The Madison

The Madison

„The Madison“ ist eine Neo-Western-Fernsehserie, die von Taylor Sheridan für Paramount+ entwickelt wurde. Die Serie handelt von der Familie Clyburn, die ursprünglich aus New York City stammt und ins Madison River Valley im Südwesten von Montana zieht, um sich von einer schweren, lebensverändernden Tragödie zu erholen, die die Familie Clyburn erschüttert und für immer verändert hat. Michelle Pfeiffer und Kurt Russell spielen die Hauptrollen in der Serie, an ihrer Seite sind Patrick J. Adams, Elle Chapman, Matthew Fox, Beau Garrett, Amiah Miller, Ben Schnetzer, Kevin Zegers und Rebecca Spence zu sehen.

Filmplakat: The Madison
 

Michelle Pfeiffer und Kurt Russell spielen die Hauptrollen in Taylor Sheridans The Madison

Ratlosigkeit steht im Raum. "The Madison" ist mit den ersten drei Episoden in Deutschland angelaufen und Taylor Sheridan hat seine nächste Serie vom Stapel gelassen. Nach dem gewaltigen Erfolg von "Yellowstone" und dessen Ablegern "1883" und "1923", sowie seinen Ausflügen in andere Milieus mit "Tulsa King", "Mayor of Kingstown", "Special Ops: Lioness" und "Landman", liefert er nun seine ganz eigene Version einer Rosamunde-Pilcher-Story. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.

Vielleicht ist es nicht ganz Rosamunde Pilcher, denn bei der englischen Queen of Schmalz liegen sich die Liebenden am Ende grundsätzlich glückselig in den Armen, die Liebe siegt stets über die irrsinnigsten Irrungen und Wirrungen, ihr Narren. "The Madison" schlägt leisere, tragischere Töne an, was die Serie aber nicht weniger tauglich für das ZDF-Sonntagskino erscheinen lässt.

Michelle Pfeiffer übernimmt die Rolle der Stacy Clyburn. Sie ist New Yorkerin durch und durch, eine Frau, deren Welt aus Wohltätigkeits-Events und dem harten Pflaster von Manhattan besteht. Ihr Ehemann Preston (Kurt Russell) war dagegen Zeit seines Lebens der Natur zugewandt. Er träumte von Montana, wo die Familie ein Stück Land samt rustikaler Hütte besitzt und wo wir ihn zu Beginn beim Fliegenfischen mit seinem Bruder Paul (Matthew Fox) erleben. Es ist ein purer Traum: Ganz im Gegensatz zum grauen Alltag in New York. Dort wird ihre jüngere Tochter Paige (Elle Chapman) gleich zu Beginn auf der Fifth Avenue Opfer eines Überfalls. Der geht zwar glimpflich aus, doch die Botschaft sitzt: Selbst im goldenen Käfig der Upper East Side gibt es keine Sicherheit mehr. New York wird hier fast schon biblisch als das moderne Gomorrha inszeniert. Doch dann bricht das wahre Unheil über die Familie herein. Stacy erhält den einen Anruf, der alles verändert: Preston ist mit einem Flugzeug abgestürzt. Er und sein Bruder Paul sind tot. Was erklärt, warum dieser Text von Preston von Anfang an in der Vergangenheit erzählt. Es ist sein Ableben, das die Karten des Lebens neu mischt...

Die ersten drei Episoden von "The Madison" im Überblick

Der Kontrast zwischen dem hektischen New York und der unerbittlichen Stille Montanas könnte nicht größer sein. Stacy muss ihre beiden erwachsenen Töchter dazu bewegen, die Reise in den Westen anzutreten. Da ist Paige, die nach dem Überfall unter einer leichten Paranoia leidet, und da ist ihre ältere Schwester Abigail (Beau Garrett), eine geschiedene Mutter von zwei Kindern, die mit ihrer eigenen Bitterkeit kämpft. "Am Fluss unter Sternen", so der deutsche Titel der Pilotepisode, steht der Verlust im Mittelpunkt des Geschehens. Prestons plötzlicher Tod und ein glückliches, gemeinsames Leben, das plötzlich endet.

Mit "Das Land soll mich behüten" beginnt mehr als nur eine emotionale Reise in das Madison River Valley, wo die Familie ihr Stück Land besitzt. Was als kurzer Trip zur Regelung des Nachlasses geplant ist, entpuppt sich schnell als emotionale Zerreißprobe. Die New Yorker Attitüde prallt ungebremst auf das bodenständige Leben in Montana. Ein Leben, das so viel ehrlicher wirkt als das in der Stadt, weshalb Stacy den endgültigen Entschluss fasst, in Montana zu bleiben. Mit ihrer Familie… Besonders Paiges Ehemann Russell (Patrick J. Adams), ein Investmentbanker, wirkt in der Wildnis jedoch so deplatziert wie ein Pinguin in der Wüste. Staceys Entscheidung trifft nicht nur auf Zustimmung. Während Stacy versucht, die Trauer zu unterdrücken, entdeckt sie Diskrepanzen im Leben von Preston. Offenbar war das Valley für ihn nicht nur ein Rückzugsort. Hat er ihr etwas vorenthalten?

"Sie schmilzt dahin" vertieft die Gräben, die sich in der Familie auftun. Während Staceys Enkelinnen Bridgette und Macy beginnen, Gefallen an der Freiheit der Natur zu finden, eskaliert ein Streit zwischen Paige und Abigail. Paige erkennt, dass die Rückkehr nach New York keine Heilung bringen wird. Nach dem Überfall erkennt sie in der Weite von Montana, dass sie ein Leben gelebt hat, das nicht ihr Leben war. Es war ein Leben der Erwartungen anderer. Aber wer ist sie wirklich? Solch tiefgehenden Gedanken sind Abigail fremd, allerdings findet sie einen Grund, sich vielleicht doch mit Montana zu arrangieren.

Ein reinrassiges Familiendrama

Nach drei Episoden ist zwar klar, was die Serie sein will: Ein reinrassiges Familiendrama über eine Frau, die die Liebe ihres Lebens verloren hat und nun einen neuen Sinn sucht. Stacy Clyburn muss feststellen, dass ihr altes Leben in New York nicht so perfekt war, wie sie es sich eingeredet hat.

Sicher, sie hat ihren Mann geliebt, aber sie hat dieses Leben in Manhattan schlichtweg falsch gelebt – eingepfercht zwischen Charity-Galas und Asphalt, wo ihr Herz doch etwas anderes gesucht hat. Etwas, vielleicht einen Ort, den sie erst in dem Moment findet, in dem sie die Liebe ihres Lebens verloren hat. Viel mehr passiert in den ersten drei Episode nicht. Da sind die Töchter, die die Entscheidung der Mutter natürlich für schwierig halten, da gibt es Fragen bezüglich Prestons Handeln in Montana. Aber das alles bleibt im Fahrwasser des klassischen ZDF-Sonntagskinos. Es ist lediglich besser ausgeleuchtet, weil man hier mit einem massiven Paramount+-Budget operiert und nicht mit knapp bemessenen Rundfunkgebühren. Die Bilder sind gewaltig, die Melancholie ist teuer produziert, aber die Substanz bleibt überschaubar.

Vielleicht hat Taylor Sheridan nach all den harten Männergeschichten, der archaischen Gewalt und den moralisch grauen Figuren, von denen eigentlich nie jemand wirklich gut war, einfach das Verlangen gespürt, zur Abwechslung gute Menschen zu porträtieren. Selbst die halbwegs anständigen Charaktere in seinem bisherigen Serien-Universum haben in der Regel ein paar Leichen im Keller liegen. Michelle Pfeiffer verkörpert derweil einen aufrichtigen Charakter, der durch einen fürchterlichen Schicksalsschlag in einem Alter ein neues Leben beginnt, in dem andere Menschen eher an den Ruhestand denken.

Das ist zweifellos schön anzusehen. Aber was genau will Taylor Sheridan mit dieser Serie eigentlich sagen? Das angestammte Sheridan-Fanpublikum wird "The Madison" kaum für sich entdecken, dafür fehlt bisher der Biss und die Härte. Das typische Publikum für Sonntagabend-Dramen wiederum ist selten im Sheridan-Kosmos zu Hause. Die Serie sitzt zwischen allen Stühlen: Zu sanft für die Western-Fans, zu bedeutungsschwer fürs ZDF-Sonntagskino.

Natürlich kann es sein, dass die Serie im weiteren Verlauf noch ganz andere Richtungen einschlägt. Gestartet ist die Entwicklung von "The Madison" 2023 als Spinoff zu "Yellowstone"! Erst während der Vorproduktionsphase wurde der Entschluss gefasst, sie aus diesem Serienkosmos herauszunehmen. Was durchaus den Schluss zulässt, dass sie für diesen Serienkosmos zu… nett ist? Wie gesagt, ein vollkommenes Kippen der bislang eher melancholischen Atmosphäre hin zu etwas ganz anderem: Das ist nicht völlig auszuschließen, schließlich reden wir hier von Taylor Sheridan. Nachdem die ersten drei Episoden aber allesamt von "Paramount+" in Deutschland eine 12er-Freigabe erhielten (und selbst eine gänzlich jugendfreie Freigabe wäre mit etwas gutem Willen möglich gewesen), ist ein brutaler Schwenk hin zu Sex, Gewalt und guter Laune kaum zu erwarten. Wer auf den großen Knall hofft, wird hier vermutlich enttäuscht.

Die Darsteller

Man muss Michelle Pfeiffer lassen: Sie macht ihren Job verdammt gut. Man nimmt ihr jede Sekunde ab, dass sie schon immer die Chefin im Ring war. Diese herrische, aber gleichzeitig tief verletzte Matriarchin steht ihr ausgezeichnet.

Auch das Engagement von Kurt Russell ist weit mehr als nur ein billiger Marketingcoup, um ein paar alte Western-Fans vor den Bildschirm zu locken. Obwohl er nur eine Nebenrolle spielt und aus Gründen primär in Rückblenden auftaucht, ist er in der Rolle des an sich netten Kerls (der vielleicht ein paar Geheimnisse hatte) absolut glaubwürdig. Für Russells Talent lässt sich nur hoffen, dass da noch etwas kommt und er mehr zeigen darf als den Gatten, der beim Anblick seines holden Weibs Herzchenaugen bekommt.

Fazit: So bleibt am Ende der dritten Episode ein großes Fragezeichen stehen. Wird das irgendwie noch spannender? Bekommen wir noch den Abgrund zu sehen, der hinter der glänzenden Fassade der Clyburns lauert, oder bleibt es bei dieser edel produzierten Trauerarbeit?

vgw
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