Marty Stuart & His Fabulous Superlatives - Altitude

CD Cover: Marty Stuart & His Fabulous Superlatives - Altitude

"Altitude" ist wieder ein Meisterwerk von Marty Stuart And His Fabulous Superlatives

Manchmal ist der Job des CD-Rezensenten harte Kost. Die Musik ist mal banal, mal erkennt man weder Anliegen noch Aussage des Albums und ein anderes Mal - das kommt zum Glück selten vor - kann man mit Sound und Machart einfach nichts anfangen. Manchmal aber fällt einem der Job aber auch recht leicht. Da macht er sogar richtig Spaß, weil einen die Musik packt, weil die Musiker einfach grandios und der Sänger fantastisch sind oder weil es vor Witz und kreativen Einfällen nur so wimmelt. Alles das trifft auf "Altitude", das neue Album von Marty Stuart & His Fabulous Superlatives zu.

Überraschend ist das natürlich nicht. Denn gehört seit den frühen 1990er Jahren zu den originellsten und besten Stimmen (und Gitarristen) des damals auflodernden Country-Booms. Seine Songs waren immer ein kleines bisschen gegen den kommerziellen Strich gebürstet, hatten immer Ecken und Kanten und häufig einen schlauen Dreh. Vielleicht der Grund, warum er damals etwas im Schatten der New-Country-Granden Garth Brooks, Alan Jackson und Brooks & Dunn stand. Vielleicht aber ist das auch genau der Grund, warum dieser mittlerweile in Ehren ergraute 64-Jährige immer noch höchstes musikalisches Level anzubieten vermag. Und dass er immer noch richtig Spaß bei der Arbeit hat.

Die beste Band im Country: Marty Stuart & His Fabulous Superlatives

Das dürfte auch daran liegen, dass er nicht wie die meisten anderen, bei den Sessions auf die Fertigkeiten der Nashville-Session-Musiker vertraut. Nein, Marty Stuart hat eine, seine Band: His Fabulous Superlatives - und das sind keine Geringeren als Gitarrist Kenny Vaughan, Drummer Harry Stinson und Bassist Chris Scruggs. Drei meisterhafte Musiker und dazu, hörbar und live immer erlebbar, drei Brüder in Marty Stuarts Geiste. Dem Autor dieser Zeilen war es vor ein paar Jahren vergönnt, die Band beim C2C in London zu sehen. Es war: ein Erlebnis. Zu sehen, wie Marty Stuart nur mit einer winzig kleinen Mandoline und seiner Stimme 12.000 Zuschauer von den Sitzen reißt, ist schon beeindruckend. Eine Demonstration höchster Musikalität und unschlagbarer Performer-Qualitäten.

Doch auch auf Tonträger kann dieses Ensemble ihr Feuer entfachen. Gleich ab dem ersten Song, dem gut zweiminütigen Instrumental "Lost Byrd Space Train", zeigt das Quartett ihre ganze virtuose Klasse: ein fürwahr spaciger Country-Rocker mit Drive, Power und ein paar eingestreuten U-Boot-Funkpeilungs-Piepsern. Selbstverständlich hat die Combo nicht lange nach ihrem Kurs suchen müssen, schon im zweiten Track "Country Star" servieren sie erneut einen Country-Rocker der Extraklasse - inklusive köstlich ironischer Textzeilen und einiger wunderschönen, weil überraschender Harmonie-Wendungen. Eine kleine Überraschung bietet auch der nächste Track: "Sitting Alone" erinnert nicht nur im Gitarre-Intro an die guten, alten Beatles und verweist damit in den Beat-Sound der Sixties. Aus dieser Ära könnte auch das nachfolgende "A Friend of Mine" entstammen. Der spannungsgeladene Track speist sich gleichermaßen aus Beat, klassischem Rock 'n' Roll und Country. Ein cooler Song, der sich auch gut auf jedem Tarantino-Soundtrack machen würde.

"Altitude": wieder ein Meisterwerk von Marty Stuart

So wendungs- und abwechslungsreich geht's weiter: "Space" wird seinem Namen mit coolen Sound-Effekten und abgefahrenen Sitar-Klängen absolut gerecht, im Titeltrack serviert der frühere Johnny Cash-Sideman klassischen Country (bis zur überraschenden Akkord-Progression im Finale) und bei "Vegas" lassen nicht, wie zu erwarten, King Elvis, sondern die Byrds grüßen. Kein Wunder, denn Marty Stuart & His Fabulous Superlatives gingen 2018 mit den Byrds-Gründungsmitgliedern Roger McGuinn und Chris Hillman auf Tour. Dieses Klangerlebnis habe abgefärbt, sagt Marty Stuart: "Das Byrds-Album "Sweetheart of the Rodeo" war meine musikalische Blaupause. Auf dieser Tour hat es mich wieder in seinen Bann gezogen und ich schrieb ständig neue Songs, im Bus, in der Umkleidekabine, beim Soundcheck."

Neben der erneut an die Beatles erinnernden, mit großem Besteck eingespielten Ballade "The Sun is Quietly Sleeping" lässt die Band gegen Ende der CD an die Stones denken: "Tomahawk" erinnert an den Drive von "It's All Over Now" und das super-temperamentvolle, bestens geölte "Time to Dance" lässt an "Exile On Main Street" denken. Bevor es zum Ausklang noch den Epilog des Openers gibt, schlägt Stuart noch einmal akustische, gefühlvolle, ja, durchaus, romantische Töne an: "The Angels Came Down". Nur Akustik-Gitarre, Stimme, ein wunderbarer Text und - mittendrin - ein Engelchor. Top!

Fazit: "Altitude" heißt Höhenlage - und die ist bei Marty Stuart & His Fabulous Superlatives wieder mal schwindelerregend hoch. Ein hervorragendes Album!

Label: Superlatone / Snakefar, / Integral (roughTrade) VÖ: 19. Mai 2023
Disk 1
01 Lost Byrd Space Train (Scene 1)
02 Country Star
03 Sitting Alone
04 A Friend of Mine
05 Space
06 Altitude
07 Vegas
08 The Sun is Quietly Sleeping
09 Lost Byrd Space Train (Scene 2)
10 Night Riding
11 Tomahawk
12 Time to Dance
13 The Angels Came Down
14 Lost Byrd Space Train (Epilogue)
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Harald antwortete auf das Thema:
10 Monate 1 Woche her
Haralds Avatar
Auf Grund des Wahnsinnskonzerts von Marty letztes Jahr in Gstaad habe ich mir jetzt das neue Album angehört. Und bin eigentlich enttäuscht. Für mich ist das nur eines von vielen Mainstreamalben aus Nashville, die zwar nicht schlecht sind, aber einen auch nicht wirklich vom Stuhl reißen.
Das ist die Meinung von
Harald

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