Marshals

Marshals

"Marshals" ist eine amerikanische Neo-Western- und Polizeiserie, die von Spencer Hudnut entwickelt wurde. Die Serie ist sowohl ein Spin-off als auch eine Fortsetzung von Yellowstone (2018–2024) und die vierte Fernsehserie im Yellowstone-Franchise. Darsteller sind Luke Grimes, Brecken Merrill, Mo Brings Plenty und Gil Birmingham, die ihre Rollen aus Yellowstone wieder aufnehmen, sowie Logan Marshall-Green, Arielle Kebbel, Ash Santos und Tatanka Means.

Filmplakat: Marshals
 

Mit "Marshals" wird die Yellowstone-Geschichte weitererzählt

Das Serienfinale von "Yellowstone" markiert eine wohltuende Ausnahme eines Trends, der in den letzten Jahren Serienfans in den Wahnsinn getrieben hat. Während viele Produktionen der letzten Jahre trotz engagierter Fangemeinde oftmals vorzeitig abgesetzt wurden, gelang es der Neo-Western-Saga, ihre Erzählbögen über fünf Staffeln hinweg zu einem geplanten Abschluss zu führen. Dass der unter Umständen ein bisschen forciert wurde, da Hauptdarsteller Kevin Costner wegen seines eigenen Westernepos "Horizon" nicht mehr zur Verfügung stand oder einfach keine Lust hatte… Es spielt keine Rolle, denn in einer Ära, in der Streaming-Dienste und Networks zunehmend datengetrieben entscheiden, ist ein solch "würdiges Ende" keine Selbstverständlichkeit mehr.

Zum Vergleich lassen sich Serien wie "Westworld" oder "1899" heranziehen. Beide Produktionen verfügten über eine loyale Anhängerschaft und komplexe mythologische Ansätze, erreichten jedoch offensichtlich nicht die notwendige Resonanz, um die hohen Produktionskosten langfristig zu rechtfertigen. Sie wurden eingestellt, bevor die übergeordneten Geschichten zu Ende erzählt waren, was bei den Zuschauern oft ein Gefühl hinterließ, nicht mehr ernst genommen zu werden. Es ist ein wiederkehrendes Muster: Zuschauer investieren Zeit und emotionale Bindung in komplexe Charaktere und über mehrere Staffeln aufgebaute Handlungsstränge, nur um dann mit einem abrupten Ende konfrontiert zu werden, das eher einer betriebswirtschaftlichen Entscheidung folgt als einer dramaturgischen Notwendigkeit. "Yellowstone" hingegen erfüllt den Anspruch, die erzählte Geschichte zu einem logischen Ende zu bringen. Die Geschichte ist aus. Ende. Fertig.

Yellowstone Spin-off

Hahahaha, nein natürlich nicht, denn ein Pferd wird erst dann in Lasagne verwandelt, wenn es auf dem Acker tot zusammenbricht. "Yellowstone" hat durch sein Ende ja eine Hintertür für eine Fortsetzung offengelassen. Also eigentlich mehrere Hintertüren. Aber da ist diese eine Tür, auf der der Name Kayce Dutton (dargestellt von Luke Grimes) steht. Als jüngster Sohn von John Dutton war er im Vergleich zu seinen Geschwistern Beth und Jamie am wenigsten durch den Machthunger des Familienoberhaupts korrumpiert. Geprägt durch seine Zeit als Navy SEAL und seine Ehe mit Monica, einer Angehörigen des Broken-Rock-Reservats, verkörpert Kayce einen tiefsitzenden inneren Konflikt. Er ist fähig zu extremer Gewalt, wenn es um den Schutz seiner Familie geht, verabscheut jedoch die moralisch fragwürdigen Methoden seines Vaters. Seine militärische Vergangenheit macht ihn zu einem pragmatischen Strategen, während seine emotionale Verbundenheit zu Monica und seinem Sohn Tate ihn menschlich hält.

Er ist ein Mann der wenigen Worte, dessen Handlungen oft schwerer wiegen als seine Aussagen. Man könnte ihn den moralischen Kompass der Originalserie nennen, den einen sympathischen, guten Charakter, der im Grunde nur ein gutes, anständiges Leben führen will. So ist die Tatsache, dass er die Geschehnisse des Serienabschlusses übersteht und letztlich sogar das Erbe der Duttons sinnbildlich zu Grabe trägt, in dieser fast sanften Form bemerkenswert. Kayce Dutton wird ein normaler Rinderzüchter. Er mag den Namen noch tragen, der das Werden des Landes fast 150 Jahre lang maßgeblich bestimmte. Aber das ist Geschichte. Die neue Serie setzt einen unbestimmten Zeitraum nach den Geschehnissen des Abschlusses von "Yellowstone" ein.

Drama in "Marshals"

Das Leben hat es mit Kayce nicht gut gemeint. Monica ist tot. Seine Rinderzucht läuft mehr schlecht als recht. Kayces Verhältnis zu Tate ist angespannt. Immerhin Chief Thomas Rainwater (Gil Birmingham) schätzt Kayce nach wie vor. Er hat dem Reservat das Land geöffnet und damit so etwas wie eine Zukunftshoffnung erschaffen. Eine Hoffnung auf Prosperität für den gesamten Stamm. Kayce bereut diesen Schritt nicht. Es war richtig.

Dann steht plötzlich Pete Calvin (Logan Marshall-Green) vor der Tür. Der ist ein Kamerad aus Armeetagen und er ist ein U.S. Marshal. Er hat einen Job in der Region zu erledigen, tatsächlich wird dies sein neues Einsatzgebiet und… Kayce versteht, dass er ihn gerne anwerben würde, zunächst jedoch schlägt er das Angebot aus. Er steht ihm für einen Einsatz als Führer zur Verfügung, es ergeben sich einige Momente der Gewalt, und es überrascht nicht, dass Kayce bald Teil des Teams ist, zu dem neben Pete und ihm noch Belle Skinner (Arielle Kebbel), Andrea Cruz (Ash Santos) und Miles Kittle (Tatanka Means) gehören, erfahrene Gesetzeshüter, die in Montana für Recht und Ordnung sorgen sollen.

Doch es überschlagen sich recht bald die Geschehnisse. Bei einer politischen Wahlkampfveranstaltung einer Senatorin kommt es zu einem Attentat. Die Politikerin übersteht dieses ohne Kratzer, Chief Rainwater aber wird verletzt.

Die folgende Einschätzung basiert auf einem First Look der ersten drei Episoden vor dem Deutschlandstart und diese Einschätzung fällt ernüchternd aus. Warum? Zunächst einmal hat diese Reihe 52 Millionen US-Dollar gekostet. Das ist heute ein normales Budget für eine dreizehnteilige Network-Serie. Es gibt kostengünstigere Produktionen, aber auch durchaus teurere. Womit allerdings die Frage im Raume steht: Network-Serie? Ganz genau. Die Serie wurde von der Paramount-Tochter CBS in Auftrag gegeben und von den Paramount Television Studios produziert. In Deutschland zeigt sie Paramount+ im Stream, aber sie ist keine Streaming-Serie.

"Yellowstone" lief in den USA auf dem Paramount Network. Das ist ein Kabelfernsehsender, der hinter einer Pay-TV-Bezahlschranke liegt. Das hat den Vorteil, dass Taylor Sheridan weniger Auflagen bezüglich Sprache, Gewalt und Laufzeiten hatte, was den typischen, düsteren "Yellowstone"-Stil ermöglichte. Zwar sind die Regeln im freien TV – und CBS ist freies, klassisches lineares Fernsehen – in den letzten Jahren deutlich lockerer geworden. Dafür aber sind die einzelnen Episoden in einer festen Struktur gefangen – inklusive Werbepausen. Nicht die Dramaturgie bestimmt den Lauf der Dinge, die Werbung legt fest, wann es eine Cliffhanger-Situation zu geben hat.

Das ist schon einmal inszenatorisch ein gewaltiger Rückschritt gegenüber "Yellowstone", aber noch mehr natürlich gegenüber den Prequels. "1883" ist großes Kino auf dem Bildschirm. "Marshals" ist halt Serienfernsehen. Das sieht erst einmal ganz anständig aus, denn mit 52 Millionen US-Dollar lässt sich was auf die Beine stellen. Aber anständig ist nicht unbedingt packend. Klar liegt das inszenatorisch über einem ZDF-Montagskrimi. Da gibt es das Attentat, diverse Schießereien und durchaus ansehnliche Stunts. Dennoch ist das alles – zumindest vordergründig – eben nicht mehr als eine ganz normale amerikanische Actionserie. Ein Typ wird Marshal und den bösen Jungs, in diesem Fall in Montana, geht es an den Kragen.

Glücklicherweise steht hinter dem Projekt immer noch Taylor Sheridan (wenngleich diesmal auch nicht als Showrunner, sondern nur als der Produzent, der Schecks dafür erhält, dass er mal vor ein paar Jahren eine geile Idee hatte). Das reicht immerhin, um das Format ein Stück weit aufzubrechen, denn da ist die Frage, was eigentlich mit Monica geschehen ist? Und dann ist da der Moment zum Ende der zweiten Episode, in der der neue Marshal, ganz auf sich allein gestellt, einem Gegner gegenüberstehend, nicht agiert, wie ein Marshal agieren sollte. Marshals, sagt Pete, halten sich streng an die Gesetze. Aber Kayce handelt, als wäre es das Jahr 1883. Dieser Moment lässt Hoffnung aufglimmen, dass hinter der Serie vielleicht doch ein bisschen mehr steht als ein Fall der Woche, denn Attentat hin, Schießereien her – so wirklich viel Worldbuilding findet in den ersten drei Episoden nicht statt.

Der Einstieg ist zwar für Zuschauer einfach, die noch nie etwas von "Yellowstone" gehört haben, und unterhalten werden sie auch. Aber das Fanpublikum sieht sich mit einer vollkommen anderen Art von Fernsehen konfrontiert, als die Vorgängerserien es präsentiert haben. Diese Art ist doch recht konventionell und daher kein Schritt nach vorne. Dass die Urserie nicht einfach außenvorgelassen wird, sondern ihre Schatten wirft, ist löblich.

Fazit: Die Serie muss sich gewaltig auf ihre Hinterbeine stellen, um das Fanpublikum nicht zu verlieren, denn jenes Publikum will "Yellowstone 2.0" und kein "NCIS: Montana".

vgw
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