
Emotional zu schwach: "The History of Sound" setzt auf eine zu subtile romantische Sehnsucht
Basierend auf einer Kurzgeschichte von Ben Shattuck besticht der über mehrere Jahre gespannte Film "The History of Sound" von Regisseur Oliver Hermanus durch sein Hauptdarstellerduo: Wer würde sich nicht für eine risikoreiche Romanze begeistern, in der zwei unserer besten und vielseitigsten Schauspieler, Paul Mescal und Josh O’Connor, die Hauptrollen spielen? Sie singen sogar füreinander; ihre Figuren aus der Zeit des Ersten Weltkriegs teilen die Liebe zu amerikanischen Volksliedern, was ihnen eine gesellschaftlich akzeptable Leidenschaft verleiht, die jene ergänzt, die sie nicht offen zeigen können.
Man möchte "The History of Sound" genauso verehren, wie der auf einer Farm in Kentucky aufgewachsene Lionel (Mescal) und der weltgewandte David (O’Connor) aus New England einander verehren. Leider bleibt am Ende der Herzschmerz unerfüllter Erwartungen zurück. Trotz der prägnanten Darstellung gespaltener Leben gleicht "The History of Sound" eher einem akribisch trockenen Stillleben als einem bewegten Bild. Vergleiche mit "Brokeback Mountain" sind unvermeidlich, werden aber nur dazu führen, dass diese zarte, aber übermäßig vorsichtige Geschichte im Schatten dieses gefühlvollen, herzzerreißenden Films bleibt.
Die Story von "The History of Sound"
Es ist das Jahr 1917, als Lionel, ein Gesangswunderkind mit schüchterner, höflicher Art, an einem Konservatorium in Boston den charismatischen Amateur-Musikhistoriker David kennenlernt. An einem Barpiano und später hinter verschlossenen Türen verbindet sie die gemeinsame Vorliebe für ländliche Lieder, die von Not, Leidenschaft und Sehnsucht geprägt sind.
Ihre auf das Zimmer beschränkte Affäre wird jedoch durch Davids Einberufung zum Militär jäh beendet. Etwa ein Jahr später geht es weiter, als David, der wieder auf dem Land lebt und von einer Stelle als Musiklehrer in Maine aus schreibt, Lionel – der mit seinen mürrischen Eltern in einer trostlosen Hütte festsitzt – zu einer Reise zum Sammeln von Liedern in die abgelegenen Küstenwälder des Nordostens einlädt.
Am Ende brilliert Chris Cooper
Bis zu diesem Punkt hat der Film, dessen Drehbuch der Romanautor Ben Shattuck selbst adaptierte, die dynamische Intimität zwischen den Seelenverwandten nur angedeutet, wobei Hermanus’ emotional zurückhaltende Szenen unter Alexander Dynans entsättigter Kameraführung zu texturlos wirken. (Erdtöne wirkten noch nie so wenig erdig.) Doch selbst wenn diese wiedervereinigten Liebenden tagsüber Randgruppen aufnehmen und nachts in einem Zelt ihre Verbindung neu entfachen, wirkt alles immer noch unterdrückt und inszeniert, wie die Nachstellungen in einem langweilig vertonten Lehrfilm.
Selbst die Szenen, in denen die traditionellen Lieder des Films ("Here in the Vineyard", "Silver Dagger") im Mittelpunkt stehen, wirken kühl und distanziert, obwohl es genau das ist, was den Machtlosen, wie uns gesagt wird, seit jeher eine Stimme verliehen hat. Überraschenderweise, angesichts der Tiefe der epochalen Unterdrückung, die er in seinen früheren Spielfilmen "Moffie" und "Living" erreicht hat, hat Hermanus hier Mühe, dies ebenso zu vermitteln, wenn lauter Gesang die Luft durchdringt. Ob draußen oder drinnen, wir könnten genauso gut hinter Glas zusehen und zuhören.
Auch wenn die Hauptdarsteller nie mehr als Exemplare exquisiter Sehnsucht zu sein scheinen, sind Mescal und O’Connor zu gut, um nicht eine glaubwürdige durchgehende Linie aus Liebe und Konsequenz zu spinnen. O’Connor beherrscht die Leinwand mit einer kraftvollen Ökonomie aus Blicken und Gesten. Vor allem Mescal lässt die Traurigkeit vibrieren, während die Handlung uns nach Italien, dann nach London und zurück führt. Die Zeit der Trennung etwas ganz anderes bedeutet als eine Pause zwischen gesungenen Versen. Nach seinen erschütternden Darstellungen in "Aftersun" und "All of Us Strangers" gibt es wohl keinen besseren Darsteller von von Trauer geplagter Einsamkeit.
"The History of Sound" findet schließlich im letzten Akt seinen wahrhaftigsten Ton von schmerzhafter Sensibilität und Katharsis, unterstützt durch bedeutungsvolle, prägnante Darstellungen von Hadley Robinson und dem großartigen Chris Cooper sowie einem Ende, das man zwar kommen sieht, das aber dennoch bewegend ist. Es ist nur bedauerlich, dass Hermanus besser weiß, wie er den Zuschauer gerne zurücklassen möchte, als wie er ihn dorthin zu führen gedenkt.
"The History of Sound" beleuchtet anhand von Volksmusik die Themen Liebe und Verlust
Der Soundtrack zu "The History of Sound" ist eine Mischung aus traditionellen Volksliedern, geistlichen Chorwerken und modernen Aufnahmen, die ausgewählt wurden, um die Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts einzufangen und gleichzeitig den heutigen Zuschauern anzusprechen. Er umfasst Darbietungen von Ensembles, Volksmusikern und sogar ikonische moderne Titel, die die Themen des Films – Liebe, Verlust und Erinnerungen – unterstreichen.
Fazit: "The History of Sound" ist nicht nur eine Liebesgeschichte oder ein Musical; es ist eine stille Betrachtung darüber, wie Kunst Gefühle festhalten kann, wenn Worte versagen und wie Stimmen – auf Wachszylindern und in der Erinnerung bewahrt – das Gewicht ganzer Generationen tragen. Trotz Schwächen ist dies ein Film von großer Zärtlichkeit, der darauf vertraut, dass der Zuschauer sich darauf einlässt und zuhört.





















