John Carter Cash - Pineapple John

CD Cover: John Carter Cash - Pineapple John
 

Auf seinem neuen Album "Pineapple John" präsentiert John Carter Cash ein Füllhorn an traditionellen, gleichermaßen aber auch unkonventionellen Country-, Folk- und Americana-Klängen. Daddy Johnny Cash wäre bestimmt stolz auf seinen Sohnemann.

Grammy-Gewinner John Carter Cash veröffentlicht sein neues Album "Pineapple John"

Für alle, die es nicht wissen sollten: John Carter Cash ist der Sohn von Johnny Cash und June Carter. Mehr Country-Gene gehen nicht. Dennoch ist der heute 55-Jährige, in Nashville geborene Star-Couple-Sohn, seit Karrierebeginn Mitte der 1980er Jahre eher im Hintergrund geblieben. Er hat sich als Buchautor und Schauspieler versucht und seine musikalischen Gehversuche brachten ihm zwar stets gute Kritiken aber keine echten Hits ein. John Carter Cashs Rolle war eher die eines Strippenziehers (z.B. bei dem Film "Walk The Line"). Vor allem aber machte er als Produzent auf sich aufmerksam, unter anderem. inszenierte er das Album "Wildwood Flower" seiner Mutter, das ihm einen Grammy einbrachte.

John Carter Cash: der Mainstream kann ihm egal sein

Finanziell muss sich John Carter Cash keine Sorgen machen. Wie es heißt, hat er - durch geschickte Geschäftsanbahnungen - das hinterlassene Vermögen seines Vaters verdreifacht. Rund 300 Millionen Dollar sollen auf der Habenseite zu Buche stehen. Ein schöner Batzen Kleingeld, der sicher hilft, die Dinge des Lebens etwas gelassener zu sehen. Auch die Musik. Banale Fragen, ob der Song oder das Album ein Hit wird, dürften Cash Junior nur am Rande interessieren. Okay, die Eitelkeit will bedient werden. Doch um einen gewissen Lebensstandard zu finanzieren, muss er sicher nicht in die Saiten greifen.

Er macht es trotzdem. Warum wohl? Vermutlich, weil es ihm Spaß macht. Weil er Musiker mit Haut und Seele ist. Oder einfach deshalb, weil er der Sohn seiner legendären Eltern ist. Vor dem Hintergrund seiner Biografie und seiner finanziellen Erfolgsgeschichte darf man davon ausgehen, dass er auf "Pineapple John" genau die Art von Musik macht, nach der ihm gerade zu Mute ist. Er hat jedenfalls alle künstlerischen Freiheiten. Als Betreiber des gut gebuchten, in Hendersonville, Tennessee, angesiedelten Cash Cabin Studios, verfügt er über geradezu ideale Produktionsvoraussetzungen.

Schon nach den ersten Takten von "Nekid Man (Pineapple John Prelude)" wird deutlich, dass man es hier nicht mit Mainstream-Ware zu tun hat: ein Spoken-Word-Track mit einem mystisch klingenden Damon Fielder am Mikro, untermalt von Hand Drum-Geplocke und Frog Percussion-Gequake, beigesteuert von John Carter himself. Ein bisschen Akustik-Gitarre und verträumtes Pfeifen noch - und fertig ist der absolut radio-untaugliche Americana-Track. So hörspielartig-schräg geht es zwar nicht weiter, doch der Faden wird im Verlaufe der 15 "Pineapple John"-Tracks gelegentlich weitergesponnen.

Erst aber weist der nachfolgende Titeltrack eine andere Klangnote auf: ein gut gelaunter Folk-Song mit jeder Menge Percussion-Elemente, Wurlizer-Klimpereien, Akkordeon und einer satten Prise sonniger Calypso-Vibes. Das anschließende "Sleeping with the Mermaid" zielt nicht nur in die gleiche Richtung. Der Titel erinnert in seiner überbordenden Ausgelassenheit und seiner skurrilen Gangart glatt an einen angeheiterten Frank Zappa auf Folk-Trip. Sehr unkonventionell, aber auch sehr süß!

"Pineapple John": eine Seefahrt die ist lustig. Zumindest machmal

Dass man es bei "Pineapple John" nicht mit einem Country-Allerweltsprodukt zu tun hat, deuten schon die versponnenen Song-Titel an: "Uncle Ben the Devil and the Deep Blue Sea" (köstliches Seemanns-Garn), "Ballad of Spider John", "Man Will Pray" (traditioneller Folk), oder "The Hole in the Bottom of the Sea" (leiser Folk mit Hörspiel- und Blockflöten Outro).

Als inhaltliche Klammer dient für mehr oder weniger alle 15 Tracks von "Pineapple John" die Seefahrt. Der Ozean, die Naturgewalt, das Ankommen auf einer Insel. So darf man "Pineapple John" durchaus als Konzeptalbum betrachten. Wohin die Seereise von John Carter Cash geht, wird auch klar, wie das süffige, jederzeit für eine Bacardi-Werbung taugliche "Jamaika Farewell" klar macht. Dass aber auch in der Karibik nicht immer die Sonne scheint, zeigt er in dem herrlichen, schon fast an ein Kinderlied erinnernden "Snow on the Sand" auf. Musikalisch aber deutlich spannender fällt das anschließende "Beckoning Melody" aus - eine waschechte Country-Perle, Pedal Steel inklusive.

Nachdem er im vorletzten Song erneut den Ruf der See vernimmt ("The Ocean Calling") lässt er im finalen "The Island Fair/Captain Jim's Drunken Dream/Carry On" noch ein monumentales, über siebenminütiges Epos zu Wasser. Ein, wie es der Titel schon ankündigt, Track aus drei verschiedenen Melodiebögen und Stimmungen, bei der eine ganze Horde an Musikern und Musikerinnen mitwirkten. Darunter Drummer Jerry Roe und kein Geringerer als Marty Stuart an der E-Gitarre. Stuart, das wissen bestimmt die meisten, war einst Musiker in Johnny Cashs Begleitband und - durch seine Heirat mit Cash-Tochter Cindy - zeitweise dessen Schwiegersohn.

Fazit: John Carter Cash ist sicher nicht der größte Sänger und Gitarrist unter der Sonne. Aber er hat Geschmack und Style - und Geld und gute Kontakte sowieso. Mit dem Album "Pineapple John" verwirklicht er seine Vorstellungen von seemännischem Folk und Americana.

vgw
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