Justin Moore - Straight Outta The Country

CD Cover: Justin Moore - Straight Outta The Country
 

Justin Moore präsentiert mit "Straight Outta The Country" schnörkellosen, perfekt gemachten Country-Rock alter Schule

Für so manchen Nashville-Act reicht das musikalische Repertoire der Country Music längst nicht mehr aus. Da kommen gelegentlich Einflüsse aus dem Hard Rock genauso zur Geltung, wie Elemente aus HipHop oder Rap. Von Pop ganz zu schweigen. Das ist okay, das erweitert den klanglichen Horizont und das spricht ein Publikum an, das Country bislang nur mit zugehaltenen Ohren ertragen konnte. Dass es aber nicht unbedingt eine modifizierte Version des Genres braucht, beweist erneut Justin Moore. Mit den acht Songs seines neuen Albums "Straight Outta The Country" hält er zu jeder Note genregemäß Bodenhaftung - mit weitgehend traditionell arrangierten Tracks über das Leben, die Liebe und das Land.

Der Name ist Programm: "Straight Outta The Country"

Wer den 37-Järigen aus dem 300-Seelen Dorf Poyen, Arkansas, bei "We Didn't Have Much" singen hört, glaubt ihm jedes Wort. Es waren offenbar die kleinen Dinge, die für Justin Moore im Rückblick die große Wirkung entfalten: der Geruch von gebratenem Schinken auf Mutters Herd, das sonntägliche NASCAR-Rennen, der bellende Hund, die im Buch lesende Oma und der gute alte Don Williams im Radio. Paul DiGiovanni, Randy Montana und Moores' langjähriger Produzent und Wegbegleiter Jeremy Stover entfalten in dem Song ein glaubwürdiges Bild vom einfachen Landleben - verpackt in eingängige, im Stile des 90er-Jahre-Country gehaltene Melodien. Kurzum: klassischer Country. Nicht mehr und um keinen Deut weniger.

Mit welcher inneren Einstellung Justin Moore den Song eingesungen hat, bleibt natürlich sein Geheimnis. Ob er sich gerne an das simple Leben zurückerinnert hat? Wer weiß, vielleicht wünscht er sich insgeheim sogar, dass die Dinge - so wie damals - auch heute noch so unkompliziert wären? Fest steht jedenfalls, dass der auf Fotos meist treuherzig wie ein Dackel blickende Sänger und Songschreiber wirtschaftlich um Lichtjahre entfernt von diesem skizzierten Landleben ist. Laut dem Magazin "People With Money", dessen aktuellen Titel er gerade ziert, gilt er sogar als bestbezahlter Sänger des Jahres 2021. Unglaubliche 82 Millionen soll er in den letzten zwölf Monaten gescheffelt und damit sein Privatvermögen auf 245 Millionen Dollar angehäuft haben. Sicher, auch mit Musik. Aber angeblich auch durch kluge Aktien-Geschäfte, Immobilien, Sponsoring-Verträge, eigener Modelinie, Vodka-Marke ("Pure Wondermoore") und Restaurant-Kette ("Fat Moore Burger"). Clever, clever...

Das eine oder andere Milliönchen sollte aber auch "Straight Outta The Country" in seine Kassen spülen. Schließlich bietet er auf seinem sechsten Studio-Album und Nachfolger von "Late Nights And Longnecks" (2019) genau die Mischung, genau den Sound den Justin Moore-Fans von ihm erwarten: Ein Klang, der einerseits eingängig ist, der aber andererseits auch sehr druckvoll und rockig sein kann und bei dem gefühlsbetonte Momente nicht zu kurz kommen. Nach dieser bewährten Rezeptur ist auch "Straight Outta The Country" angelegt – was sich bereits in dem von Rhett Akins, Kelly Archer und Chris Stevens geschriebenen Opener zeigt: "Hearing Things" bietet straighten Country-Rock und ins Ohr gehende Harmonien. Ein Song, bei dem man sofort aus dem Büro eilen und irgendwo in der Natur chillen möchte. Das gilt auch für das noch rockiger angelegte, mit einem hervorragenden Gitarren-Riff ausgestaltete "Consecutive Days Alive", für das Casey Beathard, Monty Criswell und Jeremy Stover verantwortlich zeichnen.

Justin Moore bleibt sich und seiner Musik treu

Als dritten Song schicken Stover, Paul DiGiovanni und Scott Borchetta, die verantwortlichen Album-Produzenten, die erwähnte Rückschau "We Didn't Have Much" ins Rennen. Auch hier überzeugen Melodie, Text und Vortrag. Auch hier lassen die Country-Werte der 90er Jahre grüßen. Den Song, der gleichzeitig auch die erste Single-Auskopplung des Albums ist, präsentiert Moore auf dem Album übrigens ein weiteres Mal: als letzten Track in akustischer Version. Hier zeigt sich erneut, dass ein guter Song nur wenig braucht, um zu berühren. Im Zweifelsfall reichen eine Akustik-Gitarre und eine Stimme aus.

Bis die EP so ruhig ausklingt, serviert er noch die wehmütige Ballade "She Ain't Mine No More", den knarzigen, mit ZZ Top-typischen Blues-Rock-Gitarren-Riffs versehenen Titeltrack, die wuchtige Trinker-Ballade "You Keep Getting Me Drunk" und den herrlichen Akustik-Countrysong "More Than Me". Letzterer Track, den er gemeinsam mit Paul DiGiovanni, Chase McGill und Jeremy Stover schrieb, ist seiner Frau Kate und seinen vier Kindern gewidmet. Ein simples, unaufgeregtes, minimalistisch arrangiertes Liebesgeständnis an seine Familie – und damit vielleicht der ehrlichste Song der CD.

Fazit: Nur acht Songs - dafür aber acht klasse Songs! Justin Moore beweist mit "Straight Outta The Country", dass er zu den besten und überzeugendsten Neo-Traditionalisten im Country zählt. Anstatt auf Klimbim und aufgemotzte Sounds, setzt er auf solides Handwerk und traditionelle Klänge - und gewinnt auf ganzer Linie.

vgw
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Joschi antwortete auf das Thema:
4 Jahre 10 Monate her
Joschis Avatar
Hm also eigentlich sind es ja NUR 7 Songs und nicht 8, da das letzte eine Akustik Version von "We didn't have much" ........... OK ich weiß, KLUGSCHEISSER :-)

Aber mal abgesehen davon, seit ihr wirklich sicher das es sich um ein Album handelt und nicht um eine EP, bei NUR 7 Songs. OK Eric Church hat pro Album auch NUR 9 Songs, aber es ist ja auch nur 1 von 3 :-)

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