
Mit "Schwarzes Gold" präsentiert der NDR ein Western aus der Lüneburger Heide
Der Western ist ein Genre, das regelmäßig für tot erklärt wird – und ebenso regelmäßig wieder aufersteht. Spätestens seit Taylor Sheridan in den USA mit "Yellowstone" ein Neo-/Western- Serienuniversum geschaffen hat, das international enorme Resonanz findet, prüfen auch Produzenten außerhalb Amerikas, ob sich vergleichbare Stoffe für den jeweiligen Heimatmarkt entwickeln lassen. "Yellowstone" selbst verbindet Neo-Western und High-Concept-Drama, das Prequel "1883" ist ein klassischer Western, "1923" wiederum eine Umbruchsgeschichte, die sich deutlich bei Westernmotiven bedient. Sheridan hat das Genre gewissermaßen für unterschiedlichste Mischformen geöffnet.
Dass der Western mehr ist als Männer auf Pferden, die in gleißender Sonne zum Duell antreten, muss heute nicht mehr eigens erklärt werden. Was dem Genre jedoch seit rund fünfzig Jahren fehlt, ist Verlässlichkeit in seiner Präsenz. In regelmäßigen Abständen erlebt der Western ein Comeback: Ein erfolgreicher Film bringt Aufmerksamkeit, einige Nachzügler folgen – und dann verschwindet das Genre wieder aus dem Zentrum der Wahrnehmung. Die Folge ist, dass es seit Jahrzehnten kaum noch ein Publikum gibt, das kontinuierlich mit Western sozialisiert wird und seine erzählerischen Mechanismen selbstverständlich lesen kann.
Für die Leserinnen und Leser an dieser Stelle mag dieser Gedanke zunächst befremdlich klingen, denn hier versammeln sich naturgemäß Genrefreunde. Also Menschen, die sich bewusst für den Western entschieden haben, vielleicht ausgelöst durch ein Schlüsselerlebnis in Form eines besonderen Filmes, die sich dann eine entsprechende Sammlung aufgebaut haben – und die deshalb mit seinen Mustern und Erzählcodes bestens vertraut sind. Für weite Teile des heutigen Publikums, insbesondere für die Generation Mitte dreißig und jünger, trifft das jedoch kaum noch zu. Der Western ist kein dauerhaft präsentes Format wie etwa moderner Horror im Stil der Blumhouse-Produktionen oder das Superheldenkino in seinen verschiedenen Ausprägungen. Diese Generation weiß zwar: Den Western gibt es. Vielleicht hat man auch einzelne Schlüsselwerke gesehen – und sei es gemeinsam mit Mama und Papa an einem Feiertag einen "Winnetou" im ZDF. Als lebendiges, regelmäßig wahrgenommenes Genre spielt der Western jedoch nur eine Nebenrolle. Wenn überhaupt.
Kopien sind schwierig
Damit rückt wieder Taylor Sheridan in den Blick, der mit seinem Serienuniversum in vergleichsweiser kurzer Zeit neues Interesse an westernnahen Stoffen geweckt hat. Ein Beispiel dafür ist die Serie "Territory" von Netflix, eine Neo-Westernreihe im australischen Outback. "Territory" erweist sich allerdings als ziemlicher Kappes: Die Serie kopiert "Yellowstone", ohne dessen erzählerisches Gespür zu verstehen.
Die Hauptfigur, ein skrupelloser Rinderbaron, wird zwar als Drecksack inszeniert und soll damit als Aussie-Kevin-Costner agieren, nur bleibt diese Figur von A bis Z ein Drecksack, so sympathisch wie ein Haiangriff an einem australischen Strand; eine wirkliche Figurenzeichnung, die die Figur auch nur im Ansatz differenziert zeichnen würde, findet nicht statt. Überhaupt fehlt es an tragfähigen Protagonisten oder Protagonistinnen, keine Figur trägt die Geschichte, keine Figur ermöglicht es dem Publikum, einen echten Bezug zum Geschehen aufzubauen. So bleibt die Serie inhaltlich leer, die Konflikte konstruiert, und das Neo-Western-Feeling, das Sheridan so erfolgreich macht, ist kaum mehr als eine Pappkulisse im australischen Sand.
Wenn die Australier, die durchaus ein Händchen für westernaffine Stoffe haben ("Quigley – Der Australier" (1990), "Gesetzlos – Die Geschichte des Ned Kelly" (2003, mit Heath Ledger) oder "The Proposition – Tödliches Angebot" (2005)), bei ihrem Versuch, auf den Neo-Western-Zug aufzuspringen, so derbe vom Tender fallen, schafft es dann ausgerechnet eine deutsche Produktion, auf dieser Welle sicher mitzuschwimmen? Eine Serie über einen Ölrausch in der Lüneburger Heide?
Alpenwestern
Deutschland und Western, das ist gar nicht so absurd, wie es sich anhört. Damit sind nicht die Abenteuer eines Apachen-Häuptlings französischer Herkunft in der Prärie Jugoslawiens gemeint, die das Publikum in den 1960er Jahren begeisterten. Nein, einen ersten, wirklich ernstzunehmenden Versuch, typische Elemente des Westerns filmisch auf eine Geschichte aus unseren Breiten zu übertragen, stellt Peter Turrinis und Wilhelm Pevnys "Die Alpensaga" aus den Jahren 1976 bis 1980 dar. Ja, eigentlich handelt es sich um eine österreichische Produktion, doch unter starker deutscher Beteiligung (etwa durch Michael Ballhaus als Kameramann).
Das sechsteilige Spielfilm-Epos von Turrini und Pevny nutzt klassische Genre-Motive nicht zur Romantisierung, sondern zur sozialen Dekonstruktion: Der Kampf um den Boden, im US-Kino oft durch Eisenbahnbarone und Siedler symbolisiert, wird hier zum existenziellen Konflikt zwischen dem traditionellen Bauerntum und einer gnadenlosen Modernisierung. Dabei fungiert die Landschaft nicht als bloße Kulisse, sondern als archaischer Charakter. Die engen, isolierten Hochtäler übernehmen die Funktion der "Frontier"-Städte, in denen das Recht des Stärkeren regiert. In dieser kargen Bergwelt spiegelt sich die Härte des Lebens ebenso wider wie im staubigen Monument Valley eines John Ford, was die Saga zu einem wegweisenden Beispiel des alpenländischen Anti-Westerns macht.
Vollkommen vergessen ist heute der Spielfilm "Jägerschlacht" aus dem Jahr 1982. Dahinter steckt ein Regisseur namens Wigbert Wicker, der sich im Zeitalter bleierner deutscher Autorenfilmer-Selbstbauchpinselung Anfang der 80er mühte, Genrekino in die Lichtspielhäuser zu bringen. In einem ersten Versuch 1980 gelang ihm das durchaus erfolgreich mit der charmanten Gaunerkomödie "Car-Napping", "Jägerschlacht" floppte leider und Wicker suchte daraufhin sein Glück in Auftragsproduktionen.
"Jägerschlacht", auch vermarktet als "Der Rächer vom Schallerhof", ist von A bis Z ein Western. Da ist ein fieser Landherr (hier ein Landgraf), der die armen Bauern seines Tales drangsaliert. Warum? Weil er es kann. Als der Kleinbauer Hornsteiner seine Tiere auf eine Weide führt und damit gegen ein Weideverbot verstößt, töten die Männer des Landgrafen all seine Tiere. In seiner Verzweiflung, finanziell ruiniert, beginnt Hornsteiner Gämse zu jagen, was ein Privileg seines Landesherrn darstellt – und was zur Ermordung seines engsten Freundes führt. Woraufhin Hornsteiner weiß, dass es in diesem Tal keine Zukunft mehr für ihn gibt. Doch bevor er geht, befreit er das Tal von seiner schlimmsten Plage.
Inszenatorisch merkt man "Jägerschlacht" die mangelnde Erfahrung deutscher Filmemacher im Action-Genre an, dennoch überzeugt der Film durch seine ungeschönte Härte, die konsequente Eskalation und das klare moralische Gefälle. Er zeigt, wie Westernmotive (Rache, Machtmissbrauch, Natur als Bühne) in den Alpenraum übertragen werden können, ohne dass das typische Heimatfilmidyll erhalten bleibt.
Ähnlich, aber aus einem etwas anderen Blickwinkel, funktioniert "Die Siebtelbauern" (1998). Hier steht nicht ein einzelner Held im Vordergrund, sondern eine Dorfgemeinschaft, die nach dem Tod eines tyrannischen Bauern um Besitz, Freiheit und soziale Gerechtigkeit kämpft. Auch dieser Film überträgt klassische Western-Motive auf den Alpenraum, wobei die Handlung weniger linear verläuft und die Figuren differenzierter dargestellt werden.
Und nun Lüneburg
Mit dem Sprung in die Lüneburger Heide präsentieren die Autoren Justin Koch, Thorsten Näter, Pamela Katz und Florian Vey einen neuen Anlauf, um eine am Western angelehnte Geschichte in teutonischen Breiten zu erzählen. Dafür hat sich der NDR nicht lumpen lassen. Die Kulissen sehen schon recht gut aus, in Sachen Kostüme ist das A-Kino und für die Musik holte man die ganz große Pauke aus dem Schrank: Hans Zimmer: Auch wenn er wahrscheinlich in erster Linie nur seinen Namen und ein paar Ideen gegeben hat, denn neben ihm wird gleichberechtigt der deutsch-russische Geiger Aleksey Igudesman als Komponist aufgeführt, der bereits mehrfach für Zimmer gearbeitet hat.
"Schwarzes Gold" beginnt um das Jahr 1900 irgendwo in der Lüneburger Heide. Das Leben ist geprägt von harter Feldarbeit, starren Hierarchien und engen familiären Abhängigkeiten. Statt des Katholizismus der Alpenwestern als ein verbindendes, aber auch unterdrückerisches Element ist es hier der Protestantismus, der eine vermeintliche Klammer schafft. Der Boden gilt als schwierig. Für viele Menschen erscheinen die Städte, die Orte der Industrialisierung, als Hoffnungsschimmer am Firmament. Viele Höfe stehen wirtschaftlich auf der Kippe. Doch unter der scheinbar wertlosen Erde lagert ein Rohstoff, der alles verschiebt: Erdöl. Die Industrie braucht Öl. Die Autos, von denen es immer mehr gibt, brauchen Benzin.
Die junge Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten) ist früh gezwungen worden, Verantwortung zu übernehmen. Der Hof ihrer Familie ist hoch verschuldet, im kargen Alltag bemüht sie sich, die auseinanderbrechende familiäre Gemeinschaft zusammenzuhalten. Wie viele andere hat auch sie vom angeblichen Öl gehört … doch es bleibt nicht bei einem Gerücht. Es verdichten sich die Hinweise, dass ausgerechnet unter dem Wald der Familie ein nutzbares Ölvorkommen liegen könnte. Doch noch während sie die leise Hoffnung hegt, dass ihrer Familie keine dunkle Zukunft droht, schaffen andere Fakten. Grundstücke wechseln den Besitzer, Rechte werden gesichert, Verträge unter zweifelhaften Umständen geschlossen. Besonders aktiv agiert Wilhelm Pape (Tom Wlaschiha), ein einflussreicher Großbauer und Unternehmer, der das wirtschaftliche Potenzial schneller erkennt als die meisten anderen. Er nutzt Informationsvorsprung, Beziehungen und Druckmittel, um seinen Einfluss systematisch auszubauen und bringt schließlich auch mit zweifelhaften Mitteln den Wald der Familie Lambert unter seine Kontrolle. Für ihn ist das Öl vor allem ein Hebel zur Festigung von Macht und Abhängigkeiten.
Die Situation wird dadurch emotional, dass Johanna und Richard (Aaron Hilmer), Wilhelms Sohn, eine lange Freundschaft verbindet. Richard war und ist von Johannas Stärke, die sie selbst unterschätzt, fasziniert; Johanna erkennt in Richard eine Menschlichkeit, die seinem Vater, milde gesagt, abgeht. Mit Ausbruch des Ölbooms gerät Richard zunehmend zwischen die Fronten: Er profitiert von der Stellung seines Vaters, erkennt aber zugleich die Härte und moralische Fragwürdigkeit von dessen Vorgehen. Johanna wird für ihn zum persönlichen und ethischen Gegenpol. Ihre Beziehung schwankt zwischen Vertrauen, Enttäuschung und vorsichtiger Annäherung, stets überschattet vom Machtgeflecht der Familien.
Mit Beginn der Bohrungen verändert sich das Dorf grundlegend. Fremde Fachleute, Investoren und Spekulanten treffen ein. Provisorische Anlagen entstehen, Arbeiter werden angeworben, erste Förderstellen gehen in Betrieb. Die Region erlebt einen improvisierten Ölboom. Aus Heideflächen werden Industrieplätze, aus Bauernhöfen Verhandlungsorte. Hoffnung und Angst wachsen parallel: Einige versprechen sich Wohlstand, andere fürchten Enteignung und Betrug. Der Aufschwung verteilt sich ungleich. Während wenige rasch profitieren, geraten andere unter Druck. Die Löhne sind niedrig, die Arbeitsbedingungen riskant, Versorgungslagen verschlechtern sich. Teurere Lebensmittel, verschmutzte Flächen und zunehmende Abhängigkeit von den Fördergesellschaften belasten den Alltag. Und Johanna: Sie beginnt den Verdacht zu hegen, dass ihr zu Beginn der Serie verstorbener Vater ermordet wurde. Wer hat von dessen Tod profitiert? Genau! Wilhelm Pape. Im Dorfgendarme findet sie keine Hilfe, der nämlich denkt, ihr Vater habe Selbstmord begangen. Und die Verwaltung vor Ort? Zeigt auf, dass auch preußische Beamte durchaus mal wegschauen, wenn es ums Wohl der Allgemeinheit – oder auch der eigenen Geldbörse – geht. Johanna erkennt, dass es nur einen Menschen gibt, auf den sie sich wirklich verlassen kann: sie selbst. Sie beginnt, in der Vergangenheit zu forchen, und findet einige Verbindungen zwischen ihrer Familie und der der Papes. Zweier Familien, die einst durchaus freundschaftlich verbunden waren.
"Schwarzes Gold" - Positives und Negatives
Die Positiva: Neben der bereits genannten Ausstattung und den Kostümen ist das Tom Wlaschiha. Deutschlands internationaler Serienwanderer ("Tom Clancys Jack Ryan", "Stranger Things" und natürlich "Game of Thrones") bringt in der Rolle des Wilhelm Pape ein Spiel auf die Leinwand, das man im deutschen Fernsehen selten erlebt. Hierzulande dominiert oft das Wort, die Dialoge stehen über allem; Wlaschiha aber füllt jeden Raum, jede Szene mit Präsenz, Bewegung und Timing. Sprache, Gestik und Haltung verschmelzen bei ihm zu einer Einheit, die die Figur lebendig, bedrohlich und gleichzeitig faszinierend macht. Man glaubt ihm sofort, dass er das Sagen hat. Es ist ein sehr angelsächsisches Schauspiel, das er in seine Rolle einbringt, man spürt die internationale Serienerfahrung. Wilhelm Pape ist böse, das steht fest. Vielleicht lebt in ihm gar ein Psychopath. Aber im Grunde ist er der einzige freie Mann weit und breit, denn er unterwirft sich nicht dem Land, in dem er lebt, so wie die anderen. Er – unterwirft das Land!
Was dann auch zu einem Schwachpunkt der Serie führt: die Hauptfigur Johanna. Oh, Harriet Herbig-Matten spielt diese Rolle durchaus mit Präsenz. Sie trägt die Figur auf ihren Schultern und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis ihr Name auf internationalen Besetzungslisten auftaucht. Doch Johanna bleibt dramaturgisch oft eine Getriebene. Im klassischen Western übernimmt der Protagonist irgendwann die Zügel, dreht das Blatt, stellt sich der Herausforderung und entscheidet über sein Schicksal selbst; hier jedoch reagiert Johanna meist nur, wird von äußeren Ereignissen vorangetrieben und kann nur selten wirklich selbst die Richtung bestimmen. Das schmälert nicht Harriet Herbig-Mattens Darstellung, aber es nimmt der Figur ein Stück weit die narrative Kraft, die man von einem Western-Helden erwarten würde. Man mag argumentieren, dass dies kein Western ist, sondern eine Serie, die Elemente des Westens auf ein deutsches Handlungsszenario überträgt. Und doch fehlt der Serie möglicherweise ein Stück weit der Mut zum Klischee. Während die letzte Episode durchaus die Erwartungen ans Genre (auf seine eigene Art) erfüllt, Stichwort Showdown, bleibt die Handlung an sich doch sehr im deutschen Heimatdrama verhaftet.
In diesem Verhaftetsein liegt die größte verpasste Chance von "Schwarzes Gold". Um ein Genre zu beleben, das durch jahrelange Abwesenheit kaum noch in der Seherfahrung des jungen Publikums verankert ist, reicht ein bloßes Zitieren von Motiven nicht aus. Man müsste es in seiner reinsten, kompromisslosesten Form zeigen. Die spezifischen Erzählcodes des Westerns – das archaische Schweigen, die moralische Zuspitzung und die unerbittliche Konsequenz des Handelns – müssten einer Generation, die ohne die wöchentliche Präsenz von rauchenden Colts aufgewachsen ist, mit erzählerischer Wucht regelrecht eingebläut werden.
Stattdessen bremst die deutsche Vorliebe für psychologisierende Dialoge und soziale Abwägung den Rhythmus dort aus, wo eigentlich die karge Logik der Frontier regieren sollte. Wenn Johanna nicht zur Rächerin oder zur Gestalterin ihres Schicksals wird, sondern die Getriebene der Umstände bleibt, verharrt die Serie in einer typisch europäischen Passivität. Das ist schade, denn die Lüneburger Heide bietet als "deutsches Texas" eine visuelle Kraft, die den Vergleich mit den großen Vorbildern nicht scheuen müsste (dass der größte Teil dieser Serien-Lüneburger-Heide eigentlich in Ungarn zu finden ist… sei nur am Rande erwähnt). Der Ölrausch als Katalysator für Gier, Gewalt und den Zerfall alter Ordnungen ist der perfekte Treibstoff für einen deutschen Neo-Western – man müsste nur den Mut haben, das Zündholz auch wirklich in die Pfütze aus schwarzem Gold zu werfen, statt den Brand mit öffentlich-rechtlicher Besonnenheit im Keim zu ersticken.
Trotzdem ein Erfolg
Ein Erfolg ist die Serie "Schwarzes Gold" dennoch für die ARD und für Medienwissenschaftler ist eine Analyse dieses Erfolges besonders interessant. Im klassischen Fernsehprogramm war die Serie nämlich ein ziemlicher Flop: Zur Premiere Ende Dezember 2025 schalteten lediglich 2,59 Millionen Zuschauer ein, was einem Marktanteil von knapp 11 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Krimi im ZDF erreicht locker sechs Millionen Zuschauer. Auffällig war zudem, dass im Laufe des Abends viele Zuschauer abwanderten. Das deutet darauf hin, dass das traditionelle Publikum, das eher ein klassisches "Heimat"-Format erwartete, mit der düsteren Bild-Tonalität und der wuchtigen (oft zu wuchtigen) Musik von Hans Zimmer überfordert war.
Online zeigt sich ein völlig anderes Bild. In der ARD-Mediathek wurde "Schwarzes Gold" nämlich zu einem echten Blockbuster: Innerhalb weniger Wochen knackte die Serie die Marke von 7,5 Millionen Abrufen. Das legt nahe, dass ein jüngeres Publikum, das traditionell nicht zwingend lineares Fernsehen nutzt, besonders von der Serie angezogen wurde. Für Medienwissenschaftler ist das spannend, weil es die wachsende Kluft zwischen linearem Fernsehen und Streaming-Diensten sichtbar macht: Formate, die im klassischen TV nur schwer zünden, entfalten online oft ein ganz anderes Publikumspotenzial. Es zeigt, wie Sehgewohnheiten, Generationenunterschiede und die Nutzung von Mediatheken das Erfolgsrezept moderner Serien beeinflussen und dass auch in Deutschland der Erfolg eines Formats längst nicht mehr allein an Einschaltquoten im linearen Programm gemessen werden kann.
Fazit: Insgesamt ist "Schwarzes Gold" nicht schlecht, mit etwas mehr Mut wäre aber mehr drin gewesen.






















