CD Cover: Truck Stop - Made in Germany

Kurz vor Start ihrer ersten Club-Tour, Ende April 2017, legen Truck Stop ihr neues Album "Made In Germany" vor.

Nach dem Tod der Gründungsmitglieder Burkhard "Lucius" Reichling 2012 und Günter "Cisco" Berndt 2014 war die große Frage, ob es gut sei, diese zu ersetzen. Die Band entschied sich dafür und 2016 erschien mit Chris Kaufmann, Andreas Cisek und Tim Reese als "die Neuen" bei Truck Stop das Album "Männer sind so". Es gab eine Welle der Entrüstung, denn plötzlich war - natürlich - der Stil ein anderer, als der, den die Fans seit über 30 Jahren gewohnt waren. Deutlich aufgepeppt und einer gründlichen Modernisierung unterzogen, zeigten sich Truck Stop in komplett neuem Stil.

Mit "Made in Germany" den Zeitgeist getroffen

Der Titel(song) "Made in Germany" dürfte bewusst gewählt worden sein. Ein Zeichen gerade heute, wenn es gern kritisch gesehen wird, sich als deutsch zu bekennen. Insofern mutig und zu würdigen, dass einen Weg wählen, ihren Weg, sich solidarisch mit ihrem Land zu zeigen.

Der sanfte Song, der von der Schönheit des einfachen Lebens erzählt, ist jedoch bis auf eine Fiddle-Untermalung definitiv eher schlagerlastig. Und hiermit wären wir beim Thema - im Grunde sind Truck Stop auf "Made in Germany" noch mehr von Country Music abgerückt. Ein klein wenig davon lässt sich allenfalls im angenehmen Slow Song "Weil Du es bist", im frechen "Nachbarn" oder selbstbewussten "Nicht der Typ" erkennen. Verändert hat sich auch die Orientierung der Songs. Beschrieben wird nicht mehr das Offensichtliche, wie Trucks, schöne Frauen, Cowboystiefel - man schaut auf sich selbst und reflektiert Beziehungen und Gedanken.

Die Cowboys sind weich geworden. Sie passen in den Zeitgeist, ja, doch vielleicht nicht mehr ins Bild der ursprünglichen Philosophie von Truck Stop. In den 70er Jahren, zu Zeiten von "Die Frau mit dem Gurt", weinten Männer einfach noch nicht. Heute, in "Ohne Frauen wie Dich" dürfen sie diese Schwäche zeigen. Würde jetzt auch zu den Softies aus der Schlagerbranche passen, doch zu Truck Stop?

Truck Stop - dem Zeitgeist angepasst

Truck Stop sind verlässlich und bleiben wohl, egal, was sie machen, für immer die "Cowboys der Nation". 1980 gaben sie sich selbst diesen Titel, als sie ihren bislang größten Hit "Der wilde, wilde Westen" sangen, den damals jedes Kind mitträllern konnte und der noch heute ein Muss auf jedem ihrer Konzerte ist.

Irgendwie ist auch die Musik, die sie nach dem Umbau in der Band heute machen noch Country Music in eine Weise, die sich einfach dem Zeitgeist angepasst hat. Egal, ob in den USA oder in Deutschland, der Wandel hat sich vollzogen, die Themen haben sich verändert und Truck Stop ist mit den Menschen gewachsen. Mit "Männer sind so" war es durchaus noch gelungen, Spielfreude zu zeigen, das Album hatte Power, Fiddle, Pedal Steel oder Mandoline waren kraftvoll eingesetzt. Doch mit "Made in Germany" haben Truck Stop leider an Dynamik verloren.

"Raus aus meinem Kopf"

Lässt man "Made In Germany" im Auto oder im Hintergrund durchlaufen, hört man zweifelsohne durchweg abwechslungsreiche und gut gemachte Musik, die jedoch auch irgendwie direkt wieder "Raus aus dem Kopf" (so einer der angenehmen Titel) ist.

Schwer zu sagen, ob sich auch nur einer der 14 Titel annähernd als Kult etablieren wird, wie die früheren Hits der Band, wie "Der wilde, wilde Westen", "Ich möcht' so gern Dave Dudley hör'n" oder der neueren wie "Männer sind so".

Sicher kann sich der Song "Made in Germany" durchaus als Hymne auf der vor uns liegenden Club-Tour entwickeln, ein Lied, das verbindet, das sich wunderbar eignet, in den Armen zu liegen, die Feuerzeuge raus zu holen und eine Verbindung zu spüren. An musikalischer Qualität haben Truck Stop mit den Jahren und nach vollzogener Umbesetzung nichts eingebüßt, sondern eher gewonnen. Doch an Country-Nähe und Größe gegenüber früher mit "Made in Germany" leider verloren.

Fazit: Mit "Made In Germany" sind Truck Stop nochmal ein großes Stück weiter weg vom früheren Stil der Band und können damit nicht an "Männer sind so" anschließen.

Label: Telamo (Warner) VÖ: 7. April 2017
01 Made in Germany
02 Ich guck' das Spiel, Schatz
03 Ein Hund ohne richtigen Namen
04 Mama macht Karriere
05 Wäre, würde, hätte
06 Wenn Du jemand suchst
07 Wenn Männerherzen brechen
08 Nachbarn
09 Weil du es bist
10 Ich hab' kein'n Plan
11 Nicht der Typ
12 Ohne Frauen wie dich
13 Raus aus meinem Kopf
14 Letzter Halt

Anmelden

ralffreds Avatar
ralffred antwortete auf das Thema: #58198 4 Monate 1 Woche her
Ich wurde das neue Album vortrefflich - und sogar noch positiv - beschrieben. Nachdem das Album "Männer sind so" mich hoffen ließ, dass Truck Stop musikalisch zu neuer Stärke findet, hat mich das neue Album rundum enttäuscht. Ich empfinde es als eines der schwächsten Truck Stop Alben und würde es überwiegend dem Genre "Schlager" zuordnen. Von mir gäbe es dafür nur 2 Sterne.
Und wegen diesem schwachen Album haben Truck Stop Ihre Club-Tour Ende 2016, nicht mal 1 Woche vor deren Beginn, abgesagt? Das Album wird bei mir verstauben.
Rauschbrunnens Avatar
Rauschbrunnen antwortete auf das Thema: #58201 4 Monate 1 Woche her
Nur so viel sei zur neuen CD gesagt: Der Stern dieser Rentnerband namens Truck Stop ist am Verghlühen. Man sollte aufhören wenn es am schönsten ist und nicht mit Schlagern, aufgehübscht mit muskikalischem Country Touch weitermachen. Leute und Produzenten dieser CD - das ist nicht die Countrymusic welche man als Liebhaber der Country Musik hören will. Die Amis kochen auch nur mit Wasser aber sie nehmen ab und zu einen neuen Topf. Die Tantiemen der bisherigen Scheiben werfen sicher genug ab um ein angenehmes Leben in Mamas Rocking Chair führen zu können.So viel sei zur neuen Truck Stop CD gesagt.
Ceep it country Erwin +
Haralds Avatar
Harald antwortete auf das Thema: #58205 4 Monate 15 Stunden her
Zu der CD kann ich nichts sagen, da ich sie nicht kenne.
Aber Bettina schreibt, dass die CD sehr schlagerlastig ist und sich vom Country immer weiter entfernt. Wenn dem so ist, dann braucht man sich eigentlich nicht wirklich wundern. Denn ist es in Amerika anders?? Was da in letzter Zeit in großen und Ganzen in den Charts ist, hat meiner Meinung nach mit dem Country, was ich seit über 40 Jahren höre, auch nicht mehr wirklich viel zu tun. Für mich ist das auch nur noch Schlager auf amerikanisch. Man muss schon froh sein, wenn man in dem einen oder anderen Song tatsächlich noch ein countrytypisches Instrument hört. Ich habe über lange Jahre hinweg die Bilboard Charts auf AFN angehört. Wenn man das heute anhört hat man das Gefühl, es handelt sich um eine CD von einem Interpret. Man kann fast keine Unterschiede mehr feststellen. Glücklicherweise gibt es noch ein paar Nischen, wo tatsächlich Country gespielt wird, wie ich es gerne höre.
Aber das ist wie immer Geschmacksache und jeder kann dazu seine eigene Meinung haben.

Harald
MarkusDs Avatar
MarkusD antwortete auf das Thema: #58224 3 Monate 1 Woche her

Bettina Granegger schrieb:

CD Cover: Truck Stop - Made in Germany

Kurz vor Start ihrer ersten Club-Tour, Ende April 2017, legen Truck Stop ihr neues Album "Made In Germany" vor.

Nach dem Tod der Gründungsmitglieder Burkhard "Lucius" Reichling 2012 und Günter "Cisco" Berndt 2014 war die große Frage, ob es gut sei, diese zu ersetzen. Die Band entschied sich dafür und 2016 erschien mit Chris Kaufmann, Andreas Cisek und Tim Reese als "die Neuen" bei Truck Stop das Album "Männer sind so". Es gab eine Welle der Entrüstung, denn plötzlich war - natürlich - der Stil ein anderer, als der, den die Fans seit über 30 Jahren gewohnt waren. Deutlich aufgepeppt und einer gründlichen Modernisierung unterzogen, zeigten sich Truck Stop in komplett neuem Stil.

Mehr lesen...


Interessanter Artikel!Danke!