Jason Aldean - Highway Desperado

CD Cover: Jason Aldean - Highway Desperado
 

Jason Aldean macht mit "Highway Desperado" das Dutzend voll

Das muss ihm erst mal einer nachmachen: Jason Aldean hat es in den letzten Wochen doch glatt in die wichtigsten deutschen Nachrichtenmagazine geschafft. Nein, nicht weil der 1977 in Macon, Georgia, geborene Sänger so ein begnadeter Künstler wäre. Vielmehr hat sein aktueller Hit "Try That in a Small Town" für einen handfesten Skandal gesorgt.

Die Wellen, die der Song schlug, haben sich immer noch nicht ganz beruhigt - und auch die Fragen, ob der Track rassistisch sei und gar zur Selbstjustiz aufrufe, sind nicht gänzlich beantwortet.

Geschadet hat ihm der Wirbel um den Track aber nicht. Ganz im Gegenteil. "Try That in a Small Town" avancierte zu seinem bisher größten Treffer: Platz eins sowohl in den Country- als auch in den US-Hot 200-Charts belegen den uralten PR-Spruch, wonach "bad news" auch "good news" wären. Die nunmehr geweckte Aufmerksamkeit nutzt Jason Aldean und legt mit "Highway Desperado" sein mittlerweile zwölftes Album vor. Ob es ähnlich wie die Single in den Hitparaden einschlagen wird? Kann sein. Zumindest die Country-Charts wird der bekennende Redneck vermutlich mit seinem typischen Jason-Aldean-Sound aufmischen.

"Highway Desperado": Der nächste Hit für Jason Aldean?

Ein Klang, den er in den letzten Jahren kultiviert, verfeinert und zu so etwas wie seinem Signature-Sound gemacht hat. Zu den Zutaten eines typischen Jason-Aldean-Songs gehören meist eine etwas düstere, geheimnisvoll-gefährliche Atmosphäre. Harte Gitarren-Riffs, brachiale Drum-Grooves und ein Gesang, in dem es nicht an Testosteron mangelt, sind Eckpfeiler im Arrangement. Kann man mögen, muss man nicht mögen. Fest steht aber, dass er sich mit dieser sehr eindeutigen Positionierung einen festen Platz in der Nashville-Gemeinde sichern konnte - und dazu ein ganz klar definiertes Zielpublikum.

Witzigerweise adressiert er im Opener "Tough Crowd" diese gleich mal: Sie besteht, so behauptet er es jedenfalls in dem wuchtigen Country-Rocker in 80er-Jahre-Manier, aus "tätowierten Girls, Typen mit Cowboy-Hüten und Soldaten". Wer behauptet, Jason Aldean möchte mit seiner Musik vor allem konservative Trump-Sympathisanten ansprechen liegt da sicher nicht falsch. Das ist legitim. Und wirtschaftlich sicher nicht dumm, schließlich ist das - Pi mal Daumen - rund die Hälfte der nordamerikanischen Bevölkerung.

Linientreue Konservative spricht er bestimmt aus der Seele, wenn er von seiner "Shotgun" schwärmt und als "Highway Desperado" bestimmt nicht mit einem E-Mobil, sondern mit einem 12 V Pickup unterwegs ist. Dennoch ist "Highway Desperado" kein politisches Album. Bis auf "Try That in a Small Town", "Tough Crowd" und dem Titelsong nimmt sich Jason Aldean im Grunde nur drei Themenkomplexe vor: die Liebe, den Suff und die Kombi davon. Allerweltsthemen also. Nichts, das polarisieren könnte und schon gar nichts, was auch nur den Hauch eines Skandals provozieren könnte.

Jason Aldean setzt auf ein eingespieltes Songwriter-Team

Wer sich die 14 Tracks von "Highway Desperado" durchhört, macht zum einen den erwartbaren Mix aus rabiatem Country-Rock und gefühlsbetonten Tracks aus. Zum anderen lässt sich ein roter Faden ausmachen - die Songs ähneln sich in Machart und Umsetzung schon deutlich. Doch wen wundert's? Schließlich setzt Aldean beim Songwriting der 14 Tracks auf ein eingespieltes, im Kern aus Tully Kennedy, Kurt Allison und John Morgen bestehendes Team. In den meisten Songs haben diese drei - plus weitere Autoren - ihre Komponistenfinger im Spiel. Dass sich da Harmoniewendungen und Melodieführungen ähneln, ist fast logische Konsequenz. Am auffälligsten zeigt sich das in der Albummitte, in aufeinanderfolgenden Songs wie "Whiskey Drink" und "Whose Rearview". Zwei, sowohl stimmungsmäßig als auch in Punkto Harmonieführung verwandte Country-Rock-Tracks. Beide: solide Wertarbeit. Mehr aber auch nicht.

Weitaus stärkere Momente halten die Balladen parat. Songs, wie "Hungover in a Hotel", "Get Away From You" und das mit hippen Sounds und einem tollen Refrain garnierte "I'm Over You" weisen den Rabauken als verletzlichen Sänger mit emotionalem Tiefgang aus. Ob Jason Aldean gerade eine privat schwierige Zeit durchmacht, ist nicht überliefert. Ahnen könnte man es. Schließlich verhandelt er die Themen Trennung und Trennungsschmerz sehr überzeugend und glaubwürdig. In die gleiche Kerbe schlägt auch das wehmütige, im Refrain auf klassische Country-Motive zurückgreifende "Rather Watch You" - ein Highlight der CD. Ein weiteres setzt "Changing Bars". Ein unspektakulärer, eher konventionell gestrickter Country-Song mit sehnsüchtiger Note. Hier zeigt sich, um welch´ künstlerisches Kaliber es sich bei dem Skandal umrankten Jason Aldean im Grunde handelt.

Fazit: Kein politisches, sondern ein eher konventionelles Album: Jason Aldean serviert auf "Highway Desperado" Country-Rock mit Redneck-Vibes - plus gelungener Balladen.

vgw
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