Country-Auszeichnungen und ihr Wert

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Am heutige Sonntag heißt es für mich, früh zu Bett gehen, denn ab 2:00 Uhr morgens überträgt ProSieben live aus Los Angeles, Kalifornien, die Verleihung der Grammy-Awards, dem wohl wichtigsten Musikpreis der Welt. Ich bin ProSieben wirklich dankbar, dass inzwischen die wichtigen Preise wie der Oscar, der Golden Globe und der Grammy dort live übertragen werden und auch TNT Serie bin ich dankbar, dass sie im letzten Jahr die Emmy-Verleihung live übertragen haben. Für so wichtige Preise schlage ich mir gerne die Nacht um die Ohren.

Auch für die (Academy of Country Music) ACM-Awards oder die (Country Music Association) CMA-Awards würde ich mitten in der Nacht mein Bett verlassen. Leider werden diese nicht live nach Deutschland übertragen. Letztere kommen mit ein wenig Zeitverzögerung auf 3SAT, aber zu einer zivilen Zeit um 11:30 Uhr.

Der aufmerksame Leser unserer Seite weiß aber, dass es in Amerika noch diverse andere Auszeichnung, wie zum Beispiel die CMT Flameworthy Awards oder die im letzten Jahr zum ersten Mal verliehenen American Country Awards, kurz ACAs, gibt. Aber ganz ehrlich, brauchen wir diese Auszeichnung? Nominiert sind eh oft immer dieselben Sänger und Sängerinnen und wissen Sie noch wer letztes Jahr Preisträger bei den CMT Flameworthy Awards war? Klar für die beiden ausstrahlenden Fernsehsender sind diese Galas wichtig, denn schließlich schalten viele Menschen ein und man bekommt auch eine Menge Artikel in Zeitschriften, Zeitungen und Online-Magazinen etc. Also eine gute Werbung. Auch die Plattenlabel sind sicherlich froh und dankbar, denn so bekommt man News für die hauseigenen Künstler. Also für alle Seiten irgendwie eine sogenannte Win-Win-Situation.

In Deutschland sieht das alles schon wieder ganz anders aus. Hier gab und gibt es so viele Auszeichnungen, dass man schnell den Überblick verlieren kann oder nicht mehr existierende Auszeichnungen ganz schnell vergisst oder auch vergessen möchte. Oder erinnern Sie sich noch an den ICMAG-Award? ICMAG steht übrigens für die Independent Country Music Association of Germany. Auch die nicht mehr existierende Zeitschrift Country Circle hatte einen Award, der komplett in die Vergessenheit geraten ist. Dann gab es mal den Country Music Förderpreis, der eigentlich neue Country-Bands aus Deutschland fördern sollte, doch auch der wurde sang und klanglos eingestellt.

Die einzige Auszeichnung, die wenigstens ein bisschen Breitenwirkung hatte, war der (German American Country Music Federation) GACMF-Award der seinen Weg von einer kleinen Verleihung hin zu einer großen Gala schaffte. Auch optisch machte die Auszeichnung eine ganze Menge her. Aber nachdem der MDR für die Fernsehsendung die Reißleine zog, wurde auch die Verleihung des Preises eingestellt – schade eigentlich.

Ein wenig außer Konkurrenz läuft die Pullman City Trophy, die die beiden Westernstädte unabhängig voneinander ausrichten. Hier steht aber nicht die Preisverleihung im Vordergrund, sondern die zu gewinnenden Auftritte auf einer der hauseigenen Bühnen. Aber einige Country-Künstler scheinen diesen Wettbewerb nicht wirklich ernst zu nehmen, sonst würden sie sich besser vorbereiten (siehe auch den Kommentar "Pullman City Harz Trophy 2010 - Ansichten eines Jury-Mitglieds").

Bis vor neun Jahren verliehen die Veranstalter der Country Music Messe den Country Music Spirit Europe. Fünf Jahre lang erhielten 17 Personen oder Institutionen, die – nach eigenen Angaben - sich um die europäische Country-Musik verdient gemacht haben, die Auszeichnung. Aber auch diese Auszeichnung verschwand so stillschweigend, wie sie in ihrer aktiven Zeit (nicht) wahrgenommen wurde.

Im letzten Jahr kam dem Veranstalter der Country Music Messe, zusammen mit einigen Mitstreitern vom Country Music Förderpreis sowie einem Internet-Radiosender und einem Online-Magazin, die Idee, den Deutschen Countrypreis ins Leben zu rufen und die Verleihung auf eben jener Veranstaltung als Highlight durchzuführen. Marketingtechnisch und auch sonst eine gute Idee – Chapeau Kai Ulatowski. Aber wie sagte mein Arbeitslehrelehrer (in einigen Bundesländern heißt es Werken) immer zu mir: Idee 2 – Ausführung 5.

Erst nachdem man versucht hatte, die neue Auszeichnung in den angeschlossenen Medien zu publizieren, sprach man auch andere Country-Medien an – so auch CountryMusicNews.de. Hier haben wir lange hin und her überlegt, ob wir den Preis erwähnen sollten, aber Erfahrungswerte ließen uns vorsichtig sein, denn wir wollten nicht etwas in die Öffentlichkeit bringen, dass nachher vielleicht einen bitteren Beigeschmack haben könnte.

Ein Kollege, der die Nominierten veröffentlicht hatte, versuchte am vergangenen Montag noch, die Gewinner rauszubekommen und das, obwohl die Verleihung bereits am Sonntagnachmittag war. Schon erinnerte ich mich wieder an meinen Arbeitslehrelehrer…

Für das Album des Jahres wurde Jolina Carl für ihren Silberling "Lieber jetzt als irgendwann" ausgezeichnet. Ein Album, das von einigen Kollegen gut besprochen wurde – ich selbst hatte nie die Möglichkeit es zu hören. Nun mag Jolina Carl diesen Preis wirklich verdient haben und dieser Satz soll nicht bedeutet, dass sie es nicht hat, aber in der Jury saßen Vertreter der Western Mail, dessen Herausgeber der Manager von Jolina Carl ist und dessen Frau, Iris Paech, das Album produziert hat. Also irgendwie hat das ein – wie sagen die Schwaben so schön – Gschmäckle.

Ähnliches gilt für die Auszeichnung der Band des Jahres, Texas Heat. Der Frontmann der Kombo, Bernd "Marty" Wolf war einer der lautesten Kritiker der Country Music Messe 2010, ob nun in persönlichen Gesprächen oder sozialen Netzwerken. Nachdem Texas Heat nominiert wurde, brach die Kritik schlagartig ab. Nun mag Texas Heat eine gute Band sein, ich hatte bisher nicht die Möglichkeit die Band live zu hören, aber da ist wieder: Das Gschmäckle.

Den "Liebling der Fans"-Preis hat übrigens Country Lady Dagmar gewonnen. Eine Frau, die meinen höchsten Respekt für ihre Leistungen hat. Ich habe selten eine Country-Künstlerin gesehen, der sich mehr um ihre Fanbase kümmert als Lay D., wie sich Dagmar seit kurzem nennt. Da wird sich die Kelsterbacherin – zu Recht – gefreut haben.

Prinzipiell sind Auszeichnungen eine gute Sache, denn wenn Endverbraucher hören, dass jemand Künstler des Jahres wurde, beschäftigt man sich mit dem Sänger. Aber jede Art von Angriffspunkt sollte man vermeiden.

Wie alle Menschen haben auch Kai Ulatowski und seine Mannen die Chance, es nächstes Jahr transparenter- und besser zu machen und damit den faden Beigeschmack loszuwerden. Verdient hätten es vor allem die Künstler. Denn ansonsten bleibt der Deutsche Countrypreis nur eine Auszeichnung ohne eine wirkliche Bedeutung und endet wie all die anderen als Staubfänger oder allenfalls als Buchstütze.

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