
"Duell in Diablo" ist ein US-amerikanischer Westernfilm aus dem Jahr 1966 unter der Regie von Ralph Nelson mit James Garner und Sidney Poitier in den Hauptrollen. Er basiert auf Marvin H. Alberts Roman "Apache Rising" aus dem Jahr 1957. Die Dreharbeiten fanden vor Ort im Süden von Utah statt.
Der Film war Garners erster Western nach seinem Ausstieg aus der langjährigen Fernsehserie "Maverick". Poitier hatte zuvor noch nie in einem Western mitgespielt und arbeitete erneut mit Nelson zusammen, der bei "Lilien auf dem Felde" Regie geführt hatte. In den Nebenrollen sind Bibi Andersson, Bill Travers, Dennis Weaver und John Hoyt zu sehen. Die Filmmusik komponierte Neal Hefti.
Wann darf man einen Film als Klassiker bezeichnen? Natürlich ist es jedem Betrachter unbenommen, diesen Begriff großzügig zu verwenden, für alles, was ihm in besonderer Weise im Gedächtnis geblieben ist. Doch ein Klassiker ist mehr als eine persönliche Vorliebe. Er bewährt sich über die Zeit hinweg und behauptet seine Wirkung auch jenseits des Moments, in dem er entstanden ist. Er bleibt also anschlussfähig für neue Generationen von Zuschauern. Wenn der deutsche Verleiher "Duell in Diablo" also als einen Klassiker anpreist, hat dies vor allem Marketinggründe. Klassiker? Das liest sich auf jedem Cover erst einmal gut. Aber lässt sich der Western tatsächlich als solcher bezeichnen? Er hatte seine Zeit, die über das Veröffentlichungsdatum hinausgeht. In den 1980er Jahren wurde er etwa hierzulande mehrfach im damals noch übersichtlichen und sehr, sehr linearen Fernsehen ausgestrahlt. Andererseits aber ist es kein Titel, der direkt besondere Bilder erzeugen würde. Es ist eben kein "12 Uhr mittags" oder "El Dorado".
Möglicherweise liegt der Reiz des Filmes und seine Verleihbezeichnung "Klassiker" in seiner Zwischenstellung. "Duell in Diablo" entstand in einer Phase, in der das klassische, amerikanische Westernkino bereits erste Risse zeigte, ohne dass sich eine neue Form schon vollständig durchgesetzt hätte. Die vertrauten Muster wie klare moralische Fronten und eindeutige Heldenfiguren beginnen in dieser Phase des Übergangs zu bröckeln; sie werden durch ambivalentere Figurenkonstellationen ersetzt, ohne jedoch ganz aufgegeben zu werden.
Der Film bewegt sich damit in einem Spannungsfeld: noch fest verwurzelt in der Tradition, aber bereits offen für eine rauere, widersprüchlichere Sicht auf seine Welt. Gleichzeitig ist der große ästhetische Umbruch, den der Italowestern mit sich bringen sollte, hier erst in Ansätzen zu spüren. Als "Für eine Handvoll Dollar" von Sergio Leone in die Kinos kam, begann sich zwar ein neues Verständnis von Bildkomposition, Rhythmus und Musik zu entwickeln, nicht zuletzt durch Ennio Morricones prägende Klangwelten: Doch dieser "Gamechanger" lag noch in cineastischen Windeln, und es ist fraglich, ob Regisseur Ralph Nelson den Film überhaupt schon kannte, der zwar in Europa die Kinokassen hatte klingeln lassen, aber erst 1967 in den USA, also nach dem Start von "Duell in Diablo", anlaufen sollte.
Heute haben wir das Internet, Regisseur Nelson hatte nicht einmal VHS-Kassetten, die er sich mal eben aus Italien hätte schicken lassen können. Dennoch gibt es Momente, die darauf schließen lassen, dass sich Nelson in seiner Inszenierung durchaus an dem orientiert hat, was da aus Italien kam, in den USA zwar belächelt wurde, im Rest der Welt aber die Kassen ordentlich klingen ließ. So liegt über seinem Film eine teils spürbare Unruhe, als hätte Nelson geahnt, dass sich das Genre gerade neu erfindet, ohne diese Entwicklung schon ganz greifen zu können. So ist der Film in einigen Momenten überraschend brutal. Etwa dann, wenn eine Figur gerädert wird und die gesamte Brutalität nicht visuell eingefangen wird, sich aber umso eindringlicher über die Schreie dieses Menschen vermittelt. In anderen Momenten wiederum atmet er noch deutlich den Geist des klassischen Westerns – etwa in der Figur des eleganten Revolverhelden und Zockers Toller. Der ist auf seine Weise ein Schlitzohr, agiert aber in den entscheidenden Momenten anständig und gut, ohne erkennbare Brüche.
Ohne weitere Brüche? Besagter Toller wird von Sidney Poitier dargestellt – einem afroamerikanischen Schauspieler, dessen Hautfarbe im gesamten Film nie eine Thematisierung erfährt. Was dann schon als ein Zeichen verstanden werden darf. Vier Jahre vor "Duell in Diablo" hat Regisseur Ralph Nelson "Lilien auf dem Felde" inszeniert, eine melancholische Komödie, deren Hauptdarsteller mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und wer ist dieser Hauptdarsteller? Sidney Poitier.
Poitier erlangte bereits Ende der 1950er Jahre einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, sein Durchbruch war die Hauptrolle in dem Musical-Drama "Porgy und Bess" (1959). Als erster afroamerikanischer Oscarpreisträger in der Kategorie "Beste Hauptrolle" ("Lilien auf dem Felde") schrieb er Filmgeschichte. Wenn Ralph Nelson die Rolle des Toller also mit seinem Freund Sidney Poitier besetzte, war dies mehr als nur die Besetzung einer Hauptrolle mit einem bekannten Namen. Es war ein Statement. Es gibt Kritiken, die bemängeln, dass Tollers Hautfarbe nie eine Rolle spielt, ganz so, als wäre es normal gewesen, dass dunkelhäutige Männer zur Zeit des Wilden Westens so frei agieren konnten wie eben er.
Diese Kritiken übersehen, dass diese Auseinandersetzung subtil sehr wohl geschieht. So erfahren wir, dass er Soldat war, dass er ein Sergeant war – und dass er sich den Respekt, der ihm entgegengebracht wird, erarbeitet hat. Diesem Mann ist nichts in die Wiege gelegt worden. Die Stärke der Inszenierung liegt letztlich darin, dass sie eben kein großes Ding aus dieser Geschichte macht, sie aber eben auch nicht vollends ignoriert. Nelson weiß Momente zu setzen. Das reicht.
Außerdem ist die Hauptfigur des Filmes Jess Remsberg – übrigens ein interessanter Name für die Hauptfigur eines Westerns. Im klassischen Western bevorzugte man englische, schottische oder irische Namen, obschon deutsche Familien einen Großteil der Einwanderer ausmachten. Nelson nutzt diese Authentizität unaufdringlich, ohne sie besonders hervorzuheben, was dem Film eine leise, glaubwürdige Verankerung in der Zeit verleiht.
Dieser Jess Remsberg wird von James Garner dargestellt. Garner erlangte durch die Hauptrolle in der Westernserie "Maverick" zwischen 1957 und 1962 Starstatus – und gehört zu den wenigen Schauspielern, die diesen televisionären Status auf die Kinoleinwand übertragen konnten. "Maverick" war eine leichte Serie, locker im Ton und die Hauptfigur war ein sympathischer Lebemann. Garner vermarktete sein Image gewinnbringend, etwa an der Seite von Doris Day in einer Komödie wie "Was diese Frau so alles treibt", gleichzeitig suchte er aber gezielt Rollen, in denen er als Charakterdarsteller punkten konnte. 1963 etwa gehörte er zum amerikanischen Cast des Kriegsfilmklassikers "Gesprengte Ketten" – und auch "Duell in Diablo" reiht sich in diese Liste von Produktionen ein.
James Garner spielt Jess Remsberg, einen ehemaligen Soldaten, der sich inzwischen als Scout verdingt, freiberuflich, wenn man so will. Auf dem Weg nach Fort Concho in Arizona wird Jess Zeuge eines seltsamen Vorfalls: Aus der Ferne beobachtet er, wie sich eine blonde Frau einem Leichnam nähert. Der Mann ist offenbar von Apachen getötet worden und die Apachen sind noch in der Nähe. Was immer die Frau antreibt, Jess gibt sein Versteck auf und greift ein. Er rettet sie, stellt fest, dass sie völlig dehydriert ist, versorgt sie mit Wasser und bringt sie nach Fort Creel, einer kleinen Gemeinde nahe des Armeestützpunkts. Dort erfährt er, dass es sich um Ellen handelt, die Frau des Kaufmanns Willard Grange. Ellen wurde vor Jahren von Apachen entführt, galt lange als tot und wurde erst vor Kurzem von Soldaten befreit; doch ob diese Rückkehr für sie tatsächlich eine Rettung war, bleibt fraglich.
Remsberg reist weiter nach Fort Concho. Dort wird deutlich, dass er eigentlich nie wieder als Scout für die Armee arbeiten wollte. Der Lieutenant des Forts, McAllister, hat ihn jedoch persönlich gebeten zu kommen und lockt ihn mit Informationen über seine Frau, eine Comanchin, die ermordet wurde. Offiziell waren Indianer die Täter, doch Jess hat daran nie geglaubt, und McAllister bestätigt seinen Verdacht. Bevor er jedoch alles preisgibt, verlangt er von Jess, ihn als Scout zu unterstützen: McAllister soll eine Gruppe junger, unerfahrener Soldaten zu einem weit entlegenen Stützpunkt führen. Das Problem ist ein Häuptling namens Chata, der mit seinen Leuten das ihm zugewiesene Reservat verlassen hat und aus verschiedenen Gründen weder auf Siedler noch auf Soldaten gut zu sprechen ist.
Remsberg willigt ein. Kurz vor dem Aufbruch wird er jedoch Zeuge einer versuchten Vergewaltigung und das Opfer ist Ellen. In der Gemeinde gilt sie als Ausgestoßene; man unterstellt ihr, sie habe nur überlebt, weil sie sich mit den Apachen eingelassen habe. Während Remsberg gegen die Männer robust vorgeht, erhält er Unterstützung von Toller, mit dem er zuvor noch aneinandergeraten war. Offenbar imponiert diesem Remsbergs direkte Art, Probleme zu lösen. Toller wiederum ist aus verschiedenen Gründen nicht ganz freiwillig Teil des Trupps. Als der Trek schließlich aufbricht, verläuft zunächst alles ruhig. Bis Ellen erneut dabei beobachtet wird, wie sie versucht, in das von den Apachen kontrollierte Gebiet zu gelangen. Kurz darauf greifen genau diese Apachen die Soldaten an.
Ab dem Moment, in dem der Angriff beginnt, entwickelt der Film eine für seine Entstehungszeit bemerkenswerte Dynamik. Das Geschehen schreitet ohne Unterbrechung voran: Auf der einen Seite stehen die Soldaten, überwiegend noch in der Ausbildung, auf der anderen Seite die Apachen, gezeichnet von einem Leben, in dem Härte und Überleben den Alltag bestimmen. Regisseur Ralph Nelson stellt im Film selbst jenen Colonel dar, dessen Befehl in die Katastrophe führt. Einen wirklich nachvollziehbaren Grund für diese Truppenverlegung und ihre Eile gibt es dabei nicht.
Zwar kann der Regisseur Nelson seine Sympathien für seine Helden Jess Remsberg und Toller nicht verhehlen – die beiden Männer sind, wie man so sagt, "gut".
Die Apachen gehen zwar mit großer Brutalität gegen die Soldaten vor, es offenbaren sich jedoch nach und nach Gründe für ihre Wut. Diese Gründe sind nachvollziehbar. Auch die einzige weibliche Figur der Geschichte, Ellen, hat ihre Gründe für ihr seltsames Verhalten. Sie ist eine unfreiwillige Wandlerin zwischen den Welten, aber sobald sich die Hintergründe ihres Tuns offenbaren, wird es absolut verständlich.
In Garners Figur offenbart sich darüber hinaus eine Härte, die nicht aus Brutalität entsteht, sondern aus Erfahrung und Überlebenswillen. Jess Remsberg handelt pragmatisch, oft nüchtern, aber nie gefühllos; er wägt ab, schützt, greift ein, wenn es nötig ist, und übernimmt Verantwortung für diejenigen, die sich selbst kaum schützen können. Diese Kombination aus Menschlichkeit und Effektivität macht ihn zu einem glaubwürdigen Anker in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Freund und Feind, richtig und falsch zunehmend verschwimmen. Gleichzeitig bleibt der Film durch diese moralische Komplexität spannend und unvorhersehbar, weil Entscheidungen Konsequenzen haben und sich die Figuren ständig in einem fragilen Gleichgewicht zwischen Pflicht, Überleben und persönlicher Motivation bewegen.
Nelsons bereits erwähnter Versuch, der Geschichte über Details wie den Namen Remsberg eine Authentizität jenseits gängiger Klischees zu verleihen, zeigt sich auch in der englischsprachigen Originalfassung und das auf für die Entstehungszeit durchaus ungewöhnliche Weise hörbar. Ellen wird von Bibi Andersson gespielt, die durch ihre Zusammenarbeit mit Ingmar Bergman internationale Bekanntheit erlangte. In der Szene, in der sie dehydriert kaum noch bei klarem Verstand ist, spricht sie kurzzeitig ihre Muttersprache Schwedisch; es ist ein Moment, der ihrer Figur zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht. Auch Bill Travers in der Rolle des Lieutenant McAllister lässt seine britische Herkunft hörbar durchklingen. Was heute selbstverständlich wirkt – unterschiedliche sprachliche und kulturelle Hintergründe innerhalb eines Western-Ensembles, war zur Zeit der Entstehung von "Duell in Diablo" keineswegs üblich.
Wenn man dem Film einen Vorwurf machen möchte, dann den, dass er teilweise überladen wirkt. Ralph Nelson versucht, über die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten in die an sich simple Aktions-Reaktions-Story Tiefe zu erzeugen. Das ist ehrenvoll und es funktioniert auch. Am Ende leidet man mit Charakteren und nicht mit Zählopfern. Doch allein Ellens Hintergrundgeschichte ergäbe Stoff für einen eigenen Film. Chata gäbe so viel mehr her. Jess Remsbergs Rachegeschichte? Stoff für einen eigenen Roman. In der dynamischen Inszenierung bleiben diese Geschichten jedoch nur Blitzlichter, die, um dies noch einmal zu betonen, funktionieren und tatsächlich jenes Mehr an Tiefe erzeugen, das aus einem guten Film einen sehr guten Film macht. Dennoch wäre da mehr zu erzählen. Heute würde aus "Duell in Diablo" daher vermutlich eine sechsteilige Miniserie.
Zur Blu-ray-Veröffentlichung: Das Bild ist über weite Strecken ganz hervorragend. Der Transfer vom Kinoprint der 1960er-Jahre ins hochauflösende Digitalzeitalter ist insgesamt gelungen, ohne dem Film seinen ursprünglichen Charakter zu nehmen. Allerdings gibt es einige Szenen, und zwar solche, die mit wenig oder ganz ohne künstliche Ausleuchtung entstanden sind, die sichtbar körniger wirken und mit der Schärfe kämpfen. Warum ist das so? Gerade bei Außenaufnahmen unter schwierigen Lichtbedingungen musste seinerzeit mit empfindlicherem Filmmaterial gearbeitet werden, was zwangsläufig mehr Filmkorn erzeugte. Moderne Restaurierungen stehen hier vor einem Dilemma: Entfernt man das Korn zu stark, geht auch ein Teil der Bildstruktur verloren; lässt man es stehen, wirkt das Bild für heutige Sehgewohnheiten mitunter unruhig. Dass die Veröffentlichung hier eher den ursprünglichen Look bewahrt, spricht letztlich für einen respektvollen Umgang mit dem Ausgangsmaterial, auch wenn das im Einzelfall auf Kosten der visuellen Homogenität geht.
Fazit: "Duell in Diablo" ist ein Klasse-Western. Vielleicht kein wirklicher Genreklassiker. Aber ein verdammt guter Film.