Travis Meadows - Killin' Uncle Buzzy (10th Anniversary Edition)

CD Cover: Travis Meadows - Killin' Uncle Buzzy (10th Anniversary Edition)

Zum 10. Geburtstag eine Wiederauflage: "Killin' Uncle Buzzy" von Travis Meadows hat nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren

Das Leben ist nicht gerecht. Ist es nie gewesen. Die einen, so scheint es wenigstens, haben alles: Geld, Talent, gutes Aussehen, Erfolg. Keine Skandale, keine menschlichen Untiefen. Alles im Lot. Immer. Und dann gibt es noch die anderen. Diejenigen, die den Verlockungen immer wieder erliegen. Das Leben - ein einziger Kampf. Und nicht selten geht es dabei ums nackte Überleben. Natürlich hat stets auch Nashville die gesamte Bandbreite des Schicksals ausgestellt: die goldglänzenden Überflieger, die traurigen Looser und diejenigen, die irgendwo dazwischen ihren Platz gefunden haben.

"Killin' Uncle Buzzy": Songs vom vierten Entzug

Viel hätte nicht gefehlt und Travis Meadows hätte man als gescheitertes Talent geführt. Als hoch veranlagt. Aber auch als extrem labil und unberechenbar. Mehrere Male hat er es versucht, trocken zu werden, den Drogen abzuschwören. Aber die Verlockungen des Rausches waren immer zu stark für den Mann aus Jackson, Mississippi. 2010 machte der Songschreiber seinen vierten Entzug. "Einer meiner Betreuer hat mir in der Reha empfohlen, ein Tagebuch zu führen", sagt Meadows, "daraus sind die Songs von 'Killin' Uncle Buzzy' entstanden."

Ein gutes Jahr später veröffentlichte der schonungslose Chronist seiner persönlichen Tragödie die zehn zu Songs gewordenen Selbsttherapie-Stunden von "Killin' Uncle Buzzy". Da sich die Erstveröffentlichung jetzt zum zehnten Male jährt, gibt es nun die Wiederauflage der CD - was eine gute Sache ist. Denn einerseits haben die Tracks nicht von ihrer Eindringlichkeit und Brisanz verloren. Andererseits hatte sicher nicht jeder Country- oder Americana-Fan damals das Album auf dem Radar.

Die Crème de la Crème des Nashville-Establishment indes schon. Das Album wurde heiß gehandelt, was sich für Travis Meadows mit lukrativen Song-Aufträgen ausbezahlt hat. Zu seiner Kundschaft zählten nunmehr Hochkaräter wir u.a. Dierks Bentley ("Riser"), Jake Owen, Hank Willliams Jr., Brandy Clark, Randy Houser und auch Eric Church, der gleich mehrere Meadows-Originale hitgerecht verarbeitete. Somit darf man davon ausgehen, dass Travis Meadows mit warmen Tantiemen-Regen wirtschaftlich gut versorgt ist.

Travis Meadows: Songs für Dierks Bentley, Eric Church, Jake Owen & Co.

Auch auf "Killin' Uncle Buzzy" findet sich der eine oder andere Track, der das Zeug für obere Charts-Gefilde hat. Klar ist vor dem Hintergrund der CD aber auch, dass man hier nicht auf Happy-Tralala-Songs hoffen darf. Ganz im Gegenteil. Schließlich beleuchtet der bei den Aufnahmen 45 Jahre alte Sänger und Songschreiber schonungslos sein Innenleben: seinen Kampf mit den Dämonen, seine Hoffnung, seine Verzweiflung. Schon alleine die Titel seiner Songs lassen erahnen, was Travis Meadows während seines vierten Entzugs alles durchgemacht hat: "Minefield", "It Ain't Fun No More", "Good Intentios", "It Gets Better", "Learning How To Live Alone". Der Musik kommt bei den vertonten Tagebucheinträgen die Rolle des Gehilfen zu. Sie vermittelt die Botschaft aber nicht nur, sie unterstreicht sie mit robusten, minimalistisch ausgestatteten Country-, Folk- und Americana-Klängen, stets mit sehr viel Luft zwischen den Noten. Akustik-Gitarren spielen dabei die Hauptrolle, ein paar Akkorde reichen meistens aus. So bleibt der Fokus auf den Lyrics - was sich bereits beim Opener "Minefield" und dem anschließenden, ähnlich aufgebauten und ähnlich hypnotischen "Grown Up Clothes" zeigt.

Seine emotionale Entzugs-Achterbahnfahrt spiegelt sich auch in den Songs: So packt er in das sehr laute und rockige "It Ain't Fun No More" seinen ganzen Frust und seine Wut, in das erleuchtete, mit melancholischen Melodien versehene "God Speaks" seine Hoffnung und seinen Glauben an die Liebe und in den rauen Folk von "Let It Go" findet er schließlich die Mitte der beiden Gefühlspolen.

Sein ungeschminkter Folk und Folk-Rock hat in den besinnlichen Songs seine besten Momente - in Titeln wie der leisen Roots-Ballade "It Gets Better" oder dem finalen und nach inneren Frieden klingenden "Learning How To Live Alone". Dass der Mann aber auch Country-Rocker wie Eric Church mit Songs bedienen kann, deutet er am besten in dem grandiosen Heartland-Rocker "Davidson County Police" an: solide, breitbeinig und bis in die letzte Note ehrlich.

Fazit: Kommerziell war "Killin' Uncle Buzzy" ein Flop - künstlerisch aber eine kleine Offenbarung: Für Travis Meadows war das raue, autobiografische Folk-Rock-Album dazu die Eintrittskarte in Nashvilles Songwriter-Szene.

Label: Earache (edel) VÖ: 30. April 2021
01 Minefield
02 Grown Up Clothes
03 It Ain't Fun No More
04 Good Intentions
05 Let It Go
06 God Speaks
07 It Gets Better
08 Davidson County Police
09 What We Ain't Got
10 Learning How to Live Alone

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