Cody Johnson - Leather

CD Cover: Cody Johnson - Leather
 

Mit seinem neuen Album "Leather" knüpft Cody Johnson genau da an, wo er mit seinem letzten Album aufgehört hat

Ein Sound, der mal in die Beine geht, ein anderes Mal zu Herzen. Und für den Kopf hält der Sänger aus Huntsville, Texas, auch den einen oder anderen Track bereit. Doch beginnen wir, bevor wir die zwölf Titel seines fünften Albums unter die Lupe nehmen, mit dem Cover:

Selten sah man ein so starkes, so bildgewaltiges und dazu so wahrhaftiges Titelmotiv. Es zeigt in Nahaufnahme die tätowierten, haarigen, blutverschmierten Hände des Sängers. Hände, die harte Arbeit offensichtlich gewohnt sind und die vermutlich auch noch nie ein Manikürstudio von innen gesehen haben.

Cody Johnson: Cowboy von echtem Schrot und Korn

Diese Hände hat sich Cody Johnson redlich verdient und erarbeitet. Schließlich war er, bevor er sich 2014 mit seinem Debüt-Album "Cowboy Like Me" anschickte, in Nashville Karriere zu machen, ein Bullenreiter. Er kennt die Dinge des Cowboy-Lebens also nicht nur vom Hörensagen, er lebte sie. Und er lebt sie immer noch. Wenn er mal nicht im Studio oder auf Tournee ist, reitet und trainiert er Pferde und züchtet Rinder.

Diese Authentizität kommt selbstverständlich gut bei der Country-Gemeinde an - wie seine Hitbilanz belegt: alle bislang erschienenen Alben erreichten die Country-Top-10, seine letzten drei sogar die Plätze zwei, eins und drei. Erstaunlicherweise zündet sein sehr am Country-Sound der 1990er Jahre orientierter Stil auch in den amerikanischen Pop-Charts. "Ain't Nothin' to It" (aus dem Jahr 2019) belegte einen sensationellen neunten Platz, für sein letztes Werk, das 2021 erschienene "Human: The Double Album" reichte es immer noch für einen beachtlichen 19. Rang. Beide Alben wurden dazu mit Gold-Status versehen. Respekt!

Und Respekt kann man dem erdigen, kernigen Sänger, Jahrgang 1987, auch nur für sein neues Album "Leather" zollen. Vor allem aus einem Grund: Es serviert pure, echte, schnörkellose und dazu zu hundert Prozent authentische Country Music. Mal rockt der Mann, ein anderes Mal ist er Liebeskrank, dann wieder bekämpft er seine inneren Dämonen, um im nächsten Track - wie Phönix aus der Asche - Hymnen über seine texanische Heimat oder die Country-Musik auszustimmen. Jedes Gefühlsregister wird gezogen. Und jedes Mal in erstaunlicher Qualität.

Schon der Opener "Work Boots" gelingt perfekt. Ein Titel, der beim Hörer das emotionale Barometer um ein paar Nuancen in Richtung "gute Laune" pusht - und gesungen mit einer etwas rauen, dennoch einfühlsamen Stimme, die gelegentlich an Tim McGraw erinnert. Der Ode an die Arbeitsschuhe folgt "Double Down", ein zunächst spröder, sehr zurückhaltend arrangierter Song, mit sehr viel Luft zwischen den Noten. Eine Dobro spielt in den Strophen die erste Geige und verströmt Americana-Feeling, bis im Refrain die Zügel angezogen werden: Es rockt, und zwar ganz ordentlich. Ein herrliches Gitarrensolo sorgt für die Kirsche auf der Sahne.

"Leather" - ein stimmiges Synonym für das Cowboy-Leben

Mit "Watching My Old Flame" beweist der stämmige Cowboy, dass ein sensibles Herz unter seinem Jeanshemd pocht. Keine Frage, er kann Ballade. Ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken und mit erfreulich wenig Studio-Pathos arrangiert, erzählt er uns die bittere Geschichte, wie es ist, die Ex mit ihrem Neuen zu sehen. Ein Rührstück mit viel Gefühl und null Kitsch. Ein echter Texaner lässt sich natürlich nicht so schnell unterkriegen. Das belegt er in dem Track "That's Texas", ein sehr flotter, mit einigen instrumentalen Highlights garnierter Texas Swing der Güteklasse A.

Im Premium-Segment sind auch die weiteren Songs angesiedelt: Die Balladen "Dirt Cheap" und "Jesus Loves You" (von u.a. HARDY geschrieben), das berührende, gemeinsam mit Jelly Roll angestimmte "Whiskey Bent", das stadiontauglich rockende "People in the Back", der federleichte Roots-Country-Track "The Painter" oder das ganz rustikal-akustisch gehaltene "Make Me a Mop". Zu diesen klasse Tracks gesellen sich dann noch zwei weitere absolute Glanzlichter: zum einen das herrlich im 90ies-Style angelegte Duett mit Brooks & Dunn "Long Live Country Music" und der von Ian Munsick, Rivers Rutherford und Jeremy Spillman geschriebene Titelsong. "Leather", Leder, steht als Synonym für einen, für seinen Lebensstil. "Alles, was mit einem Cowboy zu tun hat", verriet er in einem Interview, "hat auch mit Leder zu tun. Leder ist erst steif und rau und mit der Zeit wird er weich, aber auch doppelt so hart. Darum geht es in diesem Song."

Fazit: 100% Country Music - interpretiert von einem 100%igen Cowboy: Mit "Leather" legt Cody Johnson ein perfektes Country-Album ohne Schwächen hin.

vgw
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