Lainey Wilson - Bell Bottom Country

CD Cover: Lainey Wilson - Bell Bottom Country

Nach dem großen Erfolg von "Sayin' What I'm Thinkin'" legt Lainey Wilson mit "Bell Bottom Country" nach.

Nashville erbebt gerade. Ein kleines bisschen zumindest. Dafür verantwortlich sind nicht irgendwelche Rabauken à la Florida Georgia Line oder Morgan Wallen, sondern die singende Damenwelt. Frauen-Power ist an der Music-Row angesagt. Zur Speerspitze der stimmgewaltigen Country-Sängerinnen gehört - neben Ashley McBryde, Ingrid Andress und Maren Morris - auch Lainey Wilson. Vielleicht sogar: vor allem Lainey Wilson.

Spätestens seit ihrem 2021 erschienenen hochgelobten und vielfach prämierten Album "Sayin' What I'm Thinkin'" zählt die aus Baskin, Louisiana, stammende Sängerin zur ersten Country-Garde.

Tja, dann mal sehen und hören, was der Erfolg aus der Künstlerin gemacht hat. Optisch, so das Cover, schon mal manches. Wie sie so mit rotem Hut, Jeans-Jacke und einer imposanten giftgrünen 70er-Jahre-Hose (oben eng, unten ausgestellt) auf dem Cover posiert, lässt sie an eine bekiffte Stevie Nicks und Flower-Power denken. Auch der Schriftzug ist im Hippie-Style gehalten. Sehr retro das alles. Ob das aber jetzt ein gutes Zeichen sein muss, lässt sich nicht sagen. Andererseits zeigte sich die Blonde mit der wuchtigen Stimme schon auf der 2019 erschienenen EP "Redneck Hollywood" im Vintage-Outfit. Scheint ihr Ding zu sein. Heute ist sie nur modisch noch etwas mutiger.

Lainey Wilson legt nach: "Bell Bottom Country"

Diese erstaunliche Musikalität hat sie die Music Row im Sturm erobern lassen. Sechs CMA-Nominierungen stehen in diesem Jahr für sie zu Buche, mehr als jeder andere Country-Act. Mit "Bell Bottom Country" setzt sie diesen Kurs fort - mit Songs, wie dem kraftvollen "Road Runner", dem ultralässigen und dazu sehr gefühlvoll-akustischen "Watermelon Moonshine" oder der geheimnisvoll zurückhaltenden Klavier-Ballade "Weak End".

Das ist Gold wert. Das ist prächtig für den Widererkennungswert, für das Vermarktungs-Konzept. Hat sie damit schon ihre eigene musikalische Schublade? Nun, soweit muss man jetzt nicht gehen. Denn so richtig über-kreativ oder gar innovativ ist die Musik von "Bell Bottom Country" auch wieder nicht. Vermutlich ist das auch gar nicht das Anliegen von Lainey Wilson. Sie bezieht sich in ihrem Sound einfach auf die Basis von Country und würzt dieses Genre mit solidem Rock, herzhaften Blues, mit einer guten Prise Southern Rock und – klar doch – mit dem lässigen Gestus eines Hippies mit Schlaghose.

Wie so etwas klingt, zeigt sich schon in jenem erwähnten Opener. Ein Song, den sie gemeinsam mit Terri Jo Box und Jeremy Bussey schrieb, und der gleichermaßen Country, Blues, "Peace & Love"-Gesinnung in seiner DNA hat - und den sie mit voller Überzeugungskraft interpretiert. Er scheint so etwas wie ihr Signature-Song zu sein, ein Titel, wie ein Fingerabdruck: 100 Prozent Lainey Wilson. Kein Wunder, dass sie gleich zu Beginn der CD klar macht, dass sie über genügend Kraft-Potential verfügt, um die ehrwürdige Grand Ole Opry in ihren Grundfesten erzittern zu lassen. Glücklicherweise ist sie aber erfahren und talentiert genug, um dieses Kapital nicht zu sehr auszureizen. Im Gegenteil. Sie dosiert ihre Power schlau und setzt sie - im Gegensatz zu manch nerviger Wuchtbrumme - nie als Selbstzweck ein.

Erdig und abwechslungsreich: "Bell Bottom Country"

"Bell Bottom Country" zeigt aber auch, wie breit der Sound aus Nashville heute aufgestellt ist. Auch wenn die Dachmarke stets "Country" heißt und Titel wie "Heart Like A Truck" und "Those Boots (Deddy's Song)" das Genre pur und unverfälscht abbilden, fließen auch weitere stilistische Zutaten in das Klangbild der CD ein: "Me, You And Jesus" überzeugt als herrlicher Folk-Gospel, "Wildflowers And Wild Horses" ist ein Americana-Track mit so manchem experimentellen Überraschungsmoment und "Grease" basiert ganz auf dem Sound des guten, alten Funk-Rock aus den 1970er-Jahren. Bei allen neuen Titeln war Lainey Wilson als Co-Autorin mit an Bord. Nur beim letzten Track der CD steht ihr Name nicht in den Credits. Klar, dabei handelt es sich um die - irgendwie unnötige - Cover-Version des 90er-Jahre-Klassikers "What's Up (What's Going On)" von den 4 Non Blondes. Geschrieben hat den Song, wie man weiß, Linda Perry. Auch so eine Power-Frau.

Fazit: Lainey Wilson mischt mit ihrem kräftigen, Blues-getränkten und mit robuster Stimme vorgetragenen Country-Rock gerade Nashville auf. Mit "Bell Bottom Country" macht sie da weiter, wo sie mit "Sayin' What I'm Thinkin'" im letzten Jahr aufgehört hat.

vgw
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