Wild Rose

Wild Rose

"Wild Rose" ist ein britisches Musikdrama aus dem Jahr 2018 unter der Regie von Tom Harper und mit Jessie Buckley, Julie Walters, Sophie Okonedo, Jamie Sives, Craig Parkinson, James Harkness, Janey Godley, Daisy Littlefield, Ryan Kerr, Adam Mitchell und Nicole Kerr in den Hauptrollen. Das Drehbuch wurde von Nicole Taylor geschrieben.

Filmplakat: Wild Rose
 

Eine schottische Country-Sängerin will es wissen - Wild Rose mit Cameos von Ashley McBryde und Kacey Musgraves.

Nashville ist das Mekka für jeden der Country Music liebt. Millionen Menschen pilgern jedes Jahr dorthin, um einzutauchen, aber auch um entdeckt zu werden. Nicht nur Amerikaner, sondern ebenso Australier und Europäer fühlen sich angezogen. Der Film "Wild Rose" erzählt die Geschichte einer jungen wilden Schottin, die alles geben würde, um in der legendäre Music City USA einmal auftreten zu dürfen. Aber würde sie für diesen Traum auch ihre Familie aufgeben?

Nicht Western, sondern Country

Wenn Rose-Lynn (Jessie Buckley) in der Kneipe ihrer Heimatstadt Glasgow immer wieder als Western- und Country-Sängerin angekündigt wird, klappt ihr Kinnlade runter. Dann flüstert sie schon mal leise, aber bestimmend ins Mikro, dass sie ausschließlich Country-Sängerin ist. Im Film wirkt das wie ein Running-Gag, auch wenn die Unterscheidung heute kaum noch eine Rolle spielt und sich der Begriff Country- und Western-Musik darauf zurückführen lässt, dass beide Musikrichtungen in den 1940ern für die US-Billboards zusammengeführt wurden. Aber Rose-Lynn besteht nun mal auf die Unterscheidung, auch wenn sie sich selbst als Amerikanerin sieht, die leider in Schottland geboren wurde.

Lieber Karriere als Kinder

Allein mit dieser Äußerung wird klar, dass die Mittzwanzigerin oft völlig an der Realität vorbeilebt. Dass sie zwei Kinder im Alter von fünf und acht Jahren hat, verschweigt sie genauso wie ihr einjähriger Aufenthalt im Gefängnis wegen einer dummen Drogensache. Ihr Mutter Marion (Golden Globe Gewinnerin Dame Julie Walters ("Rita will es endlich wissen")) hat sich in der Zeit um die Kids gekümmert und erwartet von Rose-Lynn nach der Entlassung, endlich Verantwortung zu übernehmen. Aber die Tochter will nur zurück auf die Bühne ihrer Stammkneipe.

Nebenbei geht sie putzen, aber nur, um sich das Geld für eine Reise nach Nashville zu verdienen. Ihre Arbeitgeberin Susannah (Sophie Okonedo) unterstützt sie in ihren Vorhaben. Denn sie ist von Rose-Lynns großartiger Stimme so überzeugt, dass sie in ihrem Garten sogar eine Benefiz-Konzert mit ihrer Putzfrau veranstalten will, damit ihre wohlsituierten Gäste tief in ihre Geldbörsen greifen, um Nashville möglich zu machen. Der Traum erscheint so nah, doch dann macht ihr die eigene Mutter ein Strich durch die Rechnung…

A Star is Born - nicht wirklich!

Als Zuschauer fällt es einem anfangs wirklich schwer, für Rose-Lynn Sympathien zu entwickeln. Sie wird uns als selbstsüchtige, ausfallende und verantwortungslose Frau vorgestellt, und spätestens wenn man in die traurigen Gesichter ihrer beiden Kinder schaut, die längst den Draht zur Mutter verloren haben, möchte man der Protagonistin nur noch ins Gewissen reden. Aber dann singt sie voller Inbrunst und als Zuschauer wird man dermaßen mitgerissen, dass man ebenso zu der Überzeugung kommt, diese Frau gehört ins Rampenlicht.

Regisseur Tom Harper - selbst bekennender Country-Music-Fan - hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Konflikt lösen zu wollen, ohne dabei auf die üblichen Klischees zu setzen. Es gibt also kein typisches "A Star Is Born"-Auflösung, sondern ein wunderbares Ende, das zu Herzen geht.

Das große Plus des Films: Neuentdeckung Jessie Buckley

So gesehen ist "Wild Rose" in erster Linie ein Sozialdrama, in dem die Musik die zweite Geige spielt. Aber wenn Hauptdarstellerin Jessie Buckley ("Tschernobyl") ins Mikro röhrt, ist das jedes Mal ein Highlight.

Überhaupt ist die irische Künstlerin das große Plus dieses Films. Sie schafft nicht nur den Wandel von einer unausstehlichen Egomanin zu einer liebenswerten Mutter, sondern interpretiert alle Songs selbst. Nicht nur Titel weiblicher Country-Größen wie Wynonna Judd, Bonnie Raitt oder Trisha Yearwood, sondern auch Eigenkompositionen. Noch höher schlägt das Herz eines jedes Country-Musikfans, wenn und BBC-Moderator Bob Harris im Film Gastauftritte absolvieren. Denn so viel darf man verraten: Es gibt selbstverständlich einen Besuch nach Nashville, der aber anders verläuft als erwartet.

Fazit: Ein Drama der großen Gefühle, angereichert mit mitreißenden Country-Songs. "Wild Rose" garantiert zwei wunderbare Kinostunden.

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