben gewährt. Großartig!

Fazit: Mit "Soul" beendet Eric Church das CD-Trio "Heart" "&" "Soul" auf großartige Art und Weise: neun Song-Volltreffer vom genialen Sonderling aus Nashville.

Label: EMI Nashville (Universal) VÖ: 24. April 2021
01 Rock & Roll Found Me
02 Look Good And You Know It
03 Bright Side Girl
04 Break It Kind of Guy
05 Hell of a View
06 Where I Wanna Be
07 Jenny
08 Bad Mother Trucker
09 Lynyrd Skynyrd Jones

Anmelden