Tyler Farr - Suffer In Peace

CD Cover: Tyler Farr - Suffer In Peace
 

Vergleicht man ihn mit einigen seiner braven und manchmal gar aalglatten Kollegen, könnte man Tyler Farr fast schon in die Kategorie "Bad Boy" stecken. Nein, der 31-jährige Country Musiker zettelt keine Schlägereien an oder verbringt seine Wochenenden im Knast. Aber er ist zweifelsohne das, was man gerne als "kernig" bezeichnet. Der liebe Alkohol ist nur allzu oft ein Thema in seinen Liedern, und wenn ihn seine Freundin betrügt, dann wird der bullige Kerl auch schon mal "Redneck Crazy" (sein bislang größter Hit). Kalkül? Vielleicht ein bisschen, doch eigentlich gibt sich der Mann aus einem 1.600-Seelen-Nest im US-Bundesstaat Missouri einfach nur so, wie er eben ist. Und so hat auch sein neues, mittlerweile zweites Album namens "Suffer in Peace" viel ehrliche Kost zu bieten.

Entgegen seines typischen Stils eröffnet Tyler Farr den Reigen jedoch mit einer rotzigen Hillbilly-Nummer namens "C.O.U.N.T.R.Y.", die so richtig schön sumpfig vor sich hin scheppert. Nach diesem etwas unerwarteten Auftakt lässt die Verwunderung merklich nach, wenn die ersten Takte von "A Guy Walks Into a Bar" ertönen. Da ist er wieder, der typische Tyler-Farr-Sound. Mittleres Tempo, durchgestrichene Akkorde, satte Melodien - und dann diese ultrarauchige Stimme, die so viel Emotion rüberbringt. Das ist nicht nur stimmig, sondern auch radiofreundlich. Kein Wunder also, dass "A Guy Walks Into a Bar" zur Vorabsingle auserkoren wurde, und momentan auf Platz 7 der Billboard Hot Country Song Charts liegt.

Ähnlich erfolgreich könnte auch "Withdrawals" werden, der vielleicht stärkste Song des Albums. Was als Ballade beginnt, gewinnt durch einige Gitarrensalven an Würze, bevor das Lied ab dem ersten Refrain so richtig durch die Decke geht. Packend, emotionsgeladen, und einfach saustark! Doch trotz dieses Höhepunkts hat Farr noch mehr Asse um Ärmel, wie sich schon bei "Damn Good Friends" zeigt. Die großartig inszenierte und gnadenlos eingängige Midtempo-Nummer könnte auch getrost als modernisierte Version des Tracy Lawrence Klassikers "Find Out Who Your Friends Are" bezeichnet werden. Und wenn dann in der zweiten Strophe yours truly Jason Aldean als Special Guest zum Mikro greift, ist nach oben kaum noch Spielraum.

Aber zumindest halten kann man das hohe Niveau ja, und das gelingt Farr mit dem Titeltrack "Suffer in Peace" voll und ganz. Es geht um das ewige Thema einer gescheiterten Beziehung. Der Protagonist möchte einfach nur mit den notwendigsten Utensilien (Hund, Bibel, Gitarre, Angel, Gewehr) in eine einsame Hütte entfliehen, um dort in Frieden leiden zu können, um bei der wörtlichen Übersetzung zu bleiben. Klingt arg pathetisch, doch Farr packt mit seinem herrlichen Reibeisen so viel Gefühl in den Song, dass man ihn einfach mögen muss. So schön kann Traurigkeit sein.

Die erste Hälfte des Albums kann man also schon einmal als Volltreffer abhaken, und wer nun einen drastischen Qualitätsabfall befürchtet, erlebt eine positive Überraschung. "Raised to Pray" und später auch "Poor Boy" setzen auf altbewährte Muster und überzeugen mit wohl dosierter Dynamik. "Criminal" entpuppt sich als ansprechender Pop-Rock-Cocktail, wie er momentan in Nashville angesagt ist. Auch die Gute-Laune-Schiene wird mit dem lässigen "Better in Boots" bedient. Eine weitere gelungene Power-Ballade zum Thema Herzschmerz liefert "I Don't Even Want This Beer", bevor es mit "Why We Live Here" patriotisch wird. Im letzten Song besingt Farr das gute Leben in den USA, und alle essentiellen Themen werden verarbeitet. Der Charakter der Menschen, die Opfer, die die Angehörigen des Militärs bringen, Sport, und eiskaltes Bier. Neu ist das alles natürlich nicht, aber ein gern gesehener Bestandteil eines guten Country Albums. Und das ist "Suffer in Peace" allemal.

Fazit: Während manche Künstler nach ihrem Debütalbum in ein Loch fallen, legt Stimmbandwunder Tyler Farr mit "Suffer in Peace" einen mehr als würdigen Nachfolger für "Redneck Crazy" hin. Besonders die Songs 2-5 des neuen Silberlings sind allererste Sahne, ohne den verbleibenden Stücken die Qualität absprechen zu wollen (oder zu können).

vgw
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