Lucinda Williams - Lu's Jukebox, Volume 2 - Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More

CD Cover: Lucinda Williams - Lu's Jukebox, Volume 2 - Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More

Lucinda Williams veröffentlicht den zweiten teil ihrer Lu's Jukebox-Reihe

Mit einer mehrteiligen CD-Reihe unterstützt Lucinda Williams die darbende Live-Szene. Nach dem Tom-Petty-Tribute macht sie jetzt einen musikalischen Schlenker nach Tennessee und Alabama: "Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More".

, die 68-jährige Country-Rockerin, mag eine raue Schale besitzen. Sie gibt sich schon mal ruppig, raunt und nölt in Songs wie eine angeheiterte Patti Smith und auch sonst scheint die dreifache (und 17-fach nominierte) Grammy-Gewinnerin mehr dem Punk als dem traditionellen Country zugewandt. Ist halt so. Ihre Entscheidung. Doch unter der Lederjacke pocht, so viel steht fest, ein weiches Herz. Deshalb hat die Künstlerin vor ein paar Monaten die "Lu's Jukebox"-Reihe gestartet. Eine CD-Serie, mit deren Erlös Lucinda Williams die darbende, um ihre Existenz ringende Live-Szene aktiv unterstützen möchte. Die Alben sind thematisch in "Tributes" oder in monothematische Schwerpunkte unterteilt. Angekündigt sind: ein Dylan- und Stones-Tribute, eine CD mit 60ies-Country-Songs, Ende des Jahres soll ein Weihnachts-Album kommen und bereits veröffentlicht ist "Runnin' Down A Dream - A Tribute to Tom Petty". Jetzt legt sie mit "Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More" nach.

"Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More" - Klassiker im neuen Gewand

Musikalisch ist damit auch schon der stilistische Rahmen gesteckt: Es geht um den Sound der 1960er und 70er Jahre. Eine Epoche, in der die Monolithen des Soul, des Blues und des Country für die Ewigkeit kreiert wurden. Eine Zeit, in der im Studio noch keine Computer für unbestechliche Präzision - und damit leider auch oft für akustische Kälte sorgten -, in denen es noch keine digitale Duplizierungsmöglichkeiten und in der man noch nichts von einer Optimierungssoftware wusste, die jeden falschen Ton ausmerzt. In den Studios von Memphis und in den in Alabama gelegenen Muscle Shoals Studios ging es vergleichsweise archaisch zu: Stars kamen und gingen, die Studiomusiker, wie die legendären "Swampers" in Muscle Shoals, spielten für alle und jeden mit unübertroffenem Feeling. Die analoge Bandmaschine lief mit. Fertig. So wurde damals Musikgeschichte geschrieben.

Und so ähnlich war auch der Ansatz von Lucinda Williams und ihren kompetenten Mitstreitern, als sie sich mit dem Grammy-gekrönten Produzenten Ray Kennedy ins Studio begaben: es wurde live aufgenommen. Alle zusammen, kein Track-by-Track. Alleine dieser Umstand lässt ein erdiges, nicht geglättetes Musikerlebnis erwarten - und, Bingo!, genau so klingt auch "Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More".

Für Spannung sorgt bei diesem CD-Titel freilich die Songauswahl. Schließlich entstanden in diesen grandiosen Recording-Tempeln Hunderte, ach was, Tausende großartiger Songs. Viele davon wurden zu zeitlosen Hits, zu Evergreens der Musik-Folklore. Doch Lucinda Williams ist keine Künstlerin, die sich ausschließlich bekannter Themen bedient, sondern mischt vertraute Songs, mit eher unbekannt gebliebenen Song-Perlen. Ein Mix, der Spaß macht und bei dem es tatsächlich auch einiges zu entdecken gibt.

Für den Auftakt aber wählt sie erst mal einen Titel, den so gut wie jeder Musikkonsument jenseits der 30 im Ohr haben sollte: "Games People Play". Joe South landete mit diesem melodisch gefälligen Song 1968 einen Grammy-veredelten Volltreffer - interessanterweise vor allem in Europa und in Südafrika (Platz 1). Warum? Weil South hier gegen Intoleranz und Rassismus ansang, was in den USA nicht gerade euphorisch gefeiert wurde.

Nicht ganz so geläufig dürfte dagegen schon das anschließende "You'll Lose a Good Thing". Den von Barbara Lynn geschriebenen und 1962 veröffentlichten Rhythm and Blues-Song packte Mitte der 1970er Jahre Freddy Fender in ein nettes Country-Outfit. Lucinda Williams gelingt es in ihrer Version, dem Track noch ein paar Punk-Elemente beizufügen. Die Sängerin und Songschreiberin singt dabei so lässig - man könnte auch sagen: nachlässig -, dass sich selbst Johnny Rotten von den Sex Pistols etwas abschauen könnte. Noch radikaler fällt ihr Vortrag sogar noch im anschließenden "Ode to Billie Joe" aus. Wie passend, den der Millionenseller von Bobbie Gentry aus den 1960ern erzählt eine düstere Südstaaten-Story von Suizid und Gleichgültigkeit. Harter Tobak, in großartigen Tönen verpackt - und von Lucinda Williams mit ihrer Band grandios bluesig und cool interpretiert.

Lucinda Williams vermählt klassischen Country und Soul mit der Rauheit des Punk

Das gilt auch für das extrem groovende "I Can't Stand The Rain". Im Gegensatz zur Tina-Turner-Version des Ann-Peebles-Klassikers fährt Williams hier keine Armada an Sounds und Instrumenten auf, sondern arbeitet - sparsam arrangiert und mit sessionhafter Lässigkeit - den Kern des Tracks heraus. Feine Leistung! Zu den weiteren Paradestücken von "Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More" gehören ihre sehr gefühlvolle Interpretation der Tony Joe White-Ballade "Rainy Night In Georgia", das wuchtig angelegte "Take Me To The River" aus der Feder von Soul-König Al Green, das schwermütig-soulige "Main Street Mission" und ihre Version des Soul-Meilensteins "You Don't Miss Your Water", das 1961 William Bell in den Stax-Studios in Memphis aufgenommen hat.

Ein paar Meilen nördlicher und ein paar Jahre später entstand "Misty Blue". Bob Montgomery hat den Song geschrieben, Wilma Burgess hat ihn 1966 in Nashville erstmals aufgenommen, gefolgt von Kollegen und Kolleginnen wie Billie Joe Spears, Dorothy Moore und Eddy Arnold. So wie sie alle, lässt auch Lucinda Williams in dieser, im Dreiviertel-Takt angelegten Country-Schmonzette ihren Gefühlen freien Lauf. Mit "Still I Long For Your Kiss", ihrem eigenen Song aus dem Jahr 1998, beendet sie den zweiten Teil ihrer "Lu's Jukebox"-Reihe. Und beweist damit, dass die Singer/Songwriterin in direkter Linie zu ihren berühmten und legendären Kolleginnen und Kollegen aus den 1960er und 1970er Jahren steht.

Fazit: Eine musikalische Reise in die 1960er und 70er Jahre: Auf "Lu's Jukebox, Volume 2 - Southern Soul: From Memphis to Muscle Shoals & More" interpretiert Lucinda Williams Klassiker aus dem Country- und Soul-Fach - lässig und cool, so wie man sie kennt.

Label: Highway 20 / Thirty Tigers (Membran) VÖ: 9. Juli 2021
01 Games People Play
02 You'll Lose a Good Thing
03 Ode to Billie Joe
04 I Can't Stand the Rain
05 Misty Blue
06 Main Street Mission
07 You Don't Miss Your Water
08 It Tears Me Up
09 Rainy Night in Georgia
10 Take Me to the River
11 Still I Long for Your Kiss
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